Die Debatte um Siegmunds Bildungsweg offenbart für Ulrich Reitz vor allem eines: politische Hybris und bemerkenswerte Doppelstandards.
Die Debatte um Siegmunds Bildungsweg offenbart für Ulrich Reitz vor allem eines: politische Hybris und bemerkenswerte Doppelstandards.
Hohn und Spott statt Anerkennung für Weiterbildung: Der Bachelor-Abschluss von Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sorgt für eine politische Debatte.
FOCUS-online-Chefkorrespondent Ulrich Reitz hält den Umgang damit für ein Eigentor von Siegmunds Gegnern. So gibt es auf „X“ Posts, die sich über Siegmunds „Parfümdiplom“ lustig machen, etwa vom Account „@HansLitten4Evee“.
Reitz meint:
„Es ist diese Häme, die da rüberkommt und die natürlich jetzt auf das Konto der AfD schlägt, und zwar positiv.“
Siegmund hatte nach seiner Kaufmannslehre berufsbegleitend Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaft studiert. Nachdem er zunächst keine Angaben zu seinem Studium machen wollte, bestätigte seine Hamburger Fernhochschule schließlich seinen regulären Abschluss.
Die Abschlussarbeit von Siegmund an der Fernhochschule trägt den Titel: „Untersuchung von Duftmarketing, anhand des gewerblichen Einsatzes mit einer psychologischen Beeinflussung von Wohlfühlempfindungen und monetären Beeinflussungen des Kaufverhaltens“.
Für Aufsehen sorgte vor allem Grünen-Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta. Mit Blick auf Siegmunds Bachelorarbeit über Duftmarketing sagte sie:
„Ulrich Siegmund wird den Menschen in Sachsen-Anhalt also die größte Scheiße perfekt parfümiert zu verkaufen wissen. Was für ein Downgrade für Sachsen-Anhalt nach dem Physiker Haseloff.“
Reitz sieht darin einen Doppelstandard. Vor allem, da beispielsweise Ricarda Lang zu ihrer Zeit als Grünen-Vorsitzende noch kein Studium abgeschlossen hatte.
Reitz räumt allerdings ein, dass auch die AfD gezielt mit Bildungsbiografien arbeitet. So habe sie Habecks Tätigkeit als Kinderbuchautor benutzt, um den promovierten Philosophen herabzusetzen.
Entscheidend sei jedoch, warum solche Angriffe gegen Siegmund nach seiner Einschätzung nicht funktionieren:
„Tatsache ist, dass Leute wie Siegmund ja nicht womöglich gewinnen, weil sie besser sind als andere, sondern weil sie den Leuten das Gefühl geben, nicht besser zu sein und ihnen nicht sagen zu wollen, wie sie zu denken haben.“
In der ursprünglichen Version des Artikels hieß es, die Grünen-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz, habe keinen akademischen Abschluss. Tatsächlich hat Sziborra-Seidlitz ein Studium mit dem akademischen Grad „Bachelor of Science“ abgeschlossen. FOCUS online hat den Artikel entsprechend korrigiert.
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