Hitze und Trockenheit drücken die Erträge. Die Ernte fällt wohl ernüchternd aus. Dazu kommen hohe Preise für Energie. Bauern fordern Entlastung.
Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, zieht eine ernüchternde Erntebilanz für 2026. „Wir haben nur eine unterdurchschnittliche Ernte einfahren können. Insbesondere hat der Weizen enttäuscht und der Raps hat einen ganz schlechten Ertrag gebracht“, sagte Rukwied am Dienstag auf RTL und ntv.
Zu rechnen ist mit einer unterdurchschnittlichen Getreidemenge von 41,9 Millionen Tonnen, wie der Deutsche Bauernverband mitteilte. Das wären sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei zeigten sich aber enorme regionale Unterschiede. „Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, sagte Rukwied. Hintergrund waren demnach ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte. Der Standort habe in diesem Jahr über den Ernteertrag entschieden wie selten zuvor.
Die Landwirte würden allerdings nicht allein durch niedrige Erträge und niedrige Preise belastet. „Das Preisniveau ist nicht wirklich kostendeckend. Und hinzu kommt dann auf der anderen Seite die starke Belastung durch Betriebsmittelkosten, wie beispielsweise Energie, Diesel, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel. Alles ist sehr teuer“, so der Bauernpräsident.
Rukwied forderte ein Sofortprogramm von der Bundesregierung. „Zum einen das Aufstocken der Düngemittelhilfe. Da hat die EU für Deutschland 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das kann auf bis zu 180 Millionen aufgestockt werden, das erwarten wir.“ Darüber hinaus sollten die Landwirte auch bei den Treibstoffpreisen entlastet werden. Der Verbandspräsident forderte eine sofortige Verringerung bei der Besteuerung von Diesel, und zwar bis mindestens Ende November.
Landwirtschaftsminister Rainer: Lebensmittelpreise werde nicht sofort teurerLebensmittel wie Brot und Fleisch werden nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) wegen der Trockenheit in Deutschland nicht sofort teurer. „Ich gehe nicht davon aus, dass es sofort teurer wird, weil die Lebensmittelpreise hängen auch noch von vielen anderen Faktoren ab - von der Lieferkette, vom Transport, von der Erzeugung“, sagte Rainer am Dienstag im „Morgenmagazin“ des ZDF.
Wie groß die Schäden genau sind, steht noch nicht fest. Rainer sagte zur Forderung des Bauernverbands nach Soforthilfen, „ohne belastbare Daten können wir schlecht Hilfe leisten“. Die Regierung habe aber die Folgen der Dürre „genau im Auge“ und werde „so gut es geht und so schnell es auch geht, passgenaue Hilfen anbieten“, sagte er weiter.
Rainer will Ende August amtliche Erntedaten vorlegen. Der „Rheinischen Post“ vom Dienstag sagte der Landwirtschaftsminister: „Ich klopfe an jede Tür, an der Hilfe möglich ist.“ So habe er auch dem EU-Agrarkommissar die „besorgniserregende Situation auf unseren Äckern und Weiden geschildert und deutlich gemacht, dass im Ernstfall auch Europa gefordert ist“.
rk/KNA/dpa/AFP
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