Das Festival of Speed hat sich zum größten Autoevent Europas entwickelt. Jetzt drücken die chinesischen Marken der Messe ihren Stempel auf.
Das Festival of Speed hat sich neben der IAA in München zum größten Autoevent Europas entwickelt. Jetzt drücken die chinesischen Marken der Open-Air-Messe ihren Stempel auf.
Der Lärm auf dem Festgelände ist ohrenbetäubend. Wenn nicht gerade ein Formel-1-Bolide mit einem in die Jahre gekommenen Rennfahrer am Steuer den Hillclimb heraufdonnert, wummern aus den Boxen bassige Akustiksünden oder die Kommentatoren erklären wortreich den tausenden schwitzenden Besuchern muntere Benzinanekdoten aus den 70er Jahren – natürlich mit betont britischem Einschlag. Keine Frage, die Briten haben noch oder vielleicht auch mehr denn je Lust auf Autos. „Vor Jahren waren es hier 15.000, mal 20.000 oder vielleicht 25.000 Zuschauer, die zum Festival kamen“, erzählt die 60jährige Laura, eine der Einlasskontrolleurinnen, „doch bei so einem Wetter wie diesmal sind es sicher doppelt so viele. Unglaublich wie voll es hier bereits am Donnerstag war.“
Auf einem der Parkplätze malt ein bunt beklebtes Historie-Nascar ebenso lautstark wie gummireich schwarze Kringel auf den Asphalt, während ein Sauber-Mercedes C9 und der spektakuläre Mercedes 300 SL Flügeltürer zusammen mit dem frisch aufgebauten Auto Union Lucca gerade von der nächsten Renneinlage ins überfüllte Fahrerlager zurückkommen. Handykameras werden gezückt und das Spalier ist so eng wie bei Berganstieg der Tour de France. Die Piloten reißen die Tür auf, um die brütende Hitze aus dem Cockpit herauszubringen, während sich viele Zuschauer bereits großer Teile ihrer Kleidung entledigt haben. So heiß wie in diesem Jahr ist beim seit 1993 veranstalteten Festival of Speed selten gewesen. Die Stimmung ist bestens – die Unterhaltung zwischen alt und neu, Historie und automobiler Zukunft könnte stimmungsvoller kaum sein.
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Das skurrile Hochgeschwindigkeitstreffen auf den Latifundien von Charles Gordon Lennox, mittlerweile zum 11. Duke of Richmond ernannt, ist zu einem Szenetreff geworden, das in Europa kaum ernsthafte Konkurrenz hat. Waren es in der Vergangenheit die britischen Heimmarken wie Aston Martin, Bentley, Mini, Jaguar oder Land Rover, die sich zusammen mit finanzstarken deutschen Autoherstellern – bevorzugt aus dem Premiumsegment - stimmungsvoll rund um den Hillclimb in Szene setzten, so ist das Goodwood FoS wie es die Fans liebevoll nennen, längst zum Abbild der Autoszene geworden. Die kostenlosen Shuttles stellen die Chery-Marken Omoda und Jaecoo, während der Messestand von BYD mit seinen Premiumablegern Denza und Yangwang die Nachbarschaft mit deutschen und britischen Wettbewerbern eher mickrig aussehen lässt. Die Besucher tuckern mit dem neuen Pick-Up BYD Shark über einen Kletterparcours oder lassen sich im 1.600 PS starken Hypersportler Denza Z für die eigenen Social- Medial-Kanäle ablichten. Das Festival of Speed zeigt, wohin sich die Automobilwelt in England und auch auf dem europäischen Festland entwickelt. Modelle von BYD, MG oder Chery haben sich längst in den Zulassungslisten festgesetzt.
Da haben es selbst ein neuer BMW i3, der 1001 PS starke Audi Nuvolari oder ein 500 kW / 680 PS starker Mercedes AMG CLA 45 trotz inszenierter Weltpremiere schwer, genügend Aufmerksamkeit beim Publikum zu bekommen. Wer in der Autoszene sommerlich strahlen will, bringt seine möglichst leistungsstarken Modelle mit in den Süden Englands und lässt diese hier brüllen, donnern oder surren, denn die Elektroautos haben längst einen nennenswerten Anteil an den Hauptdarstellern. Die Fans jeden Alters jubeln nicht nur artig, sondern sind begeisterter als anderswo, während viele Fußballfans nur an das WM-Spiel England gegen Norwegen denken können, was die Briten letztlich für sich entscheiden konnten. Der nächste Stimmungsschub nach oben. Alpine lässt einen Prototypen seiner elektrischen A110 den Hang hinaufdonnern – am Steuer F1-Pilot Pierre Gasly und auf dem Beifahrersitz der allgegenwärtige Duke of Richmond, der einen an Franz Beckerbauer oder Hans-Dietrich Genscher erinnert. Allesamt mit der Fähigkeit, an mehreren Plätzen gleichzeitig zu sein.
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MG zeigt mit der Studie seines Go einen elektrischen Kleinwagen, der als MG 2 ab 2027 selbst einem Mini das Leben schwer machen könnte. Zeitgleich zeigt der britisch-deutsche Wettbewerber mit dem Mini Cooper seine Oxford-Edition – natürlich mit gigantischem Union Jack auf dem Dach. „Mit dem MG GO wollten wir ein Fahrzeug schaffen, das kompakt, modern und emotional zugleich ist. Es greift den Charakter klassischer MG-Modelle auf, interpretiert ihn jedoch zeitgemäß für eine neue Generation von Kunden“, sagt MG-Designer Carl Gotham.
Kein Festival of Speed ohne Rennwagen aus längst vergessenen Jahrzehnten, Einzelstücken wie dem BMW M3 GT3 Touring und eine sehenswerte Gesandtschaft von neuen Luxussportlern, die als Porsche Taycan Turbo GT, Lamborghini Urus SE Performante oder Continental GT S den 1,16 Meilen langen Rennkurs heraufdonnern. „Ich bin es eigentlich nicht gewohnt, so etwas vor Publikum zu machen, und man verbringt viel Zeit mit Warten am Startbereich. Wenn man sich am Start anstellt, spürt man eine echte Vorfreude“, erläutert Craig Nicolson, Leiter der Bentley-Fahrwerksentwicklung am Start, „es herrscht eine großartige Stimmung, während die traditionell gekleideten Streckenposten einen nach vorne winken – und genau in diesem Moment wird einem erst richtig bewusst, wie viele Menschen einem zusehen.“ Und zujubeln wie fast jedem, der das staubige Asphaltband herausdonnert – egal, ob Oldtimer, Powerbolide, Prototyp, Elektro oder Verbrenner. Da sind die Zuschauer offener als anderswo – wenn es nur tüchtig Lärm macht!
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Von Stefan Grundhoff
Das Original zu diesem Beitrag "Der China-Effekt" stammt von press-inform.
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