Die CDU macht in Sachsen-Anhalt genau die Fehler, die die SPD Richtung 5 Prozent führt.
Die CDU macht in Sachsen-Anhalt genau die Fehler, die die SPD Richtung 5 Prozent führt.
Ich muss zugeben: Als Kind und Jugendlicher fand ich Didi Hallervorden großartig. Sendungen wie Nonstop Nonsensoder Der Untermieter und Filme wie Didi und die Rache der Enterbten haben mich bestens unterhalten. Viele hielten seinen Humor für plump – genau das mochte ich. Mit der Zeit habe ich allerdings das Interesse verloren, weil Hallervorden aus meiner Sicht immer häufiger politische Positionen vertrat, die sehr stark dem gesellschaftlichen Mainstream entsprachen. Für mich passt das nur schwer zu dem anarchischen Humor, für den er früher einmal stand.
Prof. Dr. Veit Etzold ist Strategieberater, CEO-Coach und Marketingexperte, der sich auf Neuromarketing und unternehmerische Strategieentwicklung spezialisiert hat. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Viel interessanter als Hallervorden selbst finde ich allerdings die Strategie der CDU. Auf mich wirkt sie wie eine Partei, die glaubt, den Ostdeutschen erzählen zu müssen, was diese angeblich hören wollen. Die Erzählung scheint ungefähr so zu lauten: Der Ostdeutsche sei wegen der DDR-Vergangenheit grundsätzlich russlandfreundlicher eingestellt. Die AfD gelte ebenfalls als russlandfreundlich.
Darum mag der Ostdeutsche die AfD. Also müsse man selbst ebenfalls Signale aussenden, die bloß nicht nach konsequenter Aufrüstung aussehen. Denn höhere Verteidigungsausgaben könnten schließlich Wladimir Putin verärgern – und das könnte wiederum den ostdeutschen Wähler verschrecken. Ich halte diese Denke nicht nur für politisch falsch, sondern auch für ziemlich herablassend.
Damit unterstellt die CDU Millionen Ostdeutschen letztlich, sie würden ihre Wahlentscheidung danach treffen, ob Moskau mit der deutschen Verteidigungspolitik zufrieden ist. Respekt vor den Menschen im Osten sieht für mich anders aus.
Ich empfinde das als eine Form der Infantilisierung: Der Wähler wird nicht als mündiger Bürger betrachtet, sondern als jemand, dem man möglichst einfache Geschichten erzählen muss. Einfache Geschichten muss man in der Politik zwar in der Tat erzählen, da komplizierte Geschichten oft nicht verstanden werden, aber es müssen Geschichten sein, die die Lebenswirklichkeit der Menschen treffen.
Dabei wird aus auch Geschichte ausgeblendet. Die Bundesrepublik konnte sich zu einer freien und erfolgreichen Demokratie entwickeln, weil der Westen militärisch stark genug war, die Sowjetunion abzuschrecken. Ohne die amerikanische Präsenz und die NATO hätte es diese Sicherheitsgarantie kaum gegeben.
Gleichzeitig waren es ausgerechnet die DDR-Bürger, die 1989 mutig gegen das von Moskau gestützte SED-Regime auf die Straße gingen. Gerade ihnen heute indirekt zu unterstellen, sie seien besonders empfänglich für russische Interessen, halte ich für absurd.
Für mich erinnert das stark an den Weg der SPD. Sie wollte grüner sein als die Grünen und linker als die Linke. Das Ergebnis war, dass viele Wähler gleich das Original gewählt haben. Nun scheint die CDU denselben Fehler zu machen und glaubt offenbar, als eine Art „AfD light“ verlorene Wähler zurückholen zu können. Meiner Ansicht nach wird auch das scheitern. Wer das Original haben möchte, wählt am Ende eben das Original.
Kakophonie und Ehekrach im Scheinwerferlicht war auch immer eine Spezialität der SPD - mit katastrophalen Folgen. Offenbar kein Grund für die CDU, der SPD auch in diesem Fettnapfspiel nachzufolgen.
Die CDU in Sachsen-Anhalt macht damit genau das, was ich der SPD seit Jahren vorwerfe. Sie kopiert andere Parteien, statt ein eigenes Profil zu zeigen. Sie scheint ihre Wähler für deutlich einfacher gestrickt zu halten, als sie tatsächlich sind, und glaubt offenbar, man müsse Ostdeutschen nur erzählen, dass Aufrüstung böse sei, weil Russland sich daran stören könnte.
Das halte ich nicht nur für eine politische Fehleinschätzung, sondern auch für eine Geringschätzung der Menschen, um deren Stimmen man wirbt. Wer seine Politik an vermeintlichen Klischees ausrichtet, statt an Überzeugungen, verliert am Ende genau das, was eine Volkspartei ausmacht: Glaubwürdigkeit.
Und genau deshalb folgte die CDU demselben Weg, den die SPD bereits gegangen ist – mit froher Fahrt hinein in die Verwandlung in die SPD und in die politische Bedeutungslosigkeit.
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