Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Die politische Mitte verliert Wähler – und die AfD gewinnt sie

Дата публикации: 15-08-2026 06:14:00

Sozialforscher Andreas Herteux erklärt, warum der AfD-Aufstieg keine Abweichung ist, sondern Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Основное содержимое страницы с новостью.

Sozialforscher Andreas Herteux erklärt, warum der AfD-Aufstieg keine Abweichung ist, sondern Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Andreas Herteux ist Wirtschafts- und Sozialforscher und Autor des Standardwerks zur Geschichte der Freien Wähler (FW). Er ist Teil unseres EXPERTS Circle.

Die AfD ist unzweifelhaft erfolgreich. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte sie 20,8 Prozent der Zweitstimmen und für die kommenden Landtagswahlen sieht es auch alles andere als schlecht aus.

Doch wie ist das einzuordnen? Am besten als Abweichung von einer unumstößlichen Norm; so die beliebteste Deutung. Bezeichnend ist eine Aussage Winfried Kretschmanns. Der frühere Ministerpräsident sagte im August 2026: „Ich vermute, 15 Prozent der Bevölkerung sind einfach Nationalisten.“

Der Satz mag als nüchterne Beschreibung gemeint sein. Zugleich offenbart er ein verbreitetes Deutungsmuster: Ein Teil der Bevölkerung erscheint als statischer Problemblock, während die politische Normalität weiterhin dort vermutet wird, wo sie früher lag. Doch genau diese Normalität existiert immer weniger. Im Kern ist sie nur noch eine selbstberuhigende Illusion.

Und das hat gerade nur begrenzt mit Inhalten zu tun, sondern mit Strukturen. Eine nüchterne Betrachtung muss sich daher vom obsoleten Links-Rechts-Schema lösen und nur letztere betrachten. Alles andere macht eine Analyse unmöglich:

Tatsächlich ist der AfD-Erfolg gerade keine vorübergehende Abweichung vom politischen Normalzustand. Wir erleben nicht etwa eine Störung der alten, unabänderlichen Ordnung, die sich wieder einpendeln wird, sondern längst eine neue Wirklichkeit.

Die neue Wirklichkeit der Milieus

Dabei ist es wichtig, wie die Realität ist, nicht wie sie sein sollte: Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zersplittert zunehmend in kleinere Lebenswirklichkeiten und Milieus. Diese entwickeln eigene Vorstellungen davon, was normal, vernünftig, gerecht oder moralisch geboten ist. Damit entstehen verschiedene Deutungen von Gut und Böse, von Fortschritt und Rückschritt, von Freiheit, Sicherheit, Leistung, Nation oder Migration. Diese Fragmentierung sowie der daraus entstehende Milieukampf bilden einen zentralen Erklärungsansatz für die Gegenwart.

Und nein, der Pluralismus ist grundsätzlich nicht neu. Ein Novum ist jedoch die wachsende Fähigkeit der Lebenswirklichkeiten, sich selbst zu bestätigen, ohne auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens angewiesen zu sein. Sie brauchen die anderen immer weniger, um sich des eigenen Wertes zu versichern. Aus Konkurrenz wird so Milieukampf: Man streitet nicht mehr nur über Lösungen gemeinsamer Probleme, sondern darüber, welche Wirklichkeit überhaupt gültig sein soll. Jeder hat recht, keiner redet mehr miteinander. Für eine demokratische Gesellschaft ist das toxisch.

Der digitale Bruch

Die digitale Transformation verstärkt diesen Prozess, hat ihn dynamisiert. Über Jahrzehnte wirkten klassische Leitmedien als Flaschenhals öffentlicher Kommunikation. Diese Ordnung ist vorbei. Soziale Netzwerke, alternative Medien, Influencer, Podcasts und algorithmisch kuratierte Informationsräume schaffen für Milieus eigene Leitmedien. Unter diesen Bedingungen vollzieht sich der Aufstieg der AfD.

Die falsche gesellschaftliche Kartografie

Der erste Fehler lag bereits in einer falschen gesellschaftlichen Kartografie. Seit den 2010er-Jahren gewann eine postmaterielle Welle an politischem Gewicht. Klima, Identität, Sprache, Diversität und kulturelle Fragen erhielten hohe symbolische Priorität. Viele dieser Anliegen sind legitim. Problematisch wurde es dort, wo andere Bedürfnisse – materielle Sicherheit, Migration und Ordnung, wirtschaftliche Stabilität, Aufstiegschancen oder politische Repräsentation – als nachrangig oder rückständig behandelt wurden. Hinzu kamen politische Fehlleistungen, die bereits vorhandene Entfremdungsprozesse verstärkten.

Ein Teil der politischen Mitte wurde daher nicht von der AfD erobert, sondern von etablierten Kräften preisgegeben. Theoretisch hätte auch ein anderer reifer Apfel vom Baum fallen können, aber er fiel nun einmal in Zeiten einer schwindenden postmateriellen Dominanz.

Der verlorene mediale Flaschenhals

Der zweite Fehler betrifft die Kommunikation. Die AfD verstand früher und konsequenter als viele Wettbewerber – sicher auch gepaart mit der Erfahrung, selbst nur begrenzte Aufmerksamkeit zu erfahren –, dass der alte mediale Flaschenhals seine Wirkung verloren hat und die Zukunft in dieser Hinsicht im digitalen Raum liegt. Dort ist sie nun politischer Marktführer.

Kein Protest, sondern Normverschiebung

Der dritte Punkt ist vielleicht der wichtigste: Viele Milieus verbindet inzwischen die Ablehnung eines als erfolglos oder selbstbezogen wahrgenommenen Establishments. Diese Gemeinsamkeit braucht kein geschlossenes Weltbild. Sie kann sogar teilweise unabhängig von konkreten politischen Inhalten funktionieren – und tut es auch. In solchen Konstellationen wählt man auch gerne mal, was sich im Kern gegen einen selbst richtet. Das ist kein Paradoxon. Entscheidend ist die Umorientierung weg von Kräften, denen man nicht mehr zutraut, die eigene Lebenswirklichkeit zu verstehen oder zu vertreten.

Deshalb greift auch der Begriff „Protestwahl“ zu kurz. Protest setzt voraus, dass man im Grunde zur alten Ordnung gehört und ihr lediglich einen Denkzettel verpassen will. Was wir stattdessen beobachten könnten, ist eine dauerhafte Normverschiebung.

Die alte Ordnung kommt nicht zurück

Um hier agieren zu können, müssten die etablierten Parteien sich komplett restrukturieren und Prozesse der Demokratievitalisierung vorantreiben. Dazu sind sie im Moment allerdings noch nicht bereit. Es bleibt auch eine Frage der Zeit, denn die Gesellschaft wird sich nicht nach den Erwartungen der alten Ordnung richten. Sie hat sich längst verändert. Im Kern wirken Marktkräfte, die Marktanteile schwinden, weil das Angebot immer weniger Nachfrage findet. Der Kunde, der Wähler, das Volk lässt sich nicht austauschen, Parteien schon.

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Trotz starker AfD sieht ARD ihre Wähler als seltene Exoten09.8614-08-2026
2Sozialforscher analysiert: 5-Prozent-Sperrklausel verzerrt den Wählerwillen01016-08-2026
3Kommentar: Der AfD spielen jetzt gleich drei Umstände in die Hände08.0526-07-2026
4Neue Sachsen-Anhalt-Umfrage sieht leichte Verluste bei der AfD – und viele Wackelkandidaten0503-07-2026
5Wenn es ans Regieren geht, wird die AfD plötzlich vorsichtig013.8816-08-2026
6Landtagswahl: AfD-Boom in Sachsen-Anhalt: Diese Grafiken erklären die Gründe für den steilen Aufstieg014.4611-08-2026
7Kabinettsumbildung ohne Effekt: AfD erreicht neuen Top-Wert – Merz verliert mit Union weiter09.2307-08-2026
8Kommentar: Die AfD muss in Sachsen-Anhalt nur noch lächeln und gewinnen09.3711-08-2026
9Zufriedenheit mit Regierung steigt – Plus bei Sozialpolitik08.7904-08-2026
10Lebertran mit Sahne statt Regierungsgewalt: Was der AfD bleiben sollte0509-07-2026

Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 12.94. Источник: rss.focus.de.