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Ein niederländischer Sender blickt mit Respekt und Unbehagen auf Deutschlands Aufrüstung. Es geht um Milliarden, alte Ängste und Europas Sicherheit

Дата публикации: 14-08-2026 05:52:00

Ein niederländischer Sender blickt mit Respekt und Unbehagen auf Deutschlands Aufrüstung. Es geht um Milliarden, alte Ängste und Europas Sicherheit.

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Ein niederländischer Sender blickt mit Respekt und Unbehagen auf Deutschlands Aufrüstung. Es geht um Milliarden, alte Ängste und Europas Sicherheit.

Deutschland rüstet in hohem Tempo auf und wird damit auch in den Niederlanden aufmerksam beobachtet. „Deutschland wird wieder eine militärische Großmacht“, titelt der öffentlich-rechtliche Sender Avrotros. Er sieht einen historischen Bruch: Aus einem lange pazifistisch geprägten Land werde wieder ein militärisches Schwergewicht in Europa.

Aus niederländischer Sicht ist das ein tiefer Einschnitt. Jahrzehntelang galt Deutschland militärisch als zurückhaltend – geprägt vom Kriegserbe, vom Schutz durch die USA und von einer Zeit vergleichsweise geringer Bedrohung. Nun treiben der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Druck auf die Nato-Partner und das gesunkene Vertrauen in die USA den Kurswechsel voran.

Niederlande reagieren auf Deutschlands „Zeitenwende“

Besonders falle das Tempo der Aufrüstung auf, so Avrotros. Einschließlich der Hilfe für die Ukraine wird Deutschland 2027 auf 145 Milliarden Euro für Verteidigung kommen. 2022 waren es noch rund 50 Milliarden Euro. Um das zu finanzieren, plant Berlin fast 200 Milliarden Euro neue Schulden. Auch die Schuldenbremse wurde für die „Zeitenwende“ gelockert.

Der Bundeswehr-Soziologe Timo Graf sagt dem Sender, ein abrupter Bruch sei das nicht. „Dass Deutschland seinen Pazifismus von einem Tag auf den anderen über Bord geworfen hat, stimmt nicht.“ Schon seit Jahren sei die Haltung zur Armee in weiten Teilen der Bevölkerung positiv. Neu sei vor allem die Bereitschaft, deutlich mehr Geld bereitzustellen.

Laut Graf fiel das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner in Deutschland um 28 Prozent. Zudem fühlten sich zwei Drittel der Deutschen unmittelbar militärisch durch Russland bedroht. Er spricht von einem „neuen Realismus“.

Bundeskanzler Olaf Scholz beim Kampfpanzer Leopard 2 A6 der Bundeswehr. Dem Kanzler wird der Kampfpanzer Leopard 2 erläu

Der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz hatte im Februar 2022 die „Zeitenwende” ausgerufen. IMAGO/Björn Trotzki
Zwischen Erleichterung und Unbehagen in Europas Nachbarschaft

Der neue Kurs in Berlin stößt nicht nur auf Zustimmung. „Die Vorstellung, dass Deutschland wieder die stärkste Armee Europas haben soll, stößt mir enorm auf“, sagt der deutsche Friedensaktivist Hans-Dietrich Springhorn laut Avrotros. Er könne sich vorstellen, dass das auch in Ländern wie Frankreich, Dänemark und den Niederlanden bei Menschen mit Blick auf die Geschichte nicht gut ankomme.

Auch die Angst vor Russland teilt Springhorn nicht. Er fordert neue Gespräche mit Moskau. „Wir müssen wieder mit den Russen an den Tisch“, fordert er. Einen Dritten Weltkrieg gegen eine Atommacht zu riskieren, sei keine Option.

Graf hält diese Sicht für falsch. Viele Länder sähen es positiv, dass der „große Bruder“ Verantwortung gegen russische Aggression übernehme, so der Soziologe. Auch Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin hätten sich aus seiner Sicht als Illusion erwiesen. Deutschland habe die Risiken im Verhältnis zu Russland zu lange verdrängt, um sein altes Wirtschaftsmodell zu schützen: günstige Energie aus Russland, Produktion für den chinesischen Markt und militärische Absicherung durch die USA.

Niederlande gelten als enger Partner der Bundeswehr

Umso wichtiger sind aus seiner Sicht feste militärische Bündnisse in Europa. Niederländische Panzertruppen seien in eine deutsche Panzerdivision eingebunden, ein deutsches Seebataillon arbeite in niederländischen Strukturen. Wenn Europa angegriffen werde und die Politik zu langsam handle, komme es auf solche eingespielten Verbindungen an.

Graf sieht darin auch eine Folge einer deutschen Schwäche: Das Land sei über Jahrzehnte daran gewöhnt gewesen, sich sicherheitspolitisch auf die USA zu verlassen, und tue sich bis heute schwer mit einer Führungsrolle. Deutschland sei „extrem risikoscheu“, sagt er. Deshalb würden Nachbarn wie die Niederlande, aber auch Norwegen, Schweden und Finnland an Bedeutung gewinnen. Sie könnten helfen, die Scheu vor mehr Verantwortung abzubauen.

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