Ein Urlaub auf Wollin bietet günstige Küche, Freizeitpark, Seen und wilde Natur.
An der langen Küste findet man abseits der Menschenmassen mit etwas Geduld noch ruhige Strandabschnitte
Als junger Spund verbrachte ich mit Freunden meine Sommer an der Nordsee - genauer gesagt auf Sylt. Ostsee fand ich damals uncool. Bis ich meine heutige Frau traf und sie mir ihr polnisches Ostsee-Paradies auf der Insel Wollin (neben Usedom) zeigte. Seit über zehn Jahren mache ich nun regelmäßig Urlaub in Polen, es ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden.
Immer mehr deutsche Urlauber entdecken in den Sommerferien die schönen Strände, die polnische Gastfreundschaft und die vielfältigen Freizeitangebote. Aber Achtung: Weil die Wirtschaft boomt, ziehen auch die Preise immer mehr an. Hier meine Geheimtipps für den perfekten Familienurlaub an der polnischen Ostsee.
Polnische Hausmannskost zu bezahlbaren PreisenDieser Tipp gilt eigentlich für ganz Polen, und dafür muss ich etwas in die Vergangenheit reisen: Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den Städten preiswerte Restaurants, die sogenannten „Bar Mleczny“ („Milchbars“). In der Ostblock-Zeit wurden daraus Kantinen für Arbeiter. Hinter einer Luke stand eine „Babcia“ mit Kittelschürze in der Küche und kochte Hausmannskost. Diese „Bar Mleczny“ gibt es immer noch, teilweise moderner, aber immer noch preiswert und vor allem mit sehr leckerem Essen. In Międzyzdroje (Misdroy), dem bekanntesten polnischen Ostsee-Ort, kann ich das schicke „Bistro 777“ empfehlen. Hier habe ich für drei Gerichte (ein Erwachsener und zwei hungrige Kinder) plus den üblichen Krautsalat, ein Getränk und zwei Fruchtjoghurt-Shakes als Nachtisch knapp 140 Zloty bezahlt – 32 Euro. Dazu gab es noch eine große Portion köstlicher Blaubeer-Piroggen und eine Cola.
Preiswert satt werden in der „Bar Mleczny“
Wenn im Bauch dann doch noch Platz ist, bietet sich ein leckeres Eis an. Aber da bekommt man schnell einen Schreck: Wie bei vielen Dingen haben die Preise in den vergangenen Jahren extrem angezogen und sind vergleichbar mit Deutschland. Unter 9 Zloty (ca. 2 Euro) bekommt man keine Kugel. Wenn schon, dann selbst gemacht und als außergewöhnliche Sorte. Bei „Miód Malina“ in Wisełka, dem nächsten Ort hinter Misdroy, gibt es z. B. „Apfelkuchen“ oder „Zitronentorte“, direkt an einem kleinen Dorfanger mit Spielplatz und kleinen Boutiquen, ganz ohne Trubel.
„Es gibt polnisches Eis, Baby!“ – Bei „Miód Malina“ in Wisełka bekommt man „Apfelkuchen“ oder „Zitronentorte“ in die Waffel
Wo Urlaub gemacht wird, sprießen Freizeitparks aus dem Boden. Manchmal öde, oft teuer. Wir waren im neuen „Hossoland“ ca. eine Stunde mit dem Auto von Misdroy entfernt, im Landesinneren – ungefähr auf der halben Strecke nach Kolberg (Kołobrzeg), dem anderen großen Ferienort mit bewegter Geschichte. In dem als Wikingerdorf angelegten Vergnügungspark gibt es mehrere Achterbahnen für alle Altersgruppen, Wikingerschiffe, auf denen man sich Wasserschlachten liefern kann, und unzählige andere Attraktionen. Für Kinder natürlich ein Highlight. Wichtig: Achten Sie auf die wechselnden Gruppentarife und Angebote. Wir haben zu viert für den ganzen Tag ca. 100 Euro bezahlt. Wer noch Zeit und Kraft hat, kann sich danach entweder Misdroy oder Kolberg angucken.
Einmal zur Abwechslung kreischen bitte! Im „Hossoland“ gibt es Achterbahn-Spaß für alle.
Was viele nicht wissen: Neben dem Meer hat Wollin auch unzählige wunderschöne, saubere Seen, in denen man baden, Tretboot fahren oder auch angeln kann. Viele liegen mitten im riesigen und ursprünglichen Nationalpark und sind eine ruhige Alternative zu den oft überfüllten Stränden. Achtung: Mückenspray nicht vergessen.
Wisente, Wölfe und Rehe mitten im WaldIm Nationalpark Wollin gibt es – fußläufig von der Misdroyer Innenstadt – auch ein wunderschönes Schaugehege mit Wisenten, Wölfen, Adlern und Rehen. (Öffnungszeiten 01.05. bis 30.09. von 10:00 bis 18:00 Uhr). Kinder bis 7 haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen 7 Zloty (ca. 1,60 Euro).
Im Schaugehege in Misdroy gibt es neben Wisenten, Wölfen und Adlern auch Rehe und Hirsche
Die Strände in Misdroy sind zur Hochsaison leider komplett überlaufen, dafür gibt es dort Strandbars, Restaurants und Spielplätze im Sand. Wer Ruhe sucht, muss die Küste entlanglaufen oder ein Stück fahren und dann durch den Wald wandern. Wo Sie den Strand oben im Bild finden, werde ich Ihnen nicht verraten – das bleibt mein Geheimnis. Denn mit etwas Glück und außerhalb der Saison ist man hier fast alleine. Aber: Mit etwas Suche findet man noch das eine oder andere menschenleere Plätzchen am Meer.
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