Mathematikerinnen sind in der Wissenschaft noch immer deutlich unterrepräsentiert. Um mehr Frauen für eine akademische Karriere zu begeistern, hat das Mathematische Seminar 2022 die Vortragsreihe „Frauen in der Mathematik“ ins Leben gerufen.
Mathematikerinnen sind in der Wissenschaft noch immer deutlich unterrepräsentiert. Um mehr Frauen für eine akademische Karriere zu begeistern, hat das Mathematische Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 2022 die Vortragsreihe „Frauen in der Mathematik“ ins Leben gerufen. Für den 25. Vortrag am Mittwoch, 1. Juli, kommt die renommierte Mathematikerin Professorin Ina Kersten an die Förde. Die erste DMV-Präsidentin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes spricht über die Mathematik-Pionierin Emmy Noether.
Das Mathematische Seminar lädt seit dem Sommersemester 2022 Professorinnen und promovierte Mathematikerinnen zu hochschulöffentlichen Vorträgen für alle Studierenden ab dem zweiten Semester und anschließenden Austauschrunden im vertraulichen Rahmen exklusiv für interessierte cis und trans* Frauen ein. „Wir wollen den Austausch und die Vernetzung von Studentinnen der Mathematik fördern, um sie für eine wissenschaftliche Karriere in unserer Fachdisziplin zu gewinnen", erklärt Professor Ralf Köhl, Mitglied des Organisationsteams. „Wir wollen außerdem die öffentliche Sichtbarkeit von erfolgreichen Mathematikerinnen steigern.“
Glücklicherweise beobachte er seit einiger Zeit eine leichte Trendwende: „Mit Professorin Heike Siebert konnten wir 2024 die erste Professorin am Mathematischen Seminar in Kiel begrüßen.“ Als sie den Ruf an die CAU bekommen habe, sei sie schon verwundert gewesen, die erste Professorin in der Mathematik an der Kieler Uni zu sein, erklärte Professorin Siebert. „Umso wichtiger ist es, dass Aktivitäten wie diese Vortragsreihe veranschaulichen, dass Frauen selbstverständlich in allen Bereichen die aktuelle mathematische Forschung mitgestalten und voranbringen.“
Mehr Frauen im Wissenschaftlichen DienstDarüber hinaus gebe es weitere Mut machende Entwicklungen in der Mathematik an der CAU: Die Anzahl der Frauen im Wissenschaftlichen Dienst inklusive der Stipendiatinnen habe sich seit 2022 auf acht mehr als verdoppelt. Begeistert zeigt sich beispielsweise die Mathematik-Masterstudentin Lina Schuldt: „Die Zuhörerinnen bekommen in der Vortragsreihe Einblick in viele spannende Fachgebiete. Das hat mich zusammen mit der Austauschrunde motiviert, eine mathematische Karriere anzustreben.“ Zur positiven Entwicklung gehöre auch, dass die Kieler Nachwuchswissenschaftlerinnen intern und extern besser vernetzt seien als vor vier Jahren, erklärt Professor Köhl.
Allerdings sei Gleichberechtigung in seinem Fachgebiet eine Daueraufgabe: „Solange ausgeprägte Ungleichheiten herrschen wie aktuell, sind konstant dauerhafte Bemühungen zur Förderung von Frauen notwendig“, betont der Mitorganisator der Vortragsreihe. Hiermit steht die universitäre Mathematik allerdings nicht alleine da: „Unterrepräsentanz von Frauen durch strukturelle Benachteiligung sehen wir immer noch in vielen, vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern an der CAU“, ergänzt die zentrale Gleichstellungsbeauftragte Dr. Iris Werner. Von einem gleichberechtigten, fairen und offenen Umfeld profitieren letztlich alle, weil es mehr Kreativität und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten erlaube.
Positiv besetzte VorbilderPositiv besetzte Vorbilder wie Professorin Ina Kersten können Studentinnen einen Weg aufzeigen, in der Mathematik eine erfolgreiche Karriere zu verfolgen. Die emeritierte Professorin der Universität Göttingen wurde 1995 als erste Frau zur Präsidentin der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) gewählt. Im selben Jahr erhielt sie das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik für außerordentliche Forschungserfolge. In ihrem Festvortrag beleuchtet sie das Leben und Werk der berühmten Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935), der ersten habilitierten Mathematikerin in Deutschland. Nach dieser ist das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft benannt.
Text: Joachim Welding
Wann und Wo? Mittwoch, 1. Juli 2026, 16.15 Uhr in Raum HHP6 des Mathematischen Seminars
Interne Austauschrunde für cis und trans* Frauen ab 17.40 Uhr.
Mehr Infos zu Frauen in der Mathematik
Kontakt: Mathematisches Seminar, frauen-in-der-mathematik@math.uni-kiel.de
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