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Gasspeicher nicht voll genug? Expertin nennt Worst-Case-Szenario

Дата публикации: 21-08-2026 14:01:20

Die deutschen Gasspeicher sind ungewöhnlich leer. Noch droht kein Gasmangel – doch ein kalter Winter könnte die Preise weiter nach oben treiben.

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Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt. Die Bundesnetzagentur, die die Füllstände überwacht, ist alarmiert. Experten sagen, was nun droht.

Warum sind die Speicher derzeit vergleichsweise niedrig gefüllt?

Der wichtigste Faktor ist zunächst die ungewöhnliche Preisentwicklung. Für Händler lohnt es sich derzeit nicht besonders, Gas einzuspeichern. „Die Preise für den laufenden Sommer sind schon seit Monaten höher oder auf einem ähnlichen Niveau wie die Preise für den kommenden Winter“, sagt Gasmarktexperte Heiko Lohmann vom Branchenmagazin „energate“ dieser Redaktion. Normalerweise funktioniert das Geschäftsmodell so: Gas ist im Sommer günstiger, Händler kaufen es und verkaufen es im Winter zu einem höheren Preis. Aktuell funktioniert das nicht.

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Dazu trägt auch die angespannte geopolitische Lage bei. Wegen der Einschränkungen an der Straße von Hormus fehlen dem Weltmarkt größere Mengen Flüssiggas (LNG). Gleichzeitig hoffen die Marktteilnehmer darauf, dass im Winter wieder mehr LNG, insbesondere aus Katar, zur Verfügung steht und das Angebot aus anderen Quellen, wie den USA, weiter wächst – und somit dann Gas wieder günstiger ist.

Gasmarktkenner Lohmann sieht noch einen weiteren Erklärungsansatz für den derzeit niedrigen Füllstand. Gashändler könnten darauf setzen, dass der Staat schlussendlich einspringt, wenn die Speicher nicht ausreichend gefüllt sind. Über die marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe GmbH (THE) – die zentrale Steuerungs- und Koordinierungsstelle für den gesamten deutschen Gasmarkt – kann der Staat Einfluss auf die Befüllung nehmen. Für Händler könnte es deshalb attraktiv sein, Gas zunächst nicht einzulagern und stattdessen darauf zu hoffen, es später zu einem höheren Preis an den Staat verkaufen zu können, erklärt er.

Grundsätzlich macht das Bundeswirtschaftsministerium Vorgaben mit Blick auf den Füllstand der Speicher: Zum 1. November soll der Füllstand bei 80 Prozent liegen, aktuell sind es gerade einmal gut 50 Prozent. Speicherbetreiber könnten diese Maßgaben jedoch einfach und vergleichsweise kostengünstig ignorieren, warnt die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gegenüber dieser Redaktion: Die Füllstandsvorgaben seien bislang zu wenig verbindlich und kaum sanktioniert.

Geht uns im Winter das Gas aus?

Dass die Speicher derzeit so leer sind wie nie zuvor zu dieser Zeit, klingt zunächst alarmierend, bedeutet aber nicht, dass Deutschland im Winter das Gas ausgeht. Entscheidend ist nicht allein der Füllstand der Speicherinfrastruktur, sondern auch, wie viel Gas über Pipelines und LNG-Terminals ins Land kommt und wie kalt der Winter wird. Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet derzeit keine Gasmangellage, warnt aber vor einer „weniger komfortablen“ Ausgangslage als in den vergangenen beiden Wintern.

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Die Bundesnetzagentur, die die Füllstände überwacht, teilt auf Anfrage mit, die Entwicklung „sehr ernst“ zu nehmen, weist aber auch auf eine geänderte Bedeutung der Speicher hin: „Früher waren sie die einzige Flexibilitätsquelle, inzwischen ist LNG als weitere Flexibilitätsquelle hinzugetreten“, so eine Sprecherin. Hinzu komme auch, dass sich der deutsche Energieverbrauch verringert hätte.

Auch Thorsten Storck, Energieexperte beim Preisvergleichsportal Verivox, gibt Entwarnung. Ein niedriger Speicherstand bedeute nicht, dass Verbrauchern das Gas ausgehe, sagte er dieser Redaktion. Unter Verweis auf andere Bezugsquellen sieht er eine „robustere Ausgangslage“.

Allerdings: Ein Worst-Case-Szenario existiert durchaus, wie Energieökonomin Kemfert umreißt: „Ein sehr kalter Winter trifft auf geringe Speicherstände, hohe Weltmarktpreise und zusätzliche Lieferausfälle. Dann könnten Gaspreise stark steigen und insbesondere energieintensive Unternehmen unter erheblichen Kostendruck geraten. Eine tatsächliche Mangellage wäre das äußerste Szenario.“

Wird Gas für Haushalte teurer?

Die schlechte Nachricht für Verbraucher: Sie müssen nicht warten, bis die Speicher tatsächlich leer sind, um die Folgen zu spüren. Schon die Erwartung einer möglichen Knappheit kann die Großhandelspreise nach oben treiben. „Niedrige Speicherstände können ein Preisrisiko sein“, sagt Storck. Wegen der bereits gestiegenen Großhandelspreise infolge des Iran-Kriegs rechnet Verivox mit Mehrkosten für Verbraucher von 10 bis 20 Prozent. Sollten die Speicher nicht ausreichend gefüllt werden und im Winter eine längere Kälteperiode einsetzen, könnte der Preisdruck weiter zunehmen.

Gasmarktexperte Lohmann warnt ebenfalls vor langfristig höheren Kosten für Verbraucher. Neue Verträge würden die gestiegenen Großhandelspreise teilweise bereits widerspiegeln. Bei Stadtwerken kann die Entwicklung langsamer ankommen, weil diese häufig langfristiger einkaufen. Müssten sie sich zu höheren Preisen neu eindecken, dürfte sich das aber auch bei ihren Kunden bemerkbar machen.

Vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heißt es, die meisten Stadtwerke seien keine Akteure im internationalen Gashandel, sondern würden das Gas für ihre Kundinnen und Kunden über die Großhandelsmärkte beziehen. „Im Regelfall haben Stadtwerke vorausschauend eingekauft und den Gasbedarf für den kommenden Winter abgesichert. Das ist gut für die Kundinnen und Kunden“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing dieser Redaktion. Ohnehin bleibe Deutschland aber auch bei gut gefüllten Speichern auf funktionierende Importwege angewiesen und würde damit „auch die preislichen Auswirkungen externer Schocks an den Gasmärkten“ zu spüren bekommen.

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Grundsätzlich gilt aber: Haushalte gehören im deutschen Gasnotfallplan zu den geschützten Kunden. Das bedeutet: Selbst bei einer angespannten Versorgungslage werden sie gegenüber vielen Industriekunden bevorzugt versorgt. Vor hohen Preisen schützt das allerdings nicht.

Sollte die Politik schon jetzt eingreifen?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert fordert, dass der Staat jetzt vorsorgt. Füllstandsvorgaben müssten verbindlicher werden, gebuchte Speicherkapazitäten tatsächlich befüllt und eine strategische Gasreserve aufgebaut werden. Sich darauf zu verlassen, im Winter kurzfristig LNG auf dem Weltmarkt einzukaufen, sei hingegen riskant und teuer. „Langfristig bleibt die beste Absicherung, den Gasverbrauch durch Effizienz, erneuerbare Energien und die Wärmewende deutlich zu senken“, sagt sie.

Auch Mario Liebensteiner, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg, spricht sich für eine begrenzte strategische Gasreserve aus. Versorgungssicherheit sei letztlich wie eine Versicherung: „Im Normalfall kostet sie Geld und wird nicht gebraucht. Wenn die Krise kommt, kann sie aber volkswirtschaftlich enorm wertvoll sein“, sagt er zu dieser Redaktion. Der Staat sollte allerdings nicht einfach jedes Jahr um jeden Preis die Speicher füllen. „Sinnvoller wären klare Regeln oder Ausschreibungen, die frühzeitig dafür sorgen, dass ausreichend Gas eingelagert wird, wenn die normalen Marktanreize nicht funktionieren“, so Liebensteiner weiter. Pläne für den Aufbau einer solche Reserve hat die Bundesregierung bereits formuliert. Die Finanzierung ist hingegen noch nicht final beschlossen.

Unterdessen fordern die Grünen Energieministerin Katherina Reiche (CDU) zum Handeln auf. „Reiches Energiemanagement ist reines Glücksspiel. Statt dafür Sorge zu tragen, dass die tiefentleerten Speicher trotz Energiepreiskrise sicher gefüllt werden, zockt das Ministerium und hofft schon wieder auf einen warmen Winter“, so der energiepolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Michael Kellner, zu dieser Redaktion. Das könne für uns alle noch teuer werden.

Das Wirtschafts- und Energieministerium warnt dagegen vor einem vorschnellen staatlichen Eingriff. Wenn der Staat jetzt große Mengen Gas kaufe, erhöhe er die Nachfrage – und damit möglicherweise den Preis. Zudem könnten private Händler verdrängt werden. Es entstehe außerdem ein gefährlicher Anreiz: Wenn Marktteilnehmer darauf vertrauen, dass der Staat bei niedrigen Speicherständen ohnehin einspringt, könnten sie künftig noch weniger selbst vorsorgen.

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