Odeth kam in Angola mit einer außen liegenden Leber zur Welt. Dort war eine ärztliche Behandlung nicht möglich. In Düsseldorf wagten Ärzte eine ungewöhnliche Operation – und gaben dem Mädchen eine Zukunft.
Odeth mit Chefarzt Bertram Reingruber, Kinderkrankenschwester Katharina Jassey (Mitte) und Christine Taylor, Leiterin Fundrasing der Kaiserswerther Diakonie. Foto: Kaiserswerther Diakonie/F. Elschner
Foto: Kaiserswerther Diakonie/F. ElschnerDüsseldorf · Odeth kam in Angola mit einer außen liegenden Leber zur Welt. Dort war eine ärztliche Behandlung nicht möglich. In Düsseldorf wagten Ärzte eine ungewöhnliche Operation – und gaben dem Mädchen eine Zukunft.
(hal) Heute ist Odeth drei Jahre alt. Wie durch ein Wunder hat das Mädchen in ihrer Heimat in Angola überlebt, obwohl sie mit einer sogenannten Bauchspalte auf die Welt gekommen ist. Infolge dieses Defekts der vorderen Bauchwand entwickelte sich die Leber von Odeth kugelförmig ungeschützt vor dem Bauch statt innerhalb der schützenden Bauchhöhle. Eine ärztliche Behandlung im Heimatland war nicht möglich, da es dort keine Operationsmöglichkeiten mit Intensivstation und Beatmungsmedizin gibt. Über das Friedensdorf International ist sie mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen und im Florence-Nightingale-Krankenhaus erfolgreich behandelt worden.
„Die Situation von Odeth ist mit dem Leben nicht vereinbar. Ihr Bauch war komplett offen. Es ist ein Wunder, dass sie bisher überlebt hat“, sagt Bertram Reingruber, Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie und Kindertraumatologie, der jahrzehntelange Erfahrung in der Kinderchirurgie mitbringt. Ein Sturz oder ein spitzer Gegenstand hätten zur Verletzung der außen liegenden Organe und zum Verbluten führen können. In Deutschland werden Kinder mit einer Bauchspalte oder einem Bauchorganvorfall in den ersten sechs Lebensmonaten operiert. „Daher war die Situation von Odeth auch für uns ungewöhnlich. Eine Operation wie diese haben wir noch nie durchgeführt. Wir standen vor der Frage: Wie bringen wir die Organe, die von einer dünnen Hautschicht bedeckt waren, unter die Bauchdecke?“, sagt der Chefarzt.
Doch Reingruber und sein Team haben die Herausforderung angenommen. In nur einer Operation haben sie die Leber in den Bauchraum zurückverlagert, die Bauchdecke verschlossen und ein Netz zur Stabilisierung eingesetzt. „Nach wenigen Wochen wurde deutlich, dass die Behandlung doch noch nicht 100-prozentig erfolgreich war“, schildert Reingruber. Eine zweite Operation war notwendig, bei der die inneren Organe noch einmal besser positioniert wurden. Auch ein möglicher Kinderwunsch des kleinen Mädchens wurde berücksichtigt, die Leber an ihrer korrekten Stelle platziert und fixiert, die Narbe revidiert. „Bei der abschließenden Untersuchung konnten wir sehen, dass die Bauchhaut inzwischen kräftig und stabil ist, sie ist schön abgeheilt“, freut sich Reingruber. Inzwischen ist Odeth in ihre Heimat zu ihren Eltern und Geschwistern zurückgekehrt.
Um Kindern aus Kriegs- oder Krisengebieten zu helfen und ihre Behandlung durch Spezialisten des Florence-Nightingale-Krankenhauses zu ermöglichen, hat die Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie den „Nothilfefonds“ eingerichtet. Mit Spendengeldern werden die Behandlungskosten finanziert, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Die Behandlung von Odeth konnte unter anderem durch eine großzügige Spende der Ilselore-Luckow-Stiftung realisiert werden. Weitere Infos über www.kaiserswerther-diakonie.de.