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Wem gehört der Auto-Bildschirm? So werben VW, Mercedes und Co.

Дата публикации: 13-08-2026 07:40:00

BMW wirbt im Cockpit mit Spider-Man. Die Aktion zeigt, wie Autobauer ihre Displays zunehmend auch als Werbeflächen nutzen. Für Kunden stellt sich eine Grundsatzfrage: Wem gehört der Bildschirm nach dem Autokauf?

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BMW wirbt im Cockpit mit Spider-Man. Die Aktion zeigt, wie Autobauer ihre Displays zunehmend auch als Werbeflächen nutzen. Für Kunden stellt sich eine Grundsatzfrage: Wem gehört der Bildschirm nach dem Autokauf?

Wenn das Auto zur Werbefläche wird. BMW sorgt derzeit mit einer ungewöhnlichen Spider-Man-Aktion für Diskussionen. In kompatiblen Fahrzeugen erscheint beim Start ein Banner zum aktuellen Kinofilm Spider-Man: Brand New Day.

Ein Fingertipp startet eine Vollbildanimation samt Musik und Lichtshow. BMW spricht von einem zeitlich begrenzten Markenerlebnis. Zahlreiche Leute, die einen neuen BMW oder Mini Cooper fahren, sehen darin jedoch nur Werbung auf einem Display, für das sie mit dem Kauf eines Premiumfahrzeugs bereits viel bezahlt haben.

BMW macht das Auto zum digitalen Werbeträger

Die Aktion lief in teilnehmenden Märkten bis zum 10. August und erreichte entsprechend ausgestattete Modelle mit neueren BMW-Betriebssystemen. Zwei Wochen lang Werbung für den neuen Marvel-Blockbuster im Auto also.

Der Ärger trifft einen empfindlichen Punkt: Moderne Autos sind längst Computer auf Rädern. Ihre Infotainment-Systeme steuern Navigation, Medien, Telefonie, Klima, Ladeplanung, Fahrzeugprofile und teilweise sogar kostenpflichtige Zusatzfunktionen.

Moderne Autos werden zu Computern auf Rädern

Über Mobilfunkverbindungen erhalten sie Updates, neue Dienste und Inhalte ohne Werkstattbesuch. Das ist komfortabel, macht das Cockpit aber zugleich zu einer Plattform, deren Oberfläche der Hersteller auch nach dem Kauf verändern kann. Und gleichzeitig ist man davon abhängig, dass der Hersteller hier auch weiter Updates anbietet.

Dabei existieren verschiedene technische Modelle. Android Auto und Apple CarPlay bringen ausgewählte Funktionen und Apps des Smartphones auf das Fahrzeugdisplay. Android Automotive OS läuft dagegen direkt im Auto und Apps werden auf dem Infotainment-System installiert.

Android Automotive und Apple CarPlay verändern das Cockpit

Damit nähert sich das Fahrzeug dem Smartphone an: Es gibt dieselben User-Konten, App-Stores, Berechtigungen, Bezahldienste und hoffentlich regelmässige Softwareupdates. Musikdienste, Messenger, Navigation sowie Parkplatz-, Wetter- oder Lade-Apps werden Teil des Cockpits.

Allerdings darf eine Auto-App nicht einfach eine vergrösserte Smartphone-App sein. Die Bedienung muss mit wenigen Blicken funktionieren, grosse Schaltflächen bieten und sich möglichst per Sprache steuern lassen.

Software im Auto muss auch sicher sein

Video, Spiele und andere stark ablenkende Anwendungen sind deshalb üblicherweise nur bei ausgeschaltetem Motor verfügbar. Google und Apple machen Developern hierfür klare Vorgaben. Im Fahrzeug ist schlechte Software nicht nur lästig, sondern kann zum Sicherheitsrisiko werden.

Die Vorteile vernetzter Systeme sind unbestritten. Echtzeit-Verkehrsdaten verbessern Routen, Elektroautos finden passende Ladesäulen, Softwarefehler lassen sich per Update beheben und persönliche Einstellungen wandern mit dem Fahrerprofil ins nächste Fahrzeug. Auch digitale Schlüssel, Vorklimatisierung per App und Fernzugriff auf Ladezustand oder Verriegelung sind im Alltag praktisch.

Vernetzte Autos bieten Komfort, schaffen aber Abhängigkeiten

Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten. Was passiert, wenn ein Dienst eingestellt wird, das Mobilfunkabo ausläuft oder der Hersteller nach wenigen Jahren keine Updates mehr liefert? Ein Smartphone wird meist nach einigen Jahren ersetzt; ein Auto soll deutlich länger funktionieren.

Es hat ja auch deutlich mehr gekostet. Dazu kommt die Frage, welche Funktionen wirklich gekauft sind und welche später hinter einem Abo, einem In-Car-Shop oder einer Online-Verbindung verschwinden.

Datenschutz wird im vernetzten Auto wichtiger

Hinzu kommen Datenschutz und Sicherheit. Vernetzte Fahrzeuge können Standort-, Nutzungs- und Diagnosedaten verarbeiten. Werden daraus personalisierte Empfehlungen oder bezahlte Platzierungen, verschwimmt die Grenze zwischen hilfreichem Dienst und Werbung und auch zwischen nützlichen Daten und Überwachung.

Besonders problematisch wird es, wenn Einblendungen ungefragt erscheinen, nicht dauerhaft deaktiviert werden können oder wichtige Bedienelemente verdecken. Das sollte eigentlich ein No-Go sein.

Wem gehört der Bildschirm nach dem Autokauf?

Die BMW-Aktion ist deshalb weniger wegen Spider-Man interessant als wegen der Grundsatzfrage dahinter: Wem gehört der Bildschirm nach dem Autokauf?

Apps und Online-Dienste können das Fahrzeug besser machen. Hersteller sollten jedoch klare Grenzen setzen: Werbung nur nach ausdrücklicher Zustimmung, eine leicht auffindbare Abschaltmöglichkeit, transparente Datennutzung und garantierte Sicherheitsupdates über viele Jahre. Kernfunktionen müssen zudem ohne Konto, Abo und Internetverbindung nutzbar bleiben.

Uber zeigt das Potenzial von Werbung im Auto

Wie attraktiv die Fahrt für Werbekunden ist, zeigt Uber. Das Unternehmen vermarktet Anzeigen während der gesamten Reise: In der App bei der Buchung und während der Fahrt sowie in den USA auf JourneyTV-Tablets in den Fahrzeugen.

Diese Bildschirme auf der Rückseite der Vordersitze kombinieren Routeninformationen, Unterhaltung, Empfehlungen und Werbung. Uber erklärt selbst, die Inhalte könnten mithilfe eigener Daten an Fahrgast und Situation angepasst werden.

Anders als bei BMW sitzt die angesprochene Person dabei meist nicht am Steuer. Trotzdem wird aus einer Mobilitätsdienstleistung ein aufmerksamkeitsstarker Werbekanal.

Auch Stellantis setzt auf Werbung und Empfehlungen

Auch andere Autohersteller gehen in diese Richtung. Stellantis arbeitet mit der Plattform 4screen zusammen. In ausgewählten Modellen von Fiat, Jeep und Ram erscheinen im Navigationssystem standortbezogene Restaurants, Tankstellen, Lademöglichkeiten, Parkplätze und Sonderangebote.

Der Konzern bezeichnet dies als hilfreichen, kontextbezogenen Service. Für die Endkundschaft dürfte die Grenze zwischen praktischer Empfehlung und bezahlter Platzierung jedoch kaum immer erkennbar sein.

Volkswagen, Mercedes und Tesla bauen digitale Dienste aus

Auch der deutsche Volkswagen-Konzern integriert ebenfalls immer mehr Apps und digitale Dienste direkt ins Fahrzeug. Im In-Car Shop lassen sich Funktionen freischalten, während neuere Systeme Apps für Audio, Videostreaming, Parken, Laden und Spiele anbieten.

Zudem arbeitet Volkswagen mit 4screen an ortsbezogenen Empfehlungen. Mercedes-Benz setzt mit MBUX auf Entertainment-Angebote, digitale Extras und Abonnements. Tesla nutzt seine grossen Displays für Hinweise auf neue Funktionen, Premiumdienste und gelegentliche Filmkooperationen.

Das vernetzte Auto wird zur Werbeplattform

Noch handelt es sich oft um Eigenmarketing oder sogenannte Empfehlungen statt um klassische Bannerwerbung. Technisch ist der Schritt zur Werbeplattform aber klein, gerade weil die Rechner in den Fahrzeugen auch permanent online sind und so kurzfristig und ohne Probleme entsprechende Updates und Kampagnen einspielen lassen.

Das vernetzte Auto braucht nicht weniger Software, sondern bessere Regeln. Sonst wird aus dem digitalen Cockpit schneller eine Werbefläche als ein echter Mehrwert.

Von Yves Jeanrenaud

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