Schon wenige Sekunden reichen: Warum die Netzhaut den Schaden zunächst gar nicht spürt – und Betroffene ihn oft erst Stunden später merken.
Wenn am Mittwoch der Mond große Teile der Sonne verdeckt, richten sich in Deutschland wieder Millionen Gesichter zum Himmel. Augenärzte warnen jedoch eindringlich: Ein ungeschützter Blick in die Sonne kann das Sehvermögen dauerhaft schädigen. „Wenige Sekunden können ausreichen“, sagt Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Chemnitz und Experte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).
Betroffene merken nichts in dem Moment, wenn es passiert. Das liegt daran, wie das menschliche Auge funktioniert. Seine Linse bündelt die Sonnenstrahlen wie ein Brennglas auf der Netzhaut. Dort befinden sich die Sehzellen. Sie sind lichtempfindlich und nehmen durch die Wirkung der Wärme und in Gang gesetzte fotochemische Prozesse Schaden. Mediziner sprechen von einer Sonnenretinopathie.
Da die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren hat, merkt man oft erst Stunden später, dass etwas nicht stimmt. Zum Beispiel dann, wenn ein dunkler Fleck im Sichtfeld auftritt und nicht mehr weggeht. In manchen Fällen zeigt sich die Schädigung sogar erst nach ein bis zwei Tagen, in Ausnahmefällen nach bis zu einer Woche.