Frankreich, Italien und Spanien haben 2025 mehr als 440.000 Visa an russische Staatsbürger vergeben. EU-Abgeordnete warnen vor Sicherheitsrisiken und fehlender Solidarität.
Frankreich, Italien und Spanien haben 2025 mehr als 440.000 Visa an russische Staatsbürger vergeben. EU-Abgeordnete warnen vor Sicherheitsrisiken und fehlender Solidarität.
Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine reisen weiterhin viele russische Staatsbürger nach Europa. Besonders Frankreich, Italien und Spanien stellen zahlreiche Schengen-Visa aus. Nach Angaben der EU-Kommission vergab Italien 2025 insgesamt 161.121, Frankreich 156.547 und Spanien 123.359 Visa an Russen.
Ein einmal ausgestelltes Schengen-Visum ermöglicht Reisen durch den gesamten Schengen-Raum. Dazu gehören 25 EU-Staaten sowie die Schweiz, Island, Norwegen und Liechtenstein. „Unabhängig davon, welches Land das Visum ausgestellt hat, können sich die Russen und Russinnen innerhalb des Schengen-Raums frei bewegen“, sagte der FDP-Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen der „Welt“.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 setzte die EU Visaerleichterungen für russische Staatsbürger aus. Künftig sollten Anträge strenger und individuell geprüft werden. Seit 2025 reicht außerdem ein einziges Visum nicht mehr für mehrere Einreisen aus.
In der Praxis setzen die Mitgliedstaaten diese Vorgaben jedoch unterschiedlich um. Elf europäische Länder forderten die EU-Kommission deshalb im Juni auf, verbindliche und einheitliche Regeln vorzulegen. Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem Schweden, Polen, Dänemark, Estland und die Niederlande.
„Es ist zutiefst beunruhigend, dass immer mehr russische Touristen ihren Urlaub an europäischen Stränden und in europäischen Ferienorten verbringen, während Raketen und Drohnen weiterhin Zivilisten und zivile Infrastruktur in der Ukraine treffen“, heißt es in dem Schreiben.
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Auch innerhalb des Europäischen Parlaments wächst der Widerstand. Die CDU-Abgeordnete Verena Mertens sagte der „Welt“, Urlaub in Europa dürfe für Russen nicht zur Normalität werden, solange der Kreml seinen Angriffskrieg fortsetze.
Die EU-Kommission verteidigt ihr Vorgehen und kündigt eine Überarbeitung des Visa-Kodex an. Gezielte Einschränkungen sollen künftig besser auf Sicherheitsrisiken zugeschnitten sein, die von feindseligen Drittstaaten ausgehen. Der Vorschlag soll jedoch erst 2027 vorgelegt werden.
Schwedens Migrationsminister Johan Forssell erklärte bereits im Juni gegenüber Reuters, es sei „geradezu verrückt“, wenn Hunderttausende russische Touristen in Europa Sonne, Einkaufsreisen und Restaurantbesuche genießen könnten, während Ukrainer auf dem Schlachtfeld sterben.
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