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Ewigkeitschemikalien: Was wir derzeit über PFAS wissen

Дата публикации: 24-06-2026 07:00:01

Die lang­lebigen Chemikalien sind in der Umwelt weit verbreitet. Wie riskant sind sie? Lassen sie sich meiden? Und wie bewerten wir sie in unseren Tests? Unser Über­blick.

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Wie riskant sind PFAS für den Menschen?

Sind PFAS im menschlichen Körper nach­weisbar?

Menschen und Säugetiere nehmen per- und poly­fluorierte Alkyl­substanzen (kurz PFAS) über die Nahrung, das Trink­wasser und die Luft auf. Lang­kettige Formen speichert der Körper bis zu mehrere Jahren im Blutplasma, in der Leber und in der Niere. Kurz­kettige PFAS hingegen werden schneller über Kot und Urin ausgeschieden, wie Forscher des Bundesinstituts für Risikobewertung im Selbstversuch heraus­fanden.

Auch in der Muttermilch konnten Wissenschaftler bereits PFAS in sehr unterschiedlich hohen Konzentrationen nach­weisen, abhängig vom Lebens­stil der Mutter.

Sind sie gesund­heits­schädlich?

„Viele PFAS haben nachgewiesenermaßen gesundheitlich kritische Eigenschaften“, sagt Dr. Holger Brack­emann, Leiter des Bereichs Unter­suchungen bei der Stiftung Warentest. Für einige PFAS sind gesundheitliche Risiken belegt, für viele steht eine Bewertung aber noch aus.

Am besten erforscht sind die bereits verbotenen PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure). Folgendes ist bereits bekannt:

1. Angereichert im menschlichen Körper können sie die Wirkung von Impfungen schwächen, die Infekt­anfäl­ligkeit und den Gesamt­cholesterinspiegel erhöhen.

2. Bei Schwangeren können sie zu einem nied­rigeren Geburts­gewicht des Kindes führen.

3. In Tier­versuchen zeigte sich, dass sie das Gewicht der Leber erhöhten und den Schild­drüsenhormonspiegel senkten. Hohe PFOA-Konzentrationen führten zu Tumoren an Leber und Hoden.

4. Sammeln sich die Chemikalien im Blut an, kann das zu schlechteren Blut­fett­werten führen und mit einem höheren Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen einhergehen, berichten Forschende des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen im Rahmen der Rheinland-Studie.

5. Die Entwick­lung und Funk­tion des Gehirns kann beein­flusst werden. So beob­achteten Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umwelt­forschung in einer Studie an Zebra­fischen, die Menschen genetisch sehr ähnlich sind, dass diese zu Hyper­aktivität neigten, wenn sie im Larven­stadium PFOS und PFHxS ausgesetzt wurden.

PFAS verursachen in Europa Gesund­heits­schäden in einer geschätzten Höhe von 39,5 Milliarden Euro im Jahr. Das geht aus einem Report der EU-Kommission hervor, der die vier wichtigsten PFAS-Typen berück­sichtigt. Über alle PFAS hinweg dürfte der Schaden also größer sein.

Was genau sind PFAS?

Es handelt sich um eine riesige Gruppe von Chemikalien, die seit den 1950er-Jahren hergestellt werden. Chemisch gesehen sind es Verbindungen aus Kohlen­stoff- und Fluoratomen, die sehr stabil sind. Das heißt, sie bauen sich nur sehr lang­sam ab und belasten daher lange die Umwelt. Deshalb werden sie auch Ewig­keitschemikalien genannt.

Chemiker unterscheiden zwischen kurz- und lang­kettigen PFAS. Kurz­kettige PFAS besitzen zwischen ein und fünf Kohlen­stoff-Atomen und lang­kettige sechs oder mehr. Je mehr Fluor-Atome zwischen diesen Kohlen­stoff­ketten sitzen, desto stabiler und lang­samer abbaubar ist die Verbindung.

Wie sind PFAS derzeit reguliert?

Gibt es europa­weite Beschränkungen für PFAS?

Ja, für einige PFAS bestehen bereits Grenz­werte und Verbote. 2006 wurde die Verwendung von PFOS verboten, 2020 die von PFOA. Das regelt die Chemikalien­ver­ordnung der EU. Für die vier häufigsten PFAS – PFOS, PFOA, PFNA (Perfluornonansäure) und PFHxS (Perfluor­hexansulfonsäure) – sind zudem seit 2023 Höchst­gehalte für bestimmte Lebens­mittel definiert und werden von den Behörden über­wacht. Das betrifft Eier, Fischerei­erzeug­nisse, Muscheln, Fleisch von Rindern, Schweinen, Geflügel, Schafen und Wild sowie Trink­wasser.

Seit 23. Oktober 2025 werden in der Europäischen Union (Verordnung 2025/1988) schritt­weise die Verwendung von Feuerlösch­schäumen mit PFAS einge­schränkt, bis hin zum weitreichenden Verbot in trag­baren Feuerlöschern bis 2030.

Derzeit prüft die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Vorschläge für weitere Beschränkungen bis hin zu einem allgemeinen Verbot. Ende 2026 sollen die nötigen Studien­ergeb­nisse für einen Vorschlag auf EU-Ebene vorliegen.

Zeigen Verbote Wirkung?

Laut BfR sind die Gehalte der vier lang­kettigen PFAS (PFOA, PFNA, PFOS und PFHxS) im Blutserum beziehungs­weise -plasma in Deutsch­land um das Jahr 1990 am höchsten gewesen und inzwischen rück­läufig, weil sie entweder verboten oder durch Grenz­werte kontrolliert wurden.

Das Umwelt­bundes­amt untersucht laufend die Schad­stoff­belastung der Bevölkerung anhand von Blut­proben. Die Ergeb­nisse landen dann in der Umwelt­probendaten­bank des Bundes.

Werden PFAS im Trink­wasser kontrolliert?

Im Trink­wasser dürfen chemische Stoffe nicht in gesund­heits­schädlichen Konzentrationen enthalten sein. Das schreibt die Trink­wasser­ver­ordnung vor. Zuständig für die Über­wachung der Vorgaben sind in erster Linie Gesund­heits­ämter und Wasser­versorger. Grenz­werte für PFAS wurden 2023 erst­mals in die Trink­wasser­ver­ordnung aufgenommen – mit Über­gangs­fristen.

Seit dem 12. Januar 2026 gilt für 20 PFAS ein Summen­grenz­wert. Vier dieser PFAS sind von besonderer toxikologischer Besorgnis; für sie wird ab 12. Januar 2028 ein zusätzlicher, strengerer Summen-Grenz­wert gelten. In einigen Regionen in Deutsch­land ist das Trink­wasser laut Umwelt­bundes­amt bereits stark mit PFAS belastet, zum Beispiel in der Möhnetalsperre in Nord­rhein-West­falen.

Die Stiftung Warentest prüft Mineralwässer auf PFAS und orientiert sich dabei an den Vorgaben der Trink­wasser­ver­ordnung. Bisher wiesen wir Trifluor­essig­säure (TFA) nach, die weder in der Trink­wasser-, noch in der Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung gesetzlich geregelt ist. TFA bewerten wir in Mineral­wasser als ober­irdische Verunreinigung – bei einem erhöhten Gehalt vergeben wir ein Ausreichend in diesem Prüf­punkt. TFA findet sich bereits über­all in der Umwelt. Sie gelangt insbesondere über Kälte­mittel in die Atmosphäre und über den Regen in den Wasser­kreis­lauf.

Können Klär­anlagen PFAS wieder entfernen?

Teil­weise ja, aber nach Auskunft des Umwelt­bundes­amts passiert das erst in wenigen Klär­anlagen. Es sei zwar bereits tech­nisch möglich, mithilfe von Aktivkohle lang­kettige PFAS effektiv aus dem Abwasser zu holen, aber nicht kurz­kettige, die besonders wasser­löslich sind. Ein Groß­teil der Klär­anlagen in Deutsch­land habe diese Technik im Moment noch nicht installiert, so das Umwelt­bundes­amt.

Nach Einschätzung der EU-Kommission könnte die Entfernung der vier häufigsten PFAS (PFOA, PFOS, PFHxS, PFNA) aus Trink­wasser und kontaminierten Böden zusammen mit den Gesund­heits­ausgaben bis zum Jahr 2050 bis zu 1,7 Billionen Euro betragen. Ein Ausstieg aus der Produktion und Verbreitung sei deutlich billiger.

So prüft die Stiftung Warentest auf PFAS

Wie suchen wir nach PFAS?

Die Unter­suchung auf PFAS ist fester Bestand­teil vieler unserer Tests, zum Beispiel bei Lebens­mitteln, Textilien und Gebrauchs­gegen­ständen. Im Prüf­programm definieren wir vorab, auf welche der rund 200 bereits in der EU regulierten PFAS wir testen werden und werten die Ergeb­nisse detailliert aus.

Wo haben wir sie bereits nachgewiesen?

Typischer­weise in früheren Tests von beschichteten Pfannen und Imprägnier­mitteln, über­raschender­weise auch in Textilienbezügen von Autokindersitzen, Kinderbuggys und Kinderfahrradanhängern.

Auch in Lebens­mitteln stoßen wir immer wieder auf PFAS-Belastungen. Bereits 2007 entdeckten wir PFOA und PFOS bei einem Test von Pommes frites, 2023 fanden wir Perfluorpentansäure in Butter. Sogar Pre-Nahrung für Säuglinge enthielt die umstrittenen Chemikalien, wie unser Test 2025 nach­wies.

Wie bewerten wir PFAS?

Finden wir verbotene PFAS in kritischen Mengen in den Produkten, erhalten diese im Schad­stoff­urteil und im Gesamt­urteil die Note Mangelhaft. Zudem haben wir unsere Produkt­auswahl angepasst: So testen wir zum Beispiel keine Pfannen mehr, die mit PTFE (Poly­tetrafluore­thylen) beschichtet sind – besser bekannt unter der einge­tragenen Marke Teflon. Wir beschränken uns im Pfannen-Test auf PFAS-freie Alternativen.

Warum prüfen wir manchmal strenger als gesetzlich vorgeschrieben?

Das betrifft zum Beispiel Textilien. Die derzeit gültige Prüf­methode nach Din-Norm erkennt nur „frei verfügbare“ PFAS, also solche, die nicht an andere Substanzen gebunden sind. In der EU sind aber auch bereits so genannte „fest­gebundene“ PFAS reguliert.

Um auch solche PFAS aufzuspüren, prüfen wir jetzt schon nach einer neuen Din-Norm, für die es erst einen Entwurf gibt. Bei dieser neuen Prüf­methode werden die Ewig­keitschemikalien durch eine alkalysche Hydrolyse mit Natron­lauge gelöst. Dadurch können wir auch fest­gebundene PFAS finden. Das haben wir zum Beispiel beim Test von Fahrradanhängern gemacht.

Was hält die Stiftung Warentest vom vorgeschlagenen PFAS-Verbot?

„Das ist der richtige Ansatz, alles andere ein Hase-und-Igel-Spiel: Fluorcarbone werden verwendet, dann untersucht, verboten und durch andere ersetzt“, sagt Dr. Holger Brack­emann, Chemiker und Leiter des Bereichs Unter­suchungen der Stiftung Warentest. „Die Stoffe sind problematisch, weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen und daher anreichern.“

Seit März 2023 existiert der weitreichende Vorschlag, in der EU alle Fluorcarbone zu verbieten. Ausnahmen könnten laut der Europäischen Chemikalien­agentur für essenzielle Verwendungen - etwa in der Medizin - möglich sein, wenn es noch keine alternativen Stoffe oder Technologien gibt, aber dafür gesorgt wird, dass sie weniger in die Umwelt gelangen.

Chemikalie mit Tausenden Varianten

Bei welchen Produkten werden PFAS in der Herstellung einge­setzt?

Sie sind besonders da beliebt, wo man ihre fett- oder wasser­abweisenden Fähig­keiten braucht – also zum Beispiel in beschichteten Pfannen, Backpapier, Imprägniermitteln, Einwegverpackungen, Teppichböden oder Regenkleidung. Sie stecken aber auch im Schaum von Feuerlöschern, in Batterien, Kälte­mitteln und Medizin­produkten wie Implantaten und Blutbeuteln.

Wie gelangen die Chemikalien in die Umwelt?

Die Wege sind vielfältig. Das kann durch Abluft und Abwasser bei der Industrie­produktion geschehen, durch Schwebeteilchen in Imprägniersprays, durch Abnut­zung der Beschichtung von Funk­tions­kleidung oder beim Löschen von Bränden.

Manche PFAS verändern sich, wenn sie in die Umwelt gelangen und können dadurch sogar schädlicher werden. Dazu gehört etwa die wasser­lösliche Trifluor­essig­säure (TFA), die beim Abbau von PFAS-haltigen Kälte­mitteln entsteht und sich über den natürlichen Wasser­kreis­lauf sehr schnell verbreitet. Sie gilt laut Umwelt­bundes­amt bislang als nicht in der Umwelt abbaubar und erschwert etwa die Trink­wasser­gewinnung.

Wo in der Umwelt sind PFAS nach­weisbar?

Inzwischen sind PFAS welt­weit in Böden, im Wasser und in der Luft nach­weisbar – sogar im Meeresschaum. Auf diese Weise nehmen auch Pflanzen und Tiere sie auf, die wiederum vom Menschen verzehrt werden.

Welche Lebens­mittel sind besonders belastet?

Insbesondere Wild und Seefische sind teil­weise hoch belastet, aber auch manche Gemüsesorten oder Eier. Bei Wild­schweinen hat das Bundes­institut für Risikobe­wertung (BfR) in einer acht­jährigen Beob­achtung fest­gestellt, dass die PFAS sich unterschiedlich stark im Körper des Tieres anreichern. Besonders hoch war die Konzentration in der Leber.

Mit einer einzigen Portion Wild­schweinleber kann man unter Umständen schon die tolerable PFAS-Aufnahme für ein ganzes Jahr erreichen. Dadurch sind laut BfR gesundheitliche Beein­trächtigungen nicht ausgeschlossen. Da sich der PFAS-Wert im Körper ohnehin schon häufig allein durch eine normale Ernährung an der Schwelle des toler­ablen Wertes bewegt, raten auch wir vom zusätzlichen Verzehr von Wild­schweinleber vorsorglich ab.

Das können Sie selbst tun

Wie finde ich Produkte ohne PFAS?

Für einige Lebens­bereiche lassen sich Tipps ableiten, aber längst nicht für alle:

Bei Pfannen gibt es inzwischen gute Alternativen mit Keramikbeschichtung. Auch Imprägniermittel ohne PFAS sind bereits erhältlich.

Beim Backen sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie auf Back­matten und Back­papier verzichten und Ihr Blech statt­dessen einfach fetten.

Manche Hersteller von Outdoorkleidung werben ebenfalls mit „frei von PFAS“ und „frei von Fluor­verbindungen“. Das ist allerdings nicht immer zuver­lässig, wie unser Test von Funktionsjacken ergeben hat. Für Gartenmöbel gibt es inzwischen Outdoor­polster und Tisch­decken, die mit dem umwelt­freundlicheren Polyurethan beschichtet sind. Die Herstel­ler­angaben sind nicht immer zuver­lässig, stellte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit fest.

Tipp: Sind Sie sich nicht sicher, ob ein Produkt mit PFAS beschichtet ist, machen Sie den Perlentest.

Wie soll ich mit PFAS-belastete Produkte entsorgen?

Outdoorja­cken oder Arbeits­kleidung sollten Sie nicht in den Altkleidercontainer, sondern in die Restmüll­tonne werfen, empfiehlt das Umwelt­bundes­amt. Aber einen richtig guten Entsorgungsweg gibt es noch nicht. Für die Zerstörung der Ewig­keitschemikalien bedarf es einer Temperatur von 1 300 Grad Celsius. Das schaffe laut Umwelt­bundes­amt derzeit keine normale Müll­verbrennungs­anlage.

Leere Spraydosen von Imprägnier­mitteln gehören in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack. Sind die Behälter noch gefüllt, bringen Sie sie zur Schad­stoff­annahme­stelle Ihres Entsorgers. Mit PFAS-beschichtete Pfannen – meist PTFE – können unbe­denk­lich weiterbenutzt werden, sagt das Bundes­institut für Risikobe­wertung. Selbst wenn sich kleine Partikel aus der Beschichtung lösten und mitgegessen würden, könnte der Körper diese ausscheiden.

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