Eine Rakete schlägt in Polen ein, Drohnen tauchen nahe kritischer Infrastruktur auf. Nun warnen Experten vor Russlands möglichem nächsten Schritt.
Eine Rakete schlägt in Polen ein, Drohnen tauchen nahe kritischer Infrastruktur auf. Nun warnen Experten vor Russlands möglichem nächsten Schritt.
Russland testet nach Einschätzung westlicher Fachleute bereits die Entschlossenheit der Nato. Sie verweisen auf mehrere Vorfälle in Europa, darunter den Einschlag eines mutmaßlich russischen Marschflugkörpers in Polen und Drohnensichtungen an sensiblen Orten.
Wie die finnische Tageszeitung „Uusi Suomi“ berichtet, warnen der frühere Nato-Oberbefehlshaber in Europa, James Stavridis, und der Politikwissenschaftler Andrew A. Michta vor einer neuen Eskalationsstufe. Beide sehen in den jüngsten Zwischenfällen keinen Zufall. Michta, Professor für Strategische Studien an der University of Florida, sieht Europa in „Phase null“ eines Konflikts mit Russland.
In Polen stürzte Ende Juli ein mutmaßlich russischer Marschflugkörper tief im Landesinneren ab und explodierte dort. Der Einschlag lag rund 90 Kilometer von der Grenze entfernt. Das polnische Außenministerium bestellte daraufhin den russischen Botschafter ein.
Auch in Rumänien drangen in den vergangenen Wochen mehrfach russische Drohnen in den Luftraum ein. Die Nato-Staaten berieten deshalb am Mittwoch über die Vorfälle in Polen und Rumänien.
Die Allianz machte Russland in einer gemeinsamen Erklärung für die Luftraumverletzungen verantwortlich. Sie nannte die Vorfälle „gefährlich und unverzeihlich“ und sprach von wachsender Risikobereitschaft in Moskau.
Stavridis hält es zwar für möglich, dass einzelne Waffen vom Kurs abgekommen sind. Zusammen mit neuen US-Geheimdiensterkenntnissen entstehe jedoch ein „unheilvolles Bild“. Dennach will Kremlchef Wladimir Putin in den kommenden Jahren die Entschlossenheit und Einsatzfähigkeit der Nato prüfen.
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Michta hält den Begriff „hybrider Krieg“ für falsch. „In diesem Krieg ist nichts hybrid“, schrieb er auf der Plattform X. Aus seiner Sicht arbeite Moskau daran, „die Voraussetzungen zu schaffen, bevor der offene bewaffnete Konflikt beginnt“. Konkrete Belege dafür nennt er nicht.
Stavridis vermutet hinter den jüngsten Vorfällen ein klares Ziel: Europa soll eingeschüchtert werden, damit die militärische Hilfe für die Ukraine nachlässt. Putin wisse, „dass er die Ukraine verliert“, sagt der Ex-Admiral. Aus russischer Sicht sei deshalb entscheidend, die Unterstützung Kiews zu stoppen.
Er rechnet nun mit Cyberangriffen auf Krankenhäuser, Treibstoffversorgung und Lebensmittelproduktion. Außerdem könnten weitere russische Waffen „versehentlich“ nahe Verkehrsknotenpunkten einschlagen, so Stavridis.