Waleri Saluschnyj stellt die Strukturen der Nato offen infrage. Der frühere Armeechef fordert stattdessen andere militärische Bündnisse für die Ukraine.
Waleri Saluschnyj stellt die Strukturen der Nato offen infrage. Der frühere Armeechef fordert stattdessen andere militärische Bündnisse für die Ukraine.
Waleri Saluschnyj hält einen Nato-Beitritt der Ukraine für praktisch ausgeschlossen. Der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte sagte bei einer Veranstaltung in Kiew, das Bündnis orientiere sich noch an Militärdoktrinen aus dem Zweiten Weltkrieg. Den Anforderungen des heutigen Krieges könne es nicht gerecht werden, sagte er laut dem finnischen Nachrichtenportal „Verkkouutiset“.
Saluschnyj führte die ukrainischen Streitkräfte von 2021 bis 2024. „Ich kenne die Nato sehr gut. Ich habe wahrscheinlich persönlich 12 Jahre daran gearbeitet, dass wir die Nato-Standards übernehmen“, sagte er. Jahr für Jahr habe er gehört, ein Beitritt stehe kurz bevor. „Leider werden wir ihr niemals beitreten.“
Als Grund nannte er nach seinen Worten den Zustand des Bündnisses selbst. „Es ist unmöglich, einer Organisation beizutreten, deren Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg stammen, wenn die ukrainischen Streitkräfte ihren heutigen Entwicklungsstand erreicht haben“, so Saluschnyj laut „Europejska Pravda“.
Der Ex-General zweifelt auch an der militärischen Leistungsfähigkeit der Nato. Nach seiner Einschätzung werde das Bündnis in seiner jetzigen Form bestehen bleiben und ähnlich wie die Ukraine 12 Jahre brauchen, um Standards zu erreichen, die es ihm erlaubten, „auch nur die Hälfte des Niveaus der Russischen Föderation“ zu erreichen.
Dennoch sprach Saluschnyj der Nato bestimmte Fähigkeiten nicht ab. Die Ukraine brauche weiter Technologien, über die Nato-Staaten verfügten. Er erwähnte dabei den Schutz vor ballistischen Raketen und die Raumfahrt.
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Für die Sicherheitsgarantien der Ukraine hält Saluschnyj andere Bündnisse für wirksamer. Er sagte, die Ukraine werde in Zukunft wahrscheinlich an neue Gruppierungen und Bündnisse gebunden. Am ehesten gehe es um ein europäisches Militärbündnis zur Sicherheit.
Als mögliche Option nannte er die von Großbritannien geführte Joint Expeditionary Force (JEF), der skandinavische und baltische Staaten angehören. Saluschnyj sprach von einer möglichen wirksamen Sicherheitsgarantie, schränkte die Einsatzfähigkeit der Struktur aber zugleich ein. Die Führungsstrukturen gebe es seit 2015. „Sie sind schwach und noch nicht auf dem Niveau, das wir als unseren Bedürfnissen entsprechend ansehen könnten“, erklärte er.
Er äußerte sich enttäuscht darüber, dass die Ukraine aus seiner Sicht nicht auf eine JEF-Mitgliedschaft hinarbeitet. Eine kollektive Beistandspflicht gibt es in dem Format bisher nicht. Die Mitgliedstaaten sind also nicht verpflichtet, einander militärisch zu verteidigen.
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