Nach der schweren Verletzung und dem wohl langen Ausfall von Neuzugang Gísli Thórdarson könnte St. Pauli noch einmal auf dem Transfermarkt nachlegen müssen.
FC St. Pauli
„Es ist brutal“: Braucht St. Pauli wegen Verletzungspech noch mehr Neue?Trainer Marcel Rapp (l.) und Sportchef Andreas Bornemann müssen beraten, wo und wie der Kader noch verstärkt werden kann und muss Witters / Ottmar Winter
Nach der schweren Verletzung und dem wohl langen Ausfall von Neuzugang Gísli Thórdarson könnte St. Pauli noch einmal auf dem Transfermarkt nachlegen müssen.
Es gibt Verletzungen, bei denen es schwerer ist, zur Tagesordnung überzugehen, als bei anderen. Sie hallen nach. Einerseits, weil sie gravierend und folgenreich sind, andererseits, weil die Entstehung so unglücklich oder die Gesamtkonstellation besonders bitter und dramatisch ist. In diesem besonderen Fall trifft alles zu. Der Hergang macht die ganze Tragik deutlich. Der Kiezklub sichert volle Unterstützung zu.
Die Betroffenheit über den fatalen Vorfall auf dem Rasen ist jedenfalls auch einige Tage danach noch zu spüren bei Sportchef Andreas Bornemann, wenn er über den Schicksalsschlag spricht, der Neuzugang Gísli Thórdarson getroffen hat – und damit auch St. Pauli, ein doppelter Treffer. Abgehakt? Schwer möglich. Das Thema ist weiterhin aktuell, insbesondere aufgrund der Auswirkungen auf die Kaderplanung.
So kam es zur schweren Thórdarson-Verletzung„Es ist brutal für den Jungen und natürlich auch für uns maximal unglücklich und bitter, dass er so kurz nach seiner Verpflichtung lange ausfällt“, so Bornemann im Vorfeld des zweiten Saisonspiels gegen Holstein Kiel (2:2) zur MOPO, „denn es war schon geplant, dass er Spielzeit erhält.“
Der erst 21-jährige Isländer war noch gar nicht richtig angekommen bei seinem neuen Klub, erst zwei Tage vor dem ersten Saisonspiel gegen Fürth offiziell als Neuzugang (per Leihe vom polnischen Erstligisten Lech Posen plus Kaufoption) präsentiert worden und hatte sich dann im Abschlusstraining verletzt – übrigens nicht in einem Zweikampf, sondern bei dem Versuch, mit vollem Einsatz einen Ball zu klären, der sonst ins Aus gegangen wäre. Womöglich der Versuch, sich gleich von der engagiertesten Seite zu zeigen und einen guten Eindruck zu machen.
Thórdarson wird St. Pauli sehr lange fehlenTotal unglücklich. Einfach maximales Pech. Die muskuläre Verletzung im hinteren Oberschenkel ist derart gravierend, dass Thórdarson operiert werden muss. Zwischen der offiziellen Vereinsmeldung zur Verpflichtung des viermaligen Nationalspielers und seines langen Ausfalls und Eingriffs lagen gerade mal vier Tage – und ein Fußballspiel, bei dem er hätte schon im Kader stehen und auf der Bank sitzen sollen. Hätte, wäre.
Der isländische Nationalspieler Gísli Thórdarson kam vom polnischen Meister Lech Posen zum FC St. Pauli. FCSP
Die harte Realität: Der defensive Mittelfeldspieler wird St. Pauli lange fehlen. Eine Prognose gab es von Vereinsseite wie üblich nicht, aber angesichts der nötigen OP sowie der Worte von Bornemann muss man nicht nur von Wochen, sondern Monaten ausgehen, wonach es mittlerweile nach MOPO-Informationen aussieht. Hart für einen jungen Spieler, der hochmotiviert und mit großen Hoffnungen bei seinem neuen Klub angetreten war. „Jetzt gilt es für ihn, diesen Rückschlag wegzustecken und wieder fit zu werden, wobei wir ihn natürlich voll unterstützen“, betont der Sportchef.
Bornemann: Kiezklub wird Thórdarson „voll unterstützen“Es bleibt die Frage, ob der Kiezklub nicht doch noch auf dem Transfermarkt reagieren muss, denn Thórdarson war ja nicht ohne Grund und Plan verpflichtet worden, sondern für einen Mannschaftsteil, in dem nach den Abgängen von James Sands und auch Jackson Irvine Bedarf herrschte und angesichts noch möglicher Wechsel von Eric Smith und/oder Joel Chima Fujita neue Kaderlücken klaffen könnten, die es zu schließen gilt. Es wäre eine Überraschung, wenn nicht mindestens einer der beiden den Verein noch verlässt.
„Unsere aktuelle Kaderstruktur macht es nicht zwingend nötig, mit einem Transfer auf seinen Ausfall zu reagieren“, erklärt Bornemann auf MOPO-Nachfrage zum langen Thórdarson-Ausfall. Denn noch sind Smith und Fujita da, spielen sogar mehr (Fujita) oder weniger (Smith) und mit Sam Klein hat St. Pauli bereits vor der Saison einen zentralen Mittelfeldmann verpflichtet. Auch Connor Metcalfe könnte die Rolle ausfüllen, ist allerdings aktuell noch nicht einsatzfähig und soll sich auch mit Abwanderungsgedanken tragen.
Nachverpflichtung nötig? St. Pauli muss noch abwartenAuch wenn St. Pauli zumindest offiziell keine zeitnahe direkte Nachverpflichtung für Thórdarson plant, ist davon auszugehen, dass sich der Kiezklub längst Vorkehrungen trifft und sich dafür in Stellung bringt, mit der Verpflichtung eines defensiven Mittelfeldspielers auf kurzfristige Abgänge bis zum Transferschluss am 1. September reagieren zu können. Es ergibt durchaus Sinn, abzuwarten, welches Profil dann genau benötigt wird.
Und genau deshalb beschäftigt das Thórdarson-Thema die sportliche Leitung zumindest indirekt nach wie vor. Denn der Isländer war ja als der defensivstarke und körperlich robuste Sechser mit Startelf-Potenzial geholt worden, weil bei diesem Profil Bedarf bestand.
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