Bei diesem Hamburger Café gehen die Besucherzahlen nach oben. Der Auslöser dafür ist die Insta-Offensive der Teenie-Kellnerinnen.
Hamburg
„Was hast du denn gemacht?!“ Teenager sorgen für Ansturm auf Café in EimsbüttelLeni (l.) und Minna filmen im Cafe Deike ihre Videos für Instagram. Florian Quandt
Bei diesem Hamburger Café gehen die Besucherzahlen nach oben. Der Auslöser dafür ist die Insta-Offensive der Teenie-Kellnerinnen.
Seit 16 Jahren gibt es das Café Deike in Eimsbüttel – mit leckerem Kuchen, alten Holzmöbeln und einer eher altmodischen Atmosphäre. Jetzt sorgen zwei junge Kellnerinnen für frischen Wind: Leni (15) und Minna (17) machen den Laden auf Instagram zum Thema. Besitzer Christian Deike (63) hätte nicht damit gerechnet, welch positiven Effekt das haben würde.
„Aufwärmen, um heute 10.000 Mal ‚Hallo, wie geht’s?‘ zu sagen“ steht etwa über einem Video, in dem sich Leni vor der Arbeit dehnt und streckt. In einem anderen Clip heißt es: „Es sind 30 Grad und du arbeitest in der Gastro.“ Darin kämpfen die beiden mit Ventilatoren gegen die Hitze und posieren erschöpft. Die Idee dahinter: Die Nutzer sollen sich in den Situationen aus dem Gastro-Alltag wiedererkennen – und im besten Fall darüber lachen.
Angefangen hat alles im Februar. Leni arbeitete damals seit zwei Monaten im Café Deike in der Lutterothstraße. Unter der Woche geht sie noch zur Schule, am Wochenende arbeitet sie dort als Minijobberin. Inspiriert von den Social-Media-Auftritten anderer Gastronomiebetriebe begann sie, Fotos und Videos aus dem Café zu posten. „Am Anfang hab ich’s gemacht, um die Leute mehr darauf aufmerksam zu machen, um die Atmosphäre zu zeigen und was es so gibt“, erzählt die 15-Jährige. Ihr Chef habe ihr dabei von Anfang an freie Hand gelassen. „Wir zeigen ihm meistens die Videos, bevor wir sie posten.“ Eine Idee für ein Video habe Christian Deike ihr noch nie abgeschlagen.
Plötzlich ist das Café vollUnd offenbar zeigte sich schnell, dass die Videos Wirkung hatten. „An einem Sonntag kam ich dann zur Arbeit und alles war voll“, erzählt Leni. Ihr Chef habe sie damals gefragt: „Wir haben ganz viele Reservierungen, was hast du denn gemacht?“ An diesem Tag sei sogar das Geschirr knapp geworden. Deike beschreibt den Ansturm seit dem Start der Social-Media-Präsenz als „gefühlt bis zum Anderthalbfachen“.
Mittlerweile folgen dem Account fast 2000 Menschen, einzelne Videos erreichen mehrere tausend Aufrufe. Leni geht dabei längst selbst auf die Suche nach Reichweite: Sie hat etwa Influencerinnen wie Lina de Groef (58.500 Follower auf Instagram) angeschrieben und sie eingeladen, im Café vorbeizuschauen und darüber zu berichten. Auch der Hamburger Event- und Gastroaccount „mitvergnügenhamburg“ (265.000 Follower) war bereits zu Gast und postete über das Café.
Seit etwa Mai stehen Leni und Minna nicht mehr nur hinter, sondern auch vor der Kamera. In manchen Videos ist sogar Deike selbst zu sehen. Über einem Clip steht: „So fühlt sich unser Chef, wenn er weiß, dass er die süßesten, lustigsten, tollsten und talentiertesten Mitarbeiterinnen hat.“ Dazu tanzt der 63-Jährige lachend zu Musik. Laut Leni habe er anfangs nicht damit gerechnet, wie wichtig eine Social-Media-Präsenz für einen Gastronomiebetrieb inzwischen sein kann. „Er ist immer gerne dabei und unterstützt uns auch.“
Grundsätzlich sei das Feedback auf die Videos positiv. „Viele Leute kommen vorbei, weil sie uns auf Instagram gesehen haben“, erzählt Leni. Ein Video knackte sogar die Marke von 126.000 Aufrufen. Doch mit der größeren Reichweite kamen auch kritische Stimmen. In dem Clip ist Leni sichtlich genervt zu sehen, darüber steht: „Ein Kunde kommt um 17.30 Uhr, aber wir schließen um 18 Uhr.“
„Warum macht man so ein Video? Wer soll da bitte Lust bekommen, das Café zu besuchen?“ und „Nicht lustig!“ heißt es unter dem Clip. Leni kann die Kritik nicht nachvollziehen: „Wir machen unseren Job gerne und das war lustig gemeint.“
Minna (l) und Leni freuen sich über einen Besuch im Café Deike. Florian Quandt
Zum Beruf machen möchte Leni Social Media trotzdem nicht. Nach der Schule will sie Grundschullehrerin werden, auch in der Gastronomie sieht sie ihre Zukunft nicht. Eine Sache hat sie aus ihrem Nebenjob aber gelernt: „Im heutigen Zeitalter gehört Social Media echt fast überall dazu!“ Vor dem Start des Instagram-Accounts habe das Café am Wochenende mit drei Mitarbeitern gearbeitet, inzwischen sei das Personal an den Wochenenden doppelt besetzt. „Eine gewisse Social-Präsenz zu haben, hat viel gebracht!“
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