Russland und Nordkorea rücken militärisch enger zusammen. Kim Jong-un unterstützt Russlands Krieg – Lawrow gibt dem Bündnis nun einen ideologischen Überbau.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die immer engere Partnerschaft mit Nordkorea als gemeinsamen Kampf für eine neue internationale Ordnung dargestellt. Russland und Nordkorea arbeiteten weiter an einer „neuen und gerechten Weltordnung“ auf Grundlage „echter Gleichheit und nationaler Interessen“, zitierte die nordkoreanische Staatsagentur KCNA Lawrow am Dienstag aus einer Botschaft an seine Amtskollegin Choe Son-hui.
Lawrow bekräftigte demnach zugleich Moskaus Absicht, die Zusammenarbeit mit Pjöngjang in sämtlichen Bereichen auszubauen. Beide Staaten wollten zudem zur regionalen und internationalen Sicherheit beitragen.
Die Worte fallen deutlich grundsätzlicher aus als gewöhnliche diplomatische Freundschaftsbekundungen. Russland und Nordkorea haben ihre Zusammenarbeit seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine massiv ausgebaut. Inzwischen umfasst sie nicht nur Waffenlieferungen, sondern auch den Einsatz nordkoreanischer Soldaten an der Seite russischer Truppen.
Nach ukrainischen und südkoreanischen Schätzungen schickte Nordkorea 2024 rund 14.000 bis 15.000 Soldaten in die russische Region Kursk. Dort unterstützten sie Moskaus Streitkräfte bei den Kämpfen gegen ukrainische Truppen, die im August 2024 überraschend über die Grenze vorgedrungen waren. Russland und Nordkorea bestätigten im April 2025 erstmals offiziell, dass nordkoreanische Soldaten an den Kämpfen beteiligt gewesen waren.
Lawrow würdigte ihren Einsatz nun ausdrücklich. Die Beteiligung der nordkoreanischen Armee an der Vertreibung der von ihm als „ukrainische Nazi-Clique“ bezeichneten Truppen und ausländischer Kämpfer aus Kursk sei ein Beleg für die Tradition der „kämpferischen Freundschaft“ beider Länder, zitierte KCNA den russischen Außenminister.
Moskau bezeichnet die Regierung in Kiew seit Beginn der großangelegten Invasion im Februar 2022 immer wieder als nationalsozialistisch. Die Ukraine und ihre westlichen Partner weisen diese Darstellung zurück.
Grundlage der inzwischen auch militärischen Allianz ist ein Vertrag über eine umfassende strategische Partnerschaft, den Russlands Präsident Wladimir Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im Juni 2024 in Pjöngjang unterzeichneten. Er sieht gegenseitige Unterstützung vor, wenn eines der beiden Länder von außen angegriffen wird. Nordkorea stellt seinen Militäreinsatz in Russland als Hilfe für einen Vertragspartner dar.
Erst im Juli traf Choe Son-hui in Moskau erneut mit Lawrow zusammen. Bei ihrem dritten strategischen Dialog ging es nach Angaben von KCNA vor allem um die Umsetzung des Partnerschaftsvertrags. Nordkorea erklärte dabei seine fortdauernde Unterstützung für die russische Politik im Ukrainekrieg. Choe wurde während ihres Besuchs auch von Putin im Kreml empfangen.
Pjöngjang unterstützt Russland jedoch nicht nur mit Personal. Nach ukrainischen und unabhängigen Einschätzungen hat Nordkorea Millionen Artillerie- und Mörsergranaten sowie ballistische Raketen, schwere Artilleriesysteme und Mehrfachraketenwerfer geliefert. Eine gemeinsame Auswertung von Reuters und dem britischen Open Source Centre kam zu dem Ergebnis, dass vier russische Frachter zwischen September 2023 und März 2025 auf 64 Fahrten fast 16.000 Munitionscontainer aus dem nordkoreanischen Hafen Rajin nach Russland transportierten.
Der ukrainische Militärgeheimdienst GUR bezifferte allein die seit Mitte 2023 gelieferten Artilleriegranaten auf rund vier Millionen. Zusätzlich seien bis Anfang 2025 insgesamt 148 nordkoreanische ballistische Raketen der Typen KN-23 und KN-24 geliefert worden. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Selenskyj spricht von bis zu 50.000 weiteren SoldatenDie militärische Zusammenarbeit könnte noch erheblich ausgeweitet werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte Anfang August, es sei eine Entscheidung getroffen worden, zwischen 30.000 und 50.000 weitere Nordkoreaner nach Russland zu entsenden.
Zuvor hatte ein Vertreter des ukrainischen Militärgeheimdienstes laut Reuters berichtet, dass eine nordkoreanische Raketeneinheit nach Westrussland verlegt werde. Sie könne mit bis zu 120 ballistischen Raketen und sechs Abschussvorrichtungen ausgestattet werden. Die Einheit soll nach ukrainischen Angaben etwa 90 Soldaten umfassen und in der Region Woronesch stationiert werden. Eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle sagte Reuters, die USA seien über die Verlegung informiert.
Südkorea und westliche Staaten befürchten zugleich, dass Nordkorea im Gegenzug russische Hilfe bei der Weiterentwicklung seiner Waffensysteme erhalten könnte. Das tatsächliche Ausmaß möglicher Technologietransfers ist öffentlich jedoch nicht geklärt.
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