Der sächsische Airport ist unter den ersten acht, der dauerhaft Drohnen-Detektionsgeräte nachgerüstet bekommt. Was sie kosten und woher sie kommen könnten.
Auf einmal geht alles ganz schnell. Vor zwei Wochen wurde am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne abgefangen, die die Verletzbarkeit des wichtigsten Luftverkehrsdrehkreuzes in Ostdeutschland eklatant offenbarte. Jetzt kündigte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) an: „Leipzig ist einer der acht bundesdeutschen Flughäfen, die zuerst mit Drohnen-Detektionsvorrichtungen ausgestattet wird.“
Schuster rechnet „in den nächsten Monaten“ mit der millionenschweren Anschaffung des Bundes, die für die Sicherheit auf Deutschlands Flughäfen verantwortlich sei. „Ich setze mich dafür ein, dass Leipzig auch unter den ersten Acht prioritär behandelt wird“, so der Minister. Am weitesten ist jedoch die Anschaffung am Münchener Flughafen gediehen, dort sei die Ausschreibung für das System bereits gelaufen, bis Jahresende soll es installiert sein, teilte das Bundesinnenministerium dieser Zeitung mit. In Dresden sei die Ausschreibung in Vorbereitung.
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Neun Millionen Euro für mobiles System gegen Drohnen
Der Counter UAV Jammer HP 47 PRO V7 ist ein tragbares, schultergestütztes Störsender-System zur Drohnenabwehr. Er wurde jetzt in Bayern vorgestellt.
© IMAGO/Ardan Fuessmann
Obwohl Sachsen seit drei Jahren ein Drohnen-Kompetenzzentrum betreibt, das ursprünglich wegen der Fußball-EM 2024 in Leipzig eingerichtet wurde, bräuchte es „intensive Neuinvestitionen, um der Lage Herr zu werden“, so Schuster. Zwar kämen schon Systeme zum Einsatz, die Drohnen in und um Flughäfen erfassen könnten, doch gerade beim Angriff auf den Leipziger Flughafen sei „professionelle Technik angewandt worden“, die ein technisches Nachrüsten bei den Sicherheitsbehörden dringend nötig mache.
„Wir werden mobile und stationäre Drohnenabwehr brauchen“, so Schuster. Und das in Millionenhöhe. Eine mobile Anlage sei mit neun Millionen Euro zirka drei- bis viermal so teuer wie eine stationäre, so Schuster. „Ich werden Ihnen aber weder sagen, wie viele wir davon bekommen, noch, ob die aus Israel oder der Ukraine kommen.“ Das seien alles sicherheitsrelevante Informationen, die dem weiterhin unbekannten Angreifer wichtige Daten liefern könnten.
So kontrolliert die Bundespolizei derzeit den Luftraum über dem Leipziger Flughafen auf Drohnen.
© Michael Strohmeyer
Das mobile Drohnenabwehrsystem der Bundespolizei, das derzeit auf der Besucherterrasse des Flughafens Leipzig-Halle aufgebaut ist, soll nahtlos von einem dauerhaften System abgelöst werden, um keine Sicherheitslücken entstehen zu lassen.
Im sächsischen Haushalt sei dem Innenministerium bereits ein Betrag dafür gesichert worden. Die Höhe wollte der Minister jedoch nicht nennen, da der Landtag erst darüber beraten und beschließen müsse.
Die Innenminister-Konferenz der Länder sprach sich aber für eine konzertierte Aktion des Bundes aus, nicht für ein föderales Flickwerk, bei dem sich jedes Bundesland selbst kümmern müsse.
Mit Blick auf mögliche Drohnenattacken hält Schuster eine Risikoanalyse in Sachsen für unverzichtbar. Besonders relevante Ziele seien etwa Talsperren, Energieanlagen, die Wasser-Infrastruktur und das Mikrochip-Cluster Dresden, sagte er nach der Kabinettssitzung in Dresden. Für den Schutz dieser kritischen Infrastruktur sei Sachsen verantwortlich.
Beim Bund läge die Zuständigkeit der Drohnenabwehr an Flughäfen.
Klar sei aber auch, dass weder Bund noch Länder einen hundertprozentigen Schutz gegen Drohnen gewährleisten könnten. Es gehe darum, mit dem, was man habe, an den richtigen Orten zu stehen.
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU, li.) hofft auf die schnelle Nachrüstung des Leipziger Flughafens durch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU).
© Hendrik Schmidt/dpa
Für die Vereinigung Cockpit zeigt der Vorfall vor allem eines: Das größte Problem liegt nicht in der Abwehr von Drohnen, sondern in ihrer rechtzeitigen Erkennung.
„Vor jeder Abwehr steht die Detektion. Genau daran scheitert es derzeit“, sagt Daniel Niesler, Leiter der Arbeitsgruppe Security der Vereinigung Cockpit, in einer Presseerklärung. „Dass am Ende nur ein Zufall Schlimmeres verhindert hat, ist schwer nachvollziehbar.“
Die Deutsche Flugsicherung registrierte allein im ersten Halbjahr 2026 bundesweit 145 Behinderungen des Flugverkehrs durch Drohnen. Diese Zahl müsse allerdings differenziert betrachtet werden, betont Niesler. „An einzelnen Standorten hat sich die Detektionsfähigkeit verbessert. Ein Teil des Anstiegs ist deshalb auf eine bessere Erfassung zurückzuführen. Der eigentliche Befund ist jedoch ein anderer: Bis heute wird in Deutschland nicht einheitlich definiert, was überhaupt als Drohnenvorfall gilt und wer diesen feststellt.“
Die Vereinigung Cockpit fordert deshalb die bundesweite Einführung einheitlicher Standards für die Detektion und Bewertung von Drohnenereignissen sowie klare Zuständigkeiten zwischen Flughäfen, Flugsicherung, Polizei, Bundeswehr und Sicherheitsbehörden.
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