Aufstellen und einstöpseln: So einfach funktioniert ein Balkonkraftwerk − fast. Was es beim Einbau und Betrieb zu beachten gibt.
Was ist ein Balkonkraftwerk überhaupt?
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Photovoltaikanlage, meist bestehend aus ein bis zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter, die Strom für den Eigenverbrauch erzeugt und direkt in den Haushaltsstromkreis einspeist.
Welche Leistung darf ein Balkonkraftwerk haben?
Balkonkraftwerke dürfen bis zu 800 Watt ins Netz einspeisen – entscheidend ist dabei die Leistung des Wechselrichters. Die Solarmodule dürfen größer sein. Üblich sind zwei bis vier Paneele mit bis zu 2 000 Watt Peak (Wp).
Wo kann ein Balkonkraftwerk aufgestellt werden?
Die Solarmodule eignen sich etwa für Balkon, Terrasse, Hausfassade, Garagendach oder Garten. Wichtig ist eine stabile Befestigung, ausreichende Belüftung des Wechselrichters und möglichst viel Sonne – ideal ist die Südausrichtung und eine 30 bis 40 Grad Neigung. Der Stromspeicher sollte vor direkter Sonne und Starkregen geschützt stehen.
Was es beim Einbau zu beachten gibtIst für die Inbetriebnahme ein Elektriker notwendig?
Nicht für steckerfähige Anlagen mit Solarmodulen bis maximal 960 Wp. Nutzer können sie über den Haushalts-Stecker (Schuko) in die Steckdose stecken.
Der Verband der Elektrotechnik (VDE) empfiehlt, größere Anlagen bis 2 000 Wp mit einem Wieland-Stecker anzuschließen. Dafür ist in der Regel eine Elektrofachkraft notwendig. Die größere Leistung kann sinnvoll sein, damit das Balkonkraftwerk auch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen die maximal erlaubten 800 Watt ausschöpfen kann.
Auch bei sehr alten Elektroinstallationen ist es sinnvoll, einen Elektriker hinzuzuziehen, der die Tauglichkeit der Leitungen und Steckdosen überprüft.
Ist der Einbau meldepflichtig?
Ja, Käufer müssen die Anlage beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur anmelden (online, kostenlos). Die informiert den Netzbetreiber.
Benötigt man einen neuen Stromzähler?
Nur, sofern noch ein alter, rückwärtsdrehender Zähler vorhanden ist. Der Netzbetreiber tauscht diesen kostenlos gegen einen digitalen Zähler aus. Bis dahin laufen alte Zähler ausnahmsweise rückwärts, wenn der Solarstrom nicht genutzt wird. Hängt der neue Zähler, landet nicht genutzter Strom ohne Vergütung im Netz.
Haushalte mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 6 000 Kilowattstunden erhalten verpflichtend einen Smart Meter. Aber auch bei geringerem Verbrauch kann der intelligente Zähler sinnvoll sein, vor allem bei einem Balkonkraftwerk mit Stromspeicher. Der Smart Meter stellt über eine Infrarotschnittstelle aktuelle Verbrauchsdaten bereit. Ein zusätzlicher IR-Tracker, den Nutzer selbst am Zähler anbringen können, liest diese Daten aus und übermittelt sie etwa an den Stromspeicher. So erkennt das System steigenden Stromverbrauch – etwa wenn die Waschmaschine startet – und kann die gespeicherte Sonnenenergie nutzen, statt Strom aus dem Netz zu beziehen.
Brauchen Mieter die Zustimmung des Vermieters?
Ja, aber mit Einschränkungen: Balkonkraftwerke gelten als privilegierte bauliche Maßnahme. Vermieter oder Eigentümergemeinschaften dürfen sie nicht grundlos verbieten, können aber Vorgaben zur Befestigung, Optik oder Sicherheit machen.
Ist die Anlage über die Hausratversicherung versichert?
In der Regel, ja. Wer bereits eine Police besitzt und ganz sichergehen will, sollte vorsichtshalber beim Anbieter nachfragen. Wer eine neue Hausratversicherung abschließt, versichert die Balkon-Solaranlage automatisch mit.
Infos zu Amortisation und StromausfallWie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk?
Je nach Ausrichtung, Standort und Leistung erzeugt ein Balkonkraftwerk etwa 600 bis 1000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht grob dem Jahresverbrauch eines Kühlschranks, einer Waschmaschine und mehrerer weiterer Haushaltsgeräte.
Lohnt sich die Anlage finanziell?
In vielen Fällen ja. Komplett-Sets inklusive Speicher kosten etwa 700 bis 1 500 Euro. Je nach Kaufpreis, Strompreis und Solarertrag amortisiert sich die Anlage mit Speicher nach zwei bis vier Jahren. Einen individuellen PV-Rechner finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Test Speicher für Balkonkraftwerke.
Ohne Speicher lohnt sich die Anlage, wenn der Stromverbrauch hauptsächlich tagsüber anfällt. Wer Spülmaschine und Waschmaschine gezielt mittags laufen lässt oder durch Geräte wie Wärmepumpe oder Klimaanlage eine hohe Tagesgrundlast hat, kann den Solarstrom direkt nutzen – und profitiert von deutlich niedrigeren Anschaffungskosten.
Springt der Speicher eines Balkonkraftwerks bei Stromausfall ein?
Nein. Die Speicher im Test haben aber eine Off-Grid-Steckdose. Über sie können direkt angeschlossene Geräte wie Kühlschrank oder Laptop eine Zeit lang weiterlaufen. Das Hausnetz und fest installierte Verbraucher wie Herd oder Heizung versorgt der Speicher bei einem Stromausfall jedoch nicht.
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