Tausende Migranten sind in die spanische Exklave Ceuta in Marokko geströmt. Auch in andere Exklaven in Nordafrika dringen Flüchtlinge ein. Mindestens 75 Menschen sind bislang ums Leben gekommen. Alle Entwicklungen im Newsticker.
Tausende Migranten sind in die spanische Exklave Ceuta in Marokko geströmt. Auch in andere Exklaven in Nordafrika dringen Flüchtlinge ein. Mindestens 75 Menschen sind bislang ums Leben gekommen. Alle Entwicklungen im Newsticker.
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Viele Migranten sind in den vergangenen Tagen auf dem Seeweg aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika angelangt. „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“ sagte der Präsident des Gebiets, Juan Jesús Vivas, am Donnerstag.
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Die Behörden in Ceuta forderten die Regierung in Madrid auf, den nationalen Notstand auszurufen, und baten um das Eingreifen der Armee, da Tausende in das winzige spanische Gebiet strömten. Madrid reagierte nun und schickt tatsächlich Soldaten.
Allein in den vergangenen Stunden erreichten erneut Hunderte Menschen das Gebiet, das nur knapp 85.000 Einwohner hat, wie der staatliche Sender RTVE und andere unter Berufung auf die Regionalbehörden berichteten. Bereits am Mittwoch hatte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Hunderte Migranten müssten auf den Straßen übernachten.
Laut der spanischen Tageszeitung „El Pais“ würden viele der Migranten die Grenze jubelnd überqueren. „Viva España!“, riefen einige einem freiberuflichen Fotografen der Associated Press zu, der einige der Szenen filmte. Viele fielen sich in die Arme und fragten laut spanischen Medien nach Kleidung, auch um ihre Telefone zu trocknen.
In den Straßen von Ceuta dankten die Menschen auch der spanischen Polizei. Einige riefen: „Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!“ Die Sicherheitskräfte traten zurückhaltend auf. Einige Beamte versuchten, die Ankommenden in Richtung der örtlichen Aufnahmeeinrichtung zu leiten.
Videos, die am Strand von Tarajal aufgenommen wurden, zeigten Menschenmassen, hauptsächlich Marokkaner, die um die Wellenbrecher herumliefen und über den Strand und die Straßen rannten. Während es sich bei der Mehrheit offenbar um junge Männer handelte, waren auch Familien mit Frauen und Kindern dabei.
Ministerpräsident Pedro Sánchez teilte mit, man setze „alle Hebel in Bewegung, um umgehend auf die Lage in Ceuta zu reagieren“ – wurde auf der Onlineplattform X aber nicht konkreter. Das spanische Innenministerium erklärte, verschiedene Ministerien gingen „koordiniert“ vor, um „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollte demnach am Freitag in das an Marokko grenzende Ceuta reisen, um die Lage zu beobachten und sich mit Behördenvertretern zu treffen.
Laut RTVE schließt das Innenministerium die Ausrufung des Notstands aus. Nach den geltenden Zivilschutzvorschriften zählen Migrationsbewegungen demnach nicht zu den Risiken, für die das nationale Zivilschutzsystem vorgesehen sei.
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Nicht alle der Flüchtlinge, die in die EU wollen, schaffen es: Die spanische Polizeieinheit Guardia Civil entdeckte allein am Mittwoch innerhalb weniger Stunden die Leichen von zwei Menschen, die vermutlich in den vergangenen Tagen versucht hatten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Insgesamt sollen in den vergangenen Tagen mindestens neun Menschen gestorben sein.
Auf marokkanischer Seite beobachtete ein AFP-Reporter hunderte Menschen, die sich an der Grenze zwischen der Stadt Fnideq und Ceuta versammelten. Einige von ihnen verwiesen auf Gerüchte, denenzufolge die Grenze zu Ceuta am Donnerstagmorgen geöffnet werden sollte.
Ceuta hat ebenso wie die spanische Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen. Marokko ist für viele Migranten ein Transitland auf dem Weg nach Europa.
Die Bilder wecken Erinnerungen an die Ereignisse vor fünf Jahren. Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gestürmt. Madrid warf Rabat damals „Erpressung“ vor. Man war davon überzeugt, dass die Grenzkontrollen gelockert oder gar ausgesetzt wurden, um Madrid im Streit um die Westsahara unter Druck zu setzen.
Hintergrund des damaligen Konflikts war der Streit um die frühere spanische Kolonie, die größtenteils von Marokko kontrolliert wird und von der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für einen eigenen Staat beansprucht wird. Spanien hatte den Anführer der Polisario 2021 aus humanitären Gründen zur Behandlung aufgenommen, was in Rabat heftige Verstimmung auslöste.
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Die Beziehungen entspannten sich erst 2022, nachdem Sánchez den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara als „die ernsthafteste“ Grundlage für eine Lösung bezeichnet hatte. Seither arbeiten Madrid und Rabat in Migrations- und Sicherheitsfragen wieder enger zusammen.
Einige Medien spekulieren nun über einen Zusammenhang mit einer Algerien-Reise von Sánchez vergangene Woche. Marokko und Algerien stehen sich im Westsahara-Streit seit Jahren unversöhnlich gegenüber. Einige halten es für möglich, dass Rabat die Kontrollen der eigenen Polizei an der Grenze zu Ceuta gelockert haben könnte, um ein politisches Signal an Madrid zu senden. Belege dafür gibt es bislang allerdings nicht.
Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien
erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Ceuta an der
Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht. In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Afrikaner, vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Gebiet zu kommen. Oft versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen.
Mit Material von dpa und AFP