Als Mieter ein Elektroauto? Das konnte ich mir bis vor Kurzem nicht vorstellen. Mit dem Toyota bZ4X funktionierte das allerdings überraschend gut.
Als Mieter ein Elektroauto? Das konnte ich mir bis vor Kurzem nicht vorstellen. Mit dem Toyota bZ4X funktionierte das allerdings überraschend gut.
Ich erinnere mich dunkel an meine letzte Testfahrt in einem E-Auto. Ein Kleinwagen. Smart? Renault? Sowas in die Richtung. Ich weiß noch genau, wie ich ohne Radio vom Tegernsee Richtung München fuhr, aus Sorge, dass der Strom nicht reicht. Danach war ich mir sicher: Ich habe nichts gegen E-Autos, aber für mich sind sie nichts. Ich fahre zu weite Strecken und außerdem wohne ich zur Miete. Haken dran.
Dann fiel mir der Toyota bZ4X Lounge zu, die größte Variante von Toyotas Elektro-SUV, und ich beschloss, dem Stromer eine neue Chance zu geben. Für mich war dabei wichtig:
Was mir als erstes auffällt: Das Rundumkamera-Paket macht das Rangieren im Parkhaus kinderleicht. Ohne hingegen wäre das Auto ziemlich unübersichtlich. Sowohl nach vorne als auch seitlich ist die Karosserie nicht einzusehen. Hier ist Gefühl gefragt oder ein fotografisches Gedächtnis.
Auch der Antrieb gibt Einiges her, sei es auf steilen Parkhausrampen oder auf der Autobahn, auf der der Toyota auch mit 160 km/h gemütlich dahingleitet.
Ich fahre den Toyota in den nächsten Tagen wie meinen Diesel, ohne Rücksicht auf die Reichweite. Ich will schließlich wissen, wie das mit dem Tanken läuft.
Die erste Ladung hole ich mir auf einem Supermarktparkplatz. Ladeanzeige vor dem Tanken 60 Prozent. Bewaffnet mit der EnBW-App fahre ich eine der dortigen Schnellladestationen an. In der App sehe ich den Preis (69 Cent pro Kilowattstunde, an EnBW-Stationen ohne Roaming sind es ohne Abo 56 Cent) und wie lange der Ladevorgang dauert. Ich schaffe so gerade meine Einkäufe und einen kurzen Abstecher in die benachbarte Gärtnerei, da ist das Auto bei 90 Prozent. Als E-Auto-Neuling bin ich begeistert, wie schnell das geht. Weniger begeistert bin ich vom Preis. Bei einem Verbrauch von 14 kWh /100 km kostet das Tanken fast so viel wie mein Diesel.
Am Wochenende lade ich den Kofferraum voller Sportequipment und mache ich auf den Weg in ein Klettergebiet in meiner Nähe. Dort angekommen fällt mir auf: Von einem SUV hätte ich eine deutlich bessere Bewältigung der Schlagloch-durchzogenen Forststraße erwartet. Stattdessen nimmt er die Unebenheiten ziemlich hart. Und: Allradantrieb gibt es zwar für das elektrische Toyota-SUV, aber leider nur optional.
Und noch ein Feature macht mich fast wahnsinnig: Das ständige Piepen. „Wenn der noch einmal piept, laufe ich!“, danke ich mir schon auf der ersten längeren Fahrt. Dafür kann natürlich zuerst einmal das Auto nichts, schließlich ist zumindest der Geschwindigkeitswarner inzwischen EU-weit Pflicht. Dennoch: Bei einem km/h zu viel, könnte man auf der Autobahn zumindest mal Gnade walten lassen. Und das Auto piepst weiter: Die Beschwerden bei Abstandsassistent und Spurhalteassistent kann ich immerhin bald zuordnen, andere Töne verstehe ich bis heute nicht.
Zum Schluss stelle ich das Auto noch einmal an eine Schnellladestation auf einem Innenstadt-Parkplatz in meiner Nähe und gehe mit einer Freundin noch einen Trinken. Diesmal ist mein Spezi noch nicht mal leer, bevor es meldet, dass es voll ist.
Mein Fazit: Ich hätte nicht gedacht, dass ich als Mieterin ein E-Auto überhaupt in Betracht ziehen könnte. Natürlich wären die Strompreise an einer Wallbox in der eigenen Garage günstiger. Aber dieser Test hat mich zumindest davon überzeugt, dass ich einen Stromer kaufen könnte, wenn ich wollte. Wenn ich allerdings an das Piepsen denke, dann fahre ich so lange es nur geht meinen 2008er Diesel.
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Mit 4,69 Metern Länge tritt der bZ4X als typisches Mittelklasse-SUV an. Die Karosserie wirkt kantig, futuristisch. Damit hebt sich der Toyota sichtbar von der eher nüchternen Konkurrenz ab. Für die überarbeitete Version hat Toyota Details am Exterieur nachgeschärft, unter anderem mit glänzenden Kotflügelverkleidungen. In der Lounge-Ausführung wirkt der Wagen insgesamt nochmals hochwertiger, allerdings treiben gerade größere Räder die Optik stärker in Richtung Show als in Richtung Effizienz.
Innen bleibt der bZ4X ein eigenständiges Auto. Das Cockpit ist nicht so klassisch klar wie bei einem VW, aber moderner als viele Toyota-Modelle der Vergangenheit. Die Instrumente sitzen weit vorne unter der Frontscheibe, der Blick fällt also über das Lenkrad auf das Display. Das ist ungewöhnlich und nicht für jede Körpergröße ideal. Wer kleiner ist, sollte unbedingt probieren, ob sich Lenkrad und Anzeige harmonisch einstellen lassen. Positiv fällt das Raumgefühl aus: Vorne sitzt man luftig, hinten ist die Beinfreiheit großzügig, nur über dem Kopf wird es etwas knapper. Der Kofferraum ist mit 550 bis 1500 Litern ordentlich nutzbar, auch wenn der Stauraum unter den Motorhaube fehlt.
Materialanmutung und Verarbeitung passen zum Anspruch des Fahrzeugs. Der bZ4X wirkt nicht luxuriös, aber solide. Gerade in höheren Ausstattungslinien macht der Toyota einen guten Eindruck, robust und alltagstauglich – also ziemlich genau so, wie man es von Toyota erwartet.
Der zentrale Touchscreen wächst auf 14 Zoll, dazu gibt es serienmäßig zwei kabellose Ladeschalen für Smartphones, die meine Telefone allerdings ziemlich heiß werden lassen.
Weniger überzeugend ist die Instrumentierung vor dem Fahrer. Das 7-Zoll-Display fällt im heutigen Wettbewerbsumfeld eher klein aus, zudem ist es recht weit vom Fahrer entfernt. Die Informationen sind ablesbar, wirken aber nicht sonderlich großzügig oder elegant aufbereitet. Wer gerne weiß, was sein Auto so tut, Durchschnittsverbrauch, Reichweite, Geschwindigkeit, kommt nicht umhin, ständig die Anzeige durch zu klicken.
Im hier gefahrenen Modell arbeitet der 165-kW-Elektromotor an der Vorderachse. Toyota kombiniert ihn mit der größeren Batterie; auf der deutschen Toyota-Seite ist für den Fronttriebler mit 69 kWh netto ein kombinierter Verbrauch ab 13,9 kWh/100 km angegeben, die Baureihe kommt je nach Version auf 444 bis 569 Kilometer Reichweite. Der bZ4X zielt damit klar auf Alltagseffizienz statt auf spektakuläre Leistungswerte.
Auf der Straße reicht die Leistung locker aus. Der Fronttriebler kommt flott in Fahrt und hat genügend Reserven für Autobahnauffahrten oder Überholmanöver. Ein Sportler ist er nicht, aber untermotorisiert wirkt er zu keiner Zeit.
Positiv ist die per Lenkradwippen einstellbare Rekuperation, also die Rückgewinnung von Bremsenergie. Auch der Verbrauch des Fronttrieblers fiel im Test mit knapp 14 kWh/100 km erfreulich niedrig aus.
Der bZ4X fährt sich unaufgeregt und sicher. Die Lenkung ist direkt genug, um den Toyota nicht träge wirken zu lassen, und das kleine Lenkrad vermittelt sogar eine gewisse Handlichkeit. Gerade im Stadtverkehr und auf Landstraßen fühlt sich der Wagen kompakt genug an, obwohl er ja eher in der Mittelklasse unterwegs ist.
Der Toyota bZ4X Long Range mit 165 kW Frontantrieb startet in der Basis bei 42.631 Euro. Die Lounge-Version liegt fast 5000 Euro darüber, also bei rund 47.281 Euro. Dafür gibt es unter anderem die gehobenere Ausstattung und die 20-Zoll-Räder.
Schon die Basis „Teamplayer“ ist ordentlich bestückt: 18-Zoll-Leichtmetallräder, ACC, Spurhalte-Assistent, Totwinkel-Warner, Sitzheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, 360-Grad-Kamera und Parkpiepser sind bereits an Bord.
Der Toyota bZ4X Lounge ist ein solides Elektro-Auto mit verlässlicher Reichweite. Er fährt effizient, bietet ordentliche Platzverhältnisse, genügend Leistung im Alltag und eine moderne Sicherheits- und Komfortausstattung.
Plus
Minus
„Bürger haben kein Geld, sich eine teure E-Kiste zu kaufen”
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