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Russische Soldaten „so stark wie möglich demütigen“: Ukrainischer Drohnen-Chef verteidigt umstrittene Tötungsvideos

Дата публикации: 19-08-2026 13:00:29

Videos auf Sozialen Netzwerken zeigen russische Soldaten kurz vor ihrem Tod. Die ukrainische Armee veröffentlicht sie bewusst – und sieht darin kein Problem.

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Der russische Angriffskrieg in der Ukraine kann im Internet so eng verfolgt werden wie kein anderer Konflikt zuvor. Das liegt nicht zuletzt an Soldaten auf beiden Seiten, die Fotos und Videos teilen. Die moderne Drohnentechnik ermöglicht dabei auch intime Aufnahmen des Momentes kurz vor dem Tod. Sie werden von der ukrainischen Armee gezielt in den Sozialen Netzwerken gestreut.

Auf Telegram, X und Bluesky finden sich diese Videos zuhauf. Die Machart ist immer dieselbe: Das Video ist aus der Ich-Perspektive einer Drohnenkamera aufgenommen. Wir sehen einen Wald, eine Wiese oder ein Dorf auf den Schlachtfeldern der Ukraine. Begleitet von treibender Musik sucht die Kamera ihr Ziel: einen Soldaten der Invasionsarmee.

Die Kamera fliegt nah ran an den russischen Soldaten, bis das Video abbricht, weil die Drohne ihr Ziel erreicht hat: Der feindliche Soldat ist tot oder verwundet. Manche von ihnen versuchen noch zu flüchten, andere werfen Stöcke auf die Drohne. In den Sozialen Netzwerken wird gerne das letzte Bild aus den Videos geteilt.

Was in seiner spielerischen Aufbereitung an Videos aus populären Games wie „Battlefield“ oder „Call of Duty“ erinnert, zeigt die brutale Kriegsrealität im Osten der Ukraine aus Sicht der Verteidiger. Sie blicken mit unverhohlener Häme auf die feindlichen Soldaten, das wird auch in den begleitenden Kommentaren deutlich.

„Top Gun“ als höhnischer Kommentar

Top Gun, no doubt“, steht auf X über einem Bild eines russischen Soldaten, der kurz vor dem Drohneneinschlag sein Gewehr in Richtung Kamera hebt. „Top Gun“ bezeichnet – insbesondere im militärischen Kontext – eine Person, die zu den fähigsten in ihrer Gruppe gehört. Der Begriff wird hier offensichtlich ironisch verwendet, sehen wir doch einen russischen Soldaten bei seinem offenbar letzten, verzweifelten Verteidigungsversuch.

Der Post wurde auf dem X-Account der ukrainischen Drohneneinheit „Magyar’s Birds“ geteilt. Es handelt sich um die erste dieser Formationen, gegründet von Robert Brovdi. Seit 2025 ist er auch Kommandeur der Drohnen-Teilstreitkraft der ukrainischen Armee, einem neu geschaffenen Arm des Militärs neben etwa Heer, Luft und Marine. Brovdi kennt sich mit der tödlichen Wirkung der Drohnen aus, die im Ukraine-Krieg erstmals in der Militärgeschichte zu einer unverzichtbaren Waffe wurden. Außerdem weiß er um die Macht der Bilder, die sie produzieren.

Es gab den starken Wunsch, den Feind so stark wie möglich zu demütigen.

Der ukrainische Drohnen-Chef Robert Brovdi

Manchmal posten Ukrainer die Todesvideos auch als Antwort unter den Beiträgen russischer Frauen, die Fotos von sich und ihren Männern von der Verabschiedung in den Krieg veröffentlicht haben. So steht es in einem Bericht des britischen „Guardian“. Doch Brovdi sieht kein moralisches Problem in den Videos. Er verweist auf einen Unterschied in der Perspektive zwischen westlichen, nicht vom Krieg betroffenen Beobachtern einerseits und den Ukrainern andererseits. „Als der Krieg begann, hat sich alles verändert“, sagt Brovdi. „Es gab den starken Wunsch, den Feind so stark wie möglich zu demütigen“.

Erniedrigung ist Teil der Kriegsführung

Diese Demütigung soll nicht nur mit den Videos an sich, sondern auch durch eine bestimmte Sprache erreicht werden. So erklärt der Kommandeur, warum für die Todesvideos ein neu geschaffenes ukrainisches Wort benutzt wird: Sie werden im Internet „Yoblyks“ genannt. Das Wort hat eine vulgäre und gleichzeitig verniedlichende Bedeutung und lässt sich nur schwer ins Deutsche übersetzen. „Yoblyk“ ist ein beleidigendes ukrainisches Slangwort; ukrainische Soldaten betiteln getötete russische Feinde damit.

07.08.2026, Ukraine, ---: Major Robert „Magyar“ Brovdi steht im Kontrollraum während eines Einsatzes eines unbemannten Fernflugzeugs gegen russische Stellungen an einem nicht genannten Ort in der Ukraine. Foto: Dan Bashakov/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Major Robert „Magyar“ Brovdi steht während eines Drohneneinsatzes im Kontrollraum.

© dpa/Dan Bashakov

Auf der Suche nach den „besten“ Todesszenen

Es erfordert Arbeit, die „Yoblyk“-Videos auf Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Der „Guardian“ berichtet, dass ein Mitglied der „Birds“-Drohneneinheit jeden Morgen die Aufgabe hat, die Aufnahmen des Vortags zu sichten. Er wählt aus, welche der Videos für die Veröffentlichung geschnitten werden. So wird sogar ein längeres Highlight-Video mit den „besten“ Szenen der Woche produziert.

Mein Ziel ist es, Russen zu zeigen, dass sie in der Ukraine sterben werden, wenn sie sich für den Kriegsdienst melden“, sagt der für den Videoschnitt verantwortliche Soldat. Die Ukrainer wiederum sollen über die feindlichen Soldaten lachen können, damit die eigene Kampfmoral gesteigert werde. „Für mich ist es unmöglich, dass sie mir leidtun“, erklärt der Soldat. Es gehe hier schließlich um Krieg.

Viele russische Soldaten sterben bei der Invasion, was nicht zuletzt mit ihrer offenbar oft schlechten Ausbildung zu tun haben dürfte. Immer wieder ist in Berichten die Rede davon, dass sie als „Kanonenfutter“ in die Schlacht geworfen werden, ihr Tod durch das russische Kommando also billigend in Kauf genommen wird. So dürften sich viele der Todesvideos mit den hilflos wirkenden Russen erklären.

Insgesamt verlor die russische Armee im Juli mehr als 42.000 Soldaten durch Tod, Verwundung oder Gefangennahme. Das ist laut US-Institut für Kriegsstudien (ISW) ein neuer monatlicher Höchststand. Die Zahl kommt aus dem ukrainischen Generalstab, die Größenordnung aber ist plausibel.

Wie auch immer man zu den in der Ukraine produzierten Todesvideos moralisch stehen mag: Faktisch zeigen sie Angehörige einer Invasionsarmee, der zahlreiche Kriegsverbrechen in der Ukraine vorgeworfen werden. Human Rights Watch und eine UN-Kommission haben Belege unter anderem für die vielfache Tötung und Folter von Zivilisten gesammelt. Zehntausende von ihnen wurden seit Februar 2022 getötet oder verwundet. (mit dpa)

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