Alexander Graf Lambsdorff gibt Einblicke in diplomatische Gespräche im russischen Außenministerium. Während seiner Amtszeit in Moskau sei er insgesamt fünfmal einbestellt worden.
Alexander Graf Lambsdorff gibt Einblicke in diplomatische Gespräche im russischen Außenministerium. Während seiner Amtszeit in Moskau sei er insgesamt fünfmal einbestellt worden.
Alexander Graf Lambsdorff war von 2023 bis vor kurzem deutscher Botschafter in Moskau. Im Podcast „Ronzheimer“ gab Lambsdorff Einblicke in seine Zeit in Russland und beschrieb unter anderem auch den Ablauf von Einbestellungen ins russische Außenministerium. „Eine Einbestellung ist nie erfreulich“, sagte Lambsdorff. Insgesamt sei er während seiner Amtszeit fünfmal einbestellt worden.
Die Aufforderung erfolge oft kurzfristig, teils per Anruf, teils per WhatsApp. Besonders heikel sei aus seiner Sicht, dass der Grund einer Vorladung meist nicht im Voraus genannt werde. Dennoch gelang es seinem Team in allen Fällen, vorab Hinweise auf das Thema zu erhalten.
Der Verlauf eines solchen Termins im Außenministerium hänge vom Thema und vom Gesprächspartner ab. Teilweise werde von russischer Seite einfach nur ein Text verlesen und dann die Antwort der deutschen Seite entgegengenommen. In anderen Fällen gebe es auch längere und deutlich konfrontativere Debatten. Etwa dann, wenn es Veröffentlichungen der Botschaft oder politische Entscheidungen aus Deutschland gebe, über die die russische Seite reden wolle.
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Lambsdorff nannte im Podcast als Beispiel ein Botschaftsvideo zur russischen Spritkrise in seiner letzten Woche im Amt. „Man kann ja nicht nur über das Video schimpfen, also musste dann eine lange Geschichte erzählt werden über die aggressive deutsche Politik gegenüber Russland.“ Dabei sei ihm eine Liste mit „angeblichen Vergehen Deutschlands“ vorgelegt worden. Die Vorwürfe seien „teilweise einfach sachlich falsch“ gewesen, sagt Lambsdorff.
Im Oktober 2024 sei er wegen eines neuen Stabes der Bundeswehr in Rostock im russischen Außenministerium gewesen. „Da wurde mir vorgehalten, das sei ein Verstoß gegen den 2+4-Vertrag.“
Der Botschafter hatte kürzlich auch gegenüber dem „Spiegel“ Auskunft über die Abläufe im russischen Außenministerium gegeben. Seiner Darstellung zufolge ging es bei früheren Vorladungen unter anderem um die angebliche Benachteiligung russischer Journalisten in Deutschland, um Kontakte deutscher Politiker und um militärpolitische Fragen.
Auch der Umgangston sei kühl gewesen. Über den aus seiner Sicht üblichen Handschlag unter Diplomaten sagte Lambsdorff im „Spiegel“ über die Außenamtssprecherin Marija Sacharowa: „Frau Sacharowa hat sich geweigert, das zu tun.“
Im Juli hat Alexander Graf Lambsdorff sein Amt in Moskau niedergelegt. Seit August ist er deutscher Botschafter in Israel und damit Nachfolger von Steffen Seibert.
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