Ein Babysitter soll im bayerischen Vaterstetten Säuglinge und Kleinkinder missbraucht haben. Sich Familien als Helfer auszugeben, folgt einer bekannten Masche von Pädophilen.
Ein Babysitter soll im bayerischen Vaterstetten Säuglinge und Kleinkinder missbraucht haben. Sich Familien als Helfer auszugeben, folgt einer bekannten Masche von Pädophilen.
Entsetzen in der oberbayerischen Gemeinde Vaterstetten bei München. Der 26-jährige Student Peter M. (Name geändert) soll nach FOCUS-online-Informationen über mehrere Jahre ihm anvertraute Säuglinge und Kleinkinder sexuell missbraucht und dabei fotografiert haben. Der junge Mann, der schon seit Anfang April 2026 in Untersuchungshaft sitzt, war Mitarbeiter der gemeinnützigen sozialen Einrichtung „Vaterstettener Nachbarschaftshilfe“.
Marco Heim, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, bestätigte FOCUS online den Vorgang. Demnach „wird ein Ermittlungsverfahren gegen eine zuletzt im hiesigen Zuständigkeitsbereich im Bereich der Kinderbetreuung tätige pädagogische Hilfskraft geführt“.
Weiteren Angaben zufolge bestehe der Verdacht des sexuellen Missbrauchs und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Zudem soll es um das Herstellen kinderpornografischer Schriften und die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen gehen.
„Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen ist von vier betroffenen Kindern auszugehen“, berichtet der Staatsanwalt. Der Behördensprecher wies auf die Unschuldsvermutung hin, die bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt.
Auf dem Laptop des verdächtigen jungen Mannes soll die Polizei zahlreiche Aufnahmen von Babys gefunden haben. Ein Teil dieser Dateien könnte im Netz mit anderen Pädophilen getauscht worden sein, vermuten Ermittler. Wie der mutmaßliche Täter enttarnt wurde, ist derzeit nicht bekannt.
Etliche Baby-Fotos in dem beschlagnahmten Material konnten Familien nicht zugeordnet werden. Häufig mussten die Ermittler die Clips den Eltern vorspielen, die Peter M. gefertigt haben soll. Die Aufnahmen waren so widerlich und schockierend, dass mehrere Mütter Schwächeanfälle erlitten, erfuhr FOCUS online.
Peter M. kam offenbar immer dann zum Einsatz, wenn Eltern in dem wohlhabenden Ort Vaterstetten (25.000 Einwohner) Hilfe bei der Betreuung ihres Kindes brauchten – etwa bei Theater- oder Kinobesuchen, bei Sportveranstaltungen oder dringlichen Geschäftsreisen. M. kam für 20 Euro Honorar in der Stunde – stets auf seinem roten Rennrad angefahren. Der große junge Mann war in der gesamten Gemeinde beliebt.
Auf Anfrage erklärte Oliver Westphalen, Geschäftsführer des Vereins: „Im Rahmen laufender Ermittlungen der Kriminalpolizei wurde die Nachbarschaftshilfe Vaterstetten, Zorneding, Grasbrunn e.V. (NBH) im September 2024 über schwerwiegende Verdachtsmomente gegen eine uns bekannte Person informiert. Die NBH wurde in diesem Zuge zu Tätigkeit und Einsatzgebiet des Betroffenen befragt.“
Daraufhin habe man unverzüglich Konsequenzen eingeleitet. Der Einsatz des Mitarbeiters sei sofort beendet worden. Bis zur Information durch die Kriminalpolizei habe es keinerlei Hinweise auf entsprechende Verdachtsmomente gegeben. „Ob und inwieweit es einen Bezug zu seiner Tätigkeit bei der NBH gibt, entzieht sich unserer Kenntnis“, so Westphalen.
Der Verein arbeite vollumfänglich und transparent mit den ermittelnden Behörden zusammen, sei jedoch nicht über den weiteren Ermittlungsstand informiert. „Der Schutz von Kindern hat für die Nachbarschaftshilfe oberste Priorität. Die NBH verfügt seit Einführung des Ressorts Junge Familie über ein Kinderschutzkonzept, welches im Rahmen des internen Qualitätsmanagements von unseren Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen ständig aktualisiert wird.“
Zudem verlange der Verein von allen Helfern und Mitarbeitenden die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses und schule ihre Beschäftigten regelmäßig zu den Themen Kindeswohl und Kinderschutz. Auch Peter M. musste vor seinem ersten Einsatz ein Fachseminar absolvieren und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
Was aber helfen solche Vorsichtsmaßnahmen, wenn die Täter ihre wahren Absichten geschickt verschleiern? Die perfide Masche, sich als „Babysitter“ zu engagieren, ist bei Kinderschändern nicht neu.
So hatte sich seit 2008 ein Pädokrimineller aus Wermelskirchen nahe Köln über Onlineplattformen als Babysitter angeboten. 22 Kinder missbrauchte er in 116 Fällen, wobei er seine Taten teilweise aufzeichnete.
Außerdem verübte er sexuelle Übergriffe in Familien von Bekannten. Daneben beteiligte er sich mittels Echtzeitübertragungen über das Internet an Missbrauchstaten anderer Erwachsener gegenüber Kindern. Der Bundesgerichtshof bestätigte inzwischen das Urteil von vierzehneinhalb Jahren nebst Sicherungsverwahrung durch das Kölner Landgericht.
Erfahren Angehörige oder Bekannte, dass ein Kind sexuell missbraucht wurde, oder hegen einen Verdacht, gibt es Rat am Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch unter 0800 22 55 530 oder in Fachberatungsstellen, die zum Thema arbeiten. Auf dem Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch gibt es eine Datenbank für Stellen in der jeweiligen Nähe.
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