Viele Menschen wollen Busfahrer werden, doch Förderregeln und langwierige Verfahren bremsen sie aus. Das verschärft den Personalmangel zusätzlich.
Viele Menschen wollen Busfahrer werden, doch Förderregeln und langwierige Verfahren bremsen sie aus. Das verschärft den Personalmangel zusätzlich.
Ich kenne den Fall einer jungen Frau, die unbedingt Busfahrerin werden möchte. Sie will nicht aus Bequemlichkeit den Beruf wechseln, sondern aus Überzeugung. Trotzdem lehnt die Arbeitsagentur die Finanzierung der beschleunigten Grundqualifikation ab, weil sie bereits in einem anderen relevanten Beruf arbeitet.
Für mich wirft das eine einfache Frage auf. Warum soll jemand nicht selbst entscheiden dürfen, welchen Beruf er ausüben möchte?
Martin Binias, bekannt als „Herr Busfahrer“, ist Influencer und aktiver Busfahrer. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Der Fahrermangel wird nie ganz verschwinden. Im Moment entspannt sich die Lage in manchen Verkehrsunternehmen. Wer daraus aber schließt, das Problem sei gelöst, irrt sich. Die eigentlichen Herausforderungen liegen noch vor uns. Sie treffen die Branche mit voller Wucht. Die Altersstruktur verschärft den Personalmangel.
Ein Blick auf die Altersstruktur reicht aus. Rund 40 Prozent der Busfahrerinnen und Busfahrer sind älter als 55 Jahre. In den kommenden Jahren gehen viele von ihnen in den Ruhestand. Jeder Abgang verschärft den Druck auf Unternehmen, die schon heute um Personal kämpfen.
Gleichzeitig verändert sich der Arbeitsmarkt. Junge Menschen haben andere Erwartungen an ihren Beruf. Sie wünschen sich planbare Freizeit, mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Wer diese Wünsche ignoriert, wird auch künftig kaum neue Fahrer gewinnen.
Dabei fehlt es nicht an Interesse. Viele junge Menschen möchten Busfahrer oder Busfahrerin werden. Sie wollen jedoch nicht noch einmal eine vollständige Ausbildung absolvieren. Sie möchten über die beschleunigte Grundqualifikation als Quereinsteiger in den Beruf einsteigen. Genau an diesem Punkt scheitern viele.
Die Bürokratie macht den Einstieg unnötig schwer. Menschen mit Motivation stoßen auf Regeln, die nicht mehr zur Realität des Arbeitsmarktes passen.
Wer arbeiten will, sollte nicht monatelang auf Entscheidungen warten oder an Förderkriterien scheitern, die den Fachkräftemangel weiter verschärfen. Das hilft niemandem. Weder den Bewerbern noch den Verkehrsunternehmen.
Wenn der Fahrermangel langfristig eingedämmt werden soll, reicht es nicht, auf den Markt zu hoffen. Politik, Verkehrsunternehmen und Arbeitsagentur müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Förderprogramme müssen den tatsächlichen Bedarf abbilden. Der Quereinstieg muss einfacher und schneller möglich sein. Gleichzeitig müssen die Unternehmen attraktiver werden. Moderne Dienstpläne, verlässliche Freizeit und Entwicklungsmöglichkeiten sind keine Extras mehr. Sie sind Voraussetzungen, wenn junge Menschen dauerhaft im Beruf bleiben sollen. Wer nur über fehlende Bewerber klagt, löst kein Problem.
Ich bin überzeugt, dass die Branche genügend Menschen gewinnen kann. Voraussetzung ist, dass motivierte Bewerber nicht an bürokratischen Hürden scheitern. Der Fahrermangel verschwindet nicht von allein. Er wird nur kleiner, wenn endlich die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
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