Die Ukraine soll amerikanische Patriots-Raketen selbst produzieren dürfen. Doch Washington zögert – aus Sorge vor russischem Zugriff und ukrainischer Konkurrenz.
Die Ukraine soll amerikanische Patriots-Raketen selbst produzieren dürfen. Doch Washington zögert – aus Sorge vor russischem Zugriff und ukrainischer Konkurrenz.
Die Ukraine drängt auf eine Lizenz, um Patriots-Abfangraketen künftig selbst herstellen zu können. US-Präsident Donald Trump hatte eine solche Genehmigung im Juli beim Nato-Gipfel in Ankara zunächst in Aussicht gestellt. Später relativierte er seine Zusage. Anfang August erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hingegen, mit Trump eine Einigung erzielt zu haben. Eine offizielle Bestätigung aus Washington liegt laut den vorliegenden Berichten bislang nicht vor.
Das Patriot-System gilt als wichtigste Waffe gegen russische ballistische Raketen wie Iskander und Kinschal. Selenskyj fordert nach Angaben von „Telegraph“ rund 300 Abfangraketen. Gleichzeitig sind die Bestände der USA und ihrer Verbündeten durch den Krieg im Nahen Osten deutlich belastet.
US-Vertreter fürchten, dass Baupläne, Software oder Fertigungswissen über ukrainische Standorte nach Russland gelangen könnten. „Es gibt wahrscheinlich Stimmen in dieser Regierung, die befürchten, dass diese Technologie in russische Hände fällt“, sagte der pensionierte US-General Phil Breedlove laut „Telegraph“.
Nach Informationen des US-Magazins „Atlantic“ gibt es noch einen anderen Grund. Demnach könnten Raytheon und Lockheed Martin befürchten, dass ukrainische Ingenieure das System verbessern und anschließend schneller sowie deutlich günstiger produzieren. „Ihre eigentliche Sorge ist, dass die Ukrainer einen Weg finden, die Patriots zu verbessern“, zitierte das Magazin einen republikanischen US-Politiker.
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Besonders wichtig ist ein kleiner Radarsucher in der Spitze der PAC-3-Rakete. Er erkennt das Ziel kurz vor dem Einschlag und lenkt die Rakete direkt darauf zu. Das Bauteil wird von Boeing in Huntsville im US-Bundesstaat Alabama hergestellt.
Japan darf Patriots-Raketen produzieren, erhielt jedoch nach den Berichten keinen vollständigen Zugang zu dieser Technologie. Deutschland und Japan sind bislang die einzigen Staaten mit entsprechenden Fertigungslizenzen.
Selbst wenn die Lizenz erteilt wird, könnten ukrainische Fabriken nicht sofort loslegen. Zunächst müssten Ingenieure ausgebildet, Zulieferer geprüft und Bauteile zertifiziert werden. Michael Cadenazzi vom US-Verteidigungsministerium sagte laut „Breaking Defense“: „Es gibt nur wenige Ingenieure, die wissen, wie man das macht.“
Experten rechnen deshalb mit mehreren Jahren Vorlauf. Eine Fertigung in der Ukraine wäre zudem ein mögliches Ziel russischer Angriffe. Als Alternative gilt eine Produktion in Deutschland oder einem anderen europäischen Land. Raytheon erklärte, der Prozess habe gerade erst begonnen. Kurzfristig kann eine Lizenz den Mangel an Patriots-Raketen daher nicht lösen.