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„Wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie”

Дата публикации: 14-08-2026 09:24:00

Mitten in der Nacht steht im Ortsteil Hürtgenwald-Gey die Polizei vor der Tür: Bitte rauskommen, die Flammen sind schon ganz nah. „Wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie.“

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Mitten in der Nacht steht im Ortsteil Hürtgenwald-Gey die Polizei vor der Tür: Bitte rauskommen, die Flammen sind schon ganz nah. „Wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie.“

Der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) weiß von keiner einzigen Person, die den Anweisungen nicht sofort Folge geleistet hätte. Verweigerer, mit denen sich die Behörden bei Evakuierungen für Bombenentschärfungen etwa in Köln regelmäßig herumschlagen müssen, gab es demnach nicht. „Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben - die Bäume haben hier schon ihre Höhe, und dann brennt's nochmal 18 Meter über die Krone - wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie. Dann fangen Sie nicht an zu diskutieren.“

Der Waldbrand in der Eifel. Aufgenommen von Lokalpolitiker Tim Pelzer und hochgeladen bei X.

Der Waldbrand in der Eifel. Aufgenommen von Lokalpolitiker Tim Pelzer und hochgeladen bei X. X/Tim Pelzer

Auch Stephan Cranen, Bürgermeister von Hürtgenwald, bestätigt, dass die Bewohner sehr verständnisvoll gewesen seien. Während hinter ihm die Rauchwolken aufsteigen und ein Löschhubschrauber zu seiner nächsten Runde losfliegt, rekapituliert er kurz die vergangenen Tage: „Es hat sich immer weiter ausgebreitet, dieses Feuer hier. Ich hatte immer schon Angst, dass bei den Temperaturen was passiert, aber dass es uns so getroffen hat...“ Es sei für ihn ein Bild der Erleichterung, dass er nun den Löschhubschrauber sehe. „Ich hoffe, dass wir das jetzt in den Griff kriegen. Es ist wichtig, dass der Ortschaft nichts passiert. Der Wald, das ist ärgerlich, aber die Orte..! Das wäre nochmal eine ganz andere Dimension.“ 

„Man will ja auch seine Heimat irgendwie retten.“ 

Patrick Koch wird diese nie vergessen. Ununterbrochen hat er mit einem Traktor Wasser angeliefert, um die Feuerwehr bei der Bekämpfung des Waldbrands im Hürtgenwald zu unterstützen. Das Wasser holte er in einem Fass aus einer Talsperre. Und dann immer auf die Flammenwand zu. Was das für ein Gefühl war? „Das war Wahnsinn“, sagt der 31-Jährige, der für ein Tiefbauunternehmen arbeitet. „Noch nie erlebt so was. Und auch nie damit gerechnet, dass das hier direkt bei uns vor der Tür ist.“

Dichter Rauch eines Waldbrands im Hürtgenwald zieht über den Ortsteil Gey (Aufnahme mit Drohne). Am frühen Morgen hat die Evakuierung des Ortsteils Gey begonnen, in dem gut 1.800 Menschen leben. Zuletzt war gemeldet worden, dass die Flammen rund 400 Meter von dem Ort entfernt seien. (zu dpa: «Waldbrand: Evakuierung in Hürtgenwald-Gey abgeschlossen»)

Dichter Rauch eines Waldbrands im Hürtgenwald zieht über den Ortsteil Gey (Aufnahme mit Drohne). Federico Gambarini/dpa

Er habe überall Glutnester gesehen und „sehr viele Flammen“. Durch den Rauch gab es nur eingeschränkte Sicht. Alles, was man gesehen habe, seien die Rauschwaden und die lodernden Flammen gewesen. „Und dazwischen die Lichter der Traktoren und Feuerwehrautos.“ Seine Freundin habe zu Hause aus dem Fenster beobachten können, wie sich der Brand ausgebreitet habe. „Die hat sich natürlich Sorgen gemacht.“ Und er, wie hat er sich gefühlt? Er zuckt mit den Schultern. „Man macht einfach seine Arbeit und versucht zu helfen. Man will ja auch seine Heimat irgendwie retten.“ 

Der Wald ist vermint - Hinterlassenschaft einer Schlacht 

Die Panzer seien nötig, um Schneisen in den Wald zu schlagen, erklärt der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU). Der Hürtgenwald ist ein sehr großer und alter Wald. Eine zusätzliche Schwierigkeit ergibt sich dadurch, dass überall Kriegs-Hinterlassenschaften zu finden sind. Im Herbst 1944 tobte hier eine der für die Amerikaner verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Der als Reporter mitreisende Schriftsteller Ernest Hemingway („Der alte Mann und das Meer“) fühlte sich durch die schroffe Landschaft an Illustrationen aus Grimms Märchen erinnert gefühlt, „nur viel dunkler“.

Ein Polizeihubschrauber mit Löschwasser-Außenlastbehälter startet zum Einsatz bei den Löscharbeiten beim Waldbrand im Hürtgenwald.

Ein Polizeihubschrauber mit Löschwasser-Außenlastbehälter startet zum Einsatz bei den Löscharbeiten beim Waldbrand im Hürtgenwald. Christoph Driessen/dpa

Auf den Gesteinsblöcken der Bunker wachsen heute Farne und Bäume, aber unter der Erde liegen Granaten und Munition. Helfer berichten, dass in der Nacht immer wieder Explosionen aus der Richtung des Brands zu hören waren. „Wir haben auch die Schläge gehört, hier ist Munition in der Nacht auch hochgegangen“, bestätigt Nolten. Dazu seien starke, wechselnde Winde gekommen. „Wir mussten uns streckenweise auch zurückziehen, damit einzelne Einheiten nicht eingekesselt wurden. 

Das Kernproblem: Zunächst sei die Feuerwalze Richtung Westen gerollt, dann in Richtung Norden, dann Osten. „Und dann wirklich den Hang runter auf die Ortschaft zu“, schildert Nolten. „Und dann mussten wir evakuieren.“ Nur noch etwa 250 Meter sei das Feuer gegen Morgen vom Ortsteil Gey mit 2300 Bewohnern entfernt gewesen. Deshalb habe unbedingt gehandelt werden müssen. 

Das Dumme ist: Es ist „Red Flag Day“ heute

Wie geht es jetzt weiter? Nolten: „Im Laufe des Nachmittags rechnen wir damit, dass aufgrund der steigenden Temperaturen wieder eine gewisse Thermik entsteht, und das kann dazu führen, dass wir wieder ein Anfachen, ein Aufflammen von einzelnen Feuern haben.“

Das Dumme sei, dass das alles an einem „Red Flag Day“ stattfinde, sagt Feuerwehrsprecher Peter Berndgen. Feuerwehrleute hätten nicht gerne Temperaturen von mehr als 30 Grad und starke, wechselnde Winde. „Leider haben wir heute genau einen solchen Tag.“ Deswegen seien Prognosen auch so schwierig. „Wir stellen uns auf alle Szenarien ein.“

Am Vormittag wird die ärztliche Betreuungsstelle für Einwohner aus Gey geräumt - der Ascheregen war zu stark geworden. Zu diesem Zeitpunkt deuten die Zeichen nicht darauf hin, dass der Brand von Hürtgenwald unter Kontrolle ist.

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