Ein neuer Autolack aus China absorbiert 99,9 Prozent des Lichts. Das sorgt für einen spektakulären Effekt – doch bis zum Serieneinsatz ist es noch weit.
Forscher haben einen Autolack entwickelt, der 99,9 Prozent des sichtbaren Lichts absorbiert. Die Karosserie wirkt dadurch fast wie eine schwarze Silhouette. Bis zur Serie gibt es aber noch große Hürden.
Der sogenannte Ultra-Black-Lack wurde von Forschern am Shanghai-Forschungszentrum der Nipsea Group (Nippon Paint) entwickelt. Anders als frühere Ansätze soll die Beschichtung nicht nur extrem dunkel sein, sondern auch den Belastungen im Autoalltag besser standhalten, wie das Portal „Techspot” berichtet.
Das Besondere an der neuen Beschichtung: Sie verschluckt nach Angaben der Forscher rund 99,9 Prozent des sichtbaren Lichts. Dadurch werden Kanten, Rundungen und Karosserielinien kaum noch wahrgenommen. Das Auto erscheint fast wie eine flache, tiefschwarze Silhouette.
Möglich wird das durch eine Kombination aus Kohlenstoff-Nanoröhren und winzigen Rußpartikeln. Treffen Lichtstrahlen auf die Oberfläche, werden sie in einer fein verzweigten Mikrostruktur immer wieder gestreut und schließlich nahezu vollständig absorbiert. Nur rund 0,08 Prozent des Lichts werden noch reflektiert.
Die Grundlage für den neuen Lack entstand bereits vor mehr als zehn Jahren. 2014 stellte das britische Unternehmen Surrey NanoSystems mit Vantablack ein Material vor, das sogar bis zu 99,965 Prozent des Lichts absorbiert. Entwickelt wurde es ursprünglich für Teleskope, Kameras und andere optische Systeme, um störende Lichtreflexionen zu vermeiden.
Erst später entdeckte die Autoindustrie den spektakulären Effekt für sich. 2019 sorgte BMW mit einem X6 in Vantablack auf der IAA weltweit für Aufsehen. Die Karosserie wirkte beinahe konturlos – als würde das Auto Licht verschlucken. Für die Serienfertigung eignete sich die Beschichtung allerdings nicht, weil sie als zu empfindlich und zu aufwendig galt.
2019 präsentierte BMW auf der IAA einen X6 mit einer Beschichtung aus Vantablack. Der Effekt war spektakulär: Die Karosserie wirkte beinahe konturlos, als würde man in ein schwarzes Loch blicken. Für die Serie eignete sich der Lack jedoch nicht. Die Beschichtung war empfindlich, teuer und ließ sich nur schwer auf große Flächen aufbringen.
Genau hier wollen die Forscher in Shanghai ansetzen. Ihr Material soll sich deutlich einfacher herstellen und robuster verarbeiten lassen.
Nach Angaben der Forscher überstand die Beschichtung erste Belastungstests problemlos. Lackierte Testplatten wurden unter anderem zehn Tage in 40 Grad warmem Wasser gelagert sowie zwei Wochen lang 95 Prozent Luftfeuchtigkeit bei 40 Grad ausgesetzt. Sichtbare Schäden oder Haftungsprobleme traten demnach nicht auf.
Für einen Serieneinsatz reicht das allerdings noch nicht aus. Noch fehlen wichtige Prüfungen, etwa zur UV-Beständigkeit, Kratzfestigkeit, Steinschlagresistenz und zum langfristigen Korrosionsschutz.
Auch wenn die Beschichtung technisch vielversprechend wirkt, bleiben mehrere Fragen offen: Zum einen muss sich zeigen, ob sich der Lack wirtschaftlich in großen Stückzahlen produzieren lässt.
Zum anderen bringt ein nahezu lichtschluckendes Auto auch praktische Nachteile mit sich. Je weniger Licht reflektiert wird, desto schlechter sind Formen und Konturen zu erkennen.
Das kann die Wahrnehmbarkeit eines Fahrzeugs im Straßenverkehr beeinträchtigen. Deshalb experimentieren die Forscher bereits mit einer zusätzlichen Klarlackschicht, die etwas Reflexion zurückbringen soll, ohne den spektakulären Schwarz-Effekt weitgehend zu verlieren.
Ob der Ultra-Black-Lack tatsächlich einmal auf Serienfahrzeugen zu sehen sein wird, ist jedoch offen. Weder Preise noch ein möglicher Produktionsstart wurden bislang genannt. Auch europäische Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz, Audi, Porsche oder Volkswagen haben bislang kein Interesse an einer Serienanwendung angekündigt.
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