Kaffee kann mehr als wach machen. Studien zeigen, welche Zubereitungsarten gesundheitlich interessant sind – und worauf man achten sollte.
Für viele gehört die erste Tasse Kaffee zum Start in den Tag. Lange hatte das Getränk allerdings einen eher schlechten Ruf. Inzwischen zeichnet die Forschung ein deutlich differenzierteres Bild: Moderater Kaffeekonsum gilt für gesunde Erwachsene als unbedenklich und wird in Studien teilweise sogar mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Doch nicht jede Tasse Kaffee ist gleich.
Filterkaffee: Gute Nachrichten fürs HerzWer seinem Herzen mit Kaffee etwas Gutes tun möchte, ist mit Filterkaffee offenbar gut beraten. Eine große norwegische Studie begleitete mehr als 500.000 Menschen über durchschnittlich 20 Jahre. Dabei war Filterkaffee mit einer niedrigeren Sterblichkeit und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden als ungefilterter Kaffee. Besonders günstig war in der Untersuchung ein Konsum von ein bis vier Tassen am Tag.
Wichtig ist allerdings: Die Studie beweist nicht, dass Filterkaffee Krankheiten verhindert. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt also Zusammenhänge, aber keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung.
Ein möglicher Grund für den Unterschied liegt in bestimmten Kaffeeölen. Ungefilterter Kaffee enthält deutlich mehr sogenannte Diterpene, darunter Cafestol und Kahweol. Diese Stoffe können den LDL-Cholesterinspiegel erhöhen.
Espresso ist mehr als nur ein WachmacherAuch Espresso ist Gegenstand der Forschung. Eine Untersuchung der Universität Verona beschäftigte sich mit der Frage, wie Espresso beziehungsweise einzelne seiner Bestandteile auf das Tau-Protein wirken. Dieses Protein spielt bei Alzheimer-Erkrankungen eine wichtige Rolle.

Im Labor zeigte sich, dass Espressoextrakt sowie einzelne darin enthaltene Substanzen die Bildung bestimmter Tau-Strukturen beeinflussen können. Das ist interessant – bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass Espresso Alzheimer beim Menschen verhindert. Dafür wären klinische Studien mit Menschen notwendig.
Instantkaffee: Überraschend reich an AntioxidantienInstantkaffee hat bei Kaffeekennern nicht immer den besten Ruf. Wissenschaftlich betrachtet gibt es jedoch interessante Eigenschaften. Untersuchungen zeigen, dass löslicher Kaffee eine hohe antioxidative Kapazität besitzen kann. Eine Studie untersuchte dabei unter anderem Polyphenole und Melanoidine, die während der Röstung entstehen.
Antioxidantien können den Körper vor oxidativem Stress schützen. Welche gesundheitliche Bedeutung die einzelnen Inhaltsstoffe tatsächlich im Alltag haben, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar ableiten.

Bei Instantkaffee spielt außerdem Acrylamid eine Rolle. Der Stoff entsteht unter anderem bei der Röstung und wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine normale Tasse Kaffee automatisch eine Gesundheitsgefahr darstellt. Für die tatsächliche Risikobewertung kommt es entscheidend auf die aufgenommene Menge an.
Cold Brew: weniger bitter, aber nicht automatisch gesünderBeim Cold Brew wird gemahlener Kaffee über viele Stunden mit Wasser bei Raumtemperatur oder kalt aufgegossen. Das Ergebnis schmeckt meist weniger bitter und weniger säuerlich als klassischer Kaffee.
Das kann einen praktischen Vorteil haben: Wer den Geschmack angenehm findet, benötigt möglicherweise weniger Zucker oder Sirup. Einen eindeutigen gesundheitlichen Vorteil von Cold Brew gegenüber anderen Zubereitungsarten belegt laut einem „Telegraph“-Analyse die vorliegende Forschung allerdings nicht.

Wer Koffein nicht gut verträgt, muss deshalb nicht komplett auf Kaffee verzichten. Auch entkoffeinierter Kaffee enthält weiterhin verschiedene Pflanzenstoffe.
Besonders interessant ist der Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Eine große Meta-Analyse wertete 28 prospektive Studien mit mehr als einer Million Teilnehmern aus. Sowohl normaler als auch entkoffeinierter Kaffee waren dabei mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Die Autoren weisen allerdings auf den beobachtenden Charakter der zugrunde liegenden Studien hin. Das spricht außerdem dafür, dass nicht allein das Koffein für mögliche gesundheitliche Effekte verantwortlich sein dürfte.
Milch, Zucker und Sirup verändern die BilanzOb Kaffee gesundheitsfördernd wirkt, hängt nicht zuletzt davon ab, was in der Tasse landet. Schwarzer Kaffee enthält kaum Kalorien. Zucker, Sirup, Sahne oder andere süße Zusätze erhöhen dagegen schnell den Energiegehalt.
Die aktuelle Einschätzung der American Heart Association weist ebenfalls darauf hin, dass Zusätze wie Zucker, aromatisierte Sirups, Milch oder Sahne mögliche gesundheitliche Vorteile von Kaffee verringern können.

Milch ist dabei nicht grundsätzlich mit Zucker oder Sirup gleichzusetzen: Sie liefert unter anderem Calcium. Wer allerdings Gewicht oder Kalorienzufuhr im Blick behalten möchte, sollte vor allem auf große Mengen süßer Zusätze achten.
Wie viel Kaffee ist nun sinnvoll?Eine pauschale Empfehlung für jeden Menschen gibt es nicht. Die aktuelle Datenlage spricht für gesunde Erwachsene gegen einen Grund, Kaffee grundsätzlich zu meiden. Die American Heart Association (AHA) hat den aktuellen Forschungsstand zur Wirkung von Koffein und Kaffee auf das Herz-Kreislauf-System 2026 neu bewertet. Demnach gelten bis zu 400 Milligramm Koffein am Tag für die meisten gesunden Erwachsenen als unbedenklich. Das entspricht grob drei bis fünf Tassen schwarzem Kaffee – abhängig davon, wie groß und stark der Kaffee ist. Die AHA betont zugleich, dass Menschen unterschiedlich auf Koffein reagieren.
Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt 400 Milligramm Koffein über den Tag verteilt als unbedenkliche Menge für gesunde Erwachsene. Für Schwangere gilt eine niedrigere Grenze von 200 Milligramm. Als grobe Orientierung nennt die EFSA rund 90 Milligramm Koffein für 200 Milliliter Filterkaffee und etwa 80 Milligramm für einen 60-Milliliter-Espresso.
Mehr Kaffee bedeutet aber nicht automatisch mehr Gesundheit. Die AHA verweist darauf, dass bei sehr hohen Mengen unter anderem das Risiko für bestimmte Herzrhythmusstörungen oder Herzprobleme steigen kann. Zudem reagieren Menschen unterschiedlich auf Koffein. Wer nach Kaffee Herzrasen, Unruhe oder Schlafprobleme bekommt, sollte seinen Konsum entsprechend reduzieren.
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