Nach den Enttäuschungen in Mailand und Cortina kehren die DSV-Athleten in den Weltcup zurück – begleitet von der alles überlagernden Frage, wer Franziska Preuß ersetzen kann.
Franziska Preuß verabschiedete sich in Antholz mit Krone von der Biathlon-Bühne.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa/Hendrik SchmidtKöln · Nach den Enttäuschungen in Mailand und Cortina kehren die DSV-Athleten in den Weltcup zurück – begleitet von der alles überlagernden Frage, wer Franziska Preuß ersetzen kann.
Von ihrem alten Arbeitswerkzeug kann Franziska Preuß dann doch nicht die Finger lassen. Viele Stunden habe sie seit ihrem Karriereende auf ihren Langlaufskiern verbracht, erzählte die Bayerin freudestrahlend bei „Blickpunkt Sport“: „Bei Sonnenschein, ohne Uhr. Man konnte stehenbleiben, man konnte einkehren. Die letzten Tage waren sehr schön.“ Deutschlands Sportlerin des Jahres genießt die Vorzüge ihres neuen, biathlonfreien Lebens – schließlich lastet der große Druck nun auf anderen Schultern.
Mit dem am Donnerstag beginnenden Weltcup in Kontiolahti kehren ihre ehemaligen Teamkolleginnen und Teamkollegen in den sportlichen Alltag zurück. Noch immer wirkt das enttäuschende Abschneiden bei den Olympischen Winterspielen in Antholz aber nach. Nun sollen auf der Zielgeraden der Saison neben sportlichen Ausrufezeichen in Finnland auch die Weichen für eine positive Zukunft gestellt werden.
„Mit nur einer Medaille können und wollen wir im deutschen Biathlon nicht zufrieden sein. Unser Anspruch als Team und Verband ist ein anderer, und dem stellen wir uns“, sagte Felix Bitterling. Entsprechende Analysen hätten bereits begonnen. Die „teilweise sehr zugespitzte Weltuntergangsstimmung rund um den deutschen Biathlon“ teile das Team um den Sportdirektor aber „nicht“. Schließlich habe man „bei Olympia viele starke Leistungen gesehen, mehrere Ergebnisse lagen nur sehr knapp an den Medaillen vorbei“.
Rückstand auf die Top-Nationen
Bitterling weiß, dass das deutsche Lager – insbesondere nach dem Abschied von Preuß – derzeit „nicht über die großen dominierenden Einzelstars vergangener Jahre“ verfügt. „Gleichzeitig sehen wir vor allem bei den Frauen mehrere sehr hoffnungsvolle Athletinnen, die sich weiterentwickeln und perspektivisch in diese Rollen hineinwachsen können.“ Und auch bei den Männern könne man aktuell im zweitklassigen IBU-Cup „viele positive Entwicklungen“ beobachten, sagte der Sportdirektor, der nach der Saison den DSV verlassen wird.
Neben den etablierten Namen wie Vanessa Voigt, in Antholz als Teil der Bronze-Staffel im Mixed für die einzige deutsche Medaille mitverantwortlich, liegt der Fokus bei den Biathletinnen nun vor allem auf Selina Grotian (21), Julia Tannheimer (20) und Marlene Fichtner (22). Bei den Männern sollen perspektivisch Leonhard Pfund (22) und Elias Seidl (21) feste Größen des Teams werden und so auch den hohen Altersdurchschnitt der deutschen Biathleten, in Südtirol lag dieser bei über 30 Jahren, senken.
Klar ist, dass diese Prozesse Zeit benötigen werden. Den Rückstand zu den enteilten Franzosen und Norwegern wird das DSV-Team nicht in wenigen Wochen schließen können. „Ich bin trotzdem optimistisch, dass das gut weitergeht. Biathlon-Deutschland, irgendwie geht es immer weiter“, sagte Preuß: „Jede Sportart hat mal ihr Auf und Ab.“ Manchmal müsse man „vielleicht mit dem Rücken zur Wand stehen, um sich dann in mehreren Bereichen weiterzuentwickeln“.