Afghanistan fünf Jahre nach der Macht-Übernahme der Taliban: Mehr Sicherheit, aber dafür weniger Freiheit, sagt Stefan Recker, für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Kabul
Afghanistans Hauptstadt Kabul im August vor fünf Jahren: Hunderte Menschen rennen am Flughafen auf der Piste neben Militär-Transportflugzeugen her, versuchen irgendwie an Bord zu kommen, klammern sich zum Teil an die Maschinen und wollen eigentlich nur weg. Weil die Militärs auch schnell weg wollten. An die Bilder erinnert sich vermutlich fast jeder. Im August 2021 also verließen die westlichen Truppen Afghanistan überstürzt, weil sie den islamistischen Taliban und ihren Terrorangriffen in den Städten nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Das Ende einer gescheiterten Mission, anders lässt sich das kaum bezeichnen. Jetzt haben die Taliban seit fünf Jahren wieder die Macht im Land und es ist kein Geheimnis, dass sich seitdem kaum etwas verbessert hat, außer vielleicht für die Kämpfer selbst. Stefan Recker hat vor dem Abzug der ausländischen Truppen für die Caritas in Afghanistan gearbeitet. Jetzt ist er wieder in Kabul für die Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe. Er berichtet vom Alltag in Kabul und davon, dass immerhin die Sicherheitslage besser als zuvor ist.
Wer sich für Menschen- und speziell Frauenrechte einsetzt, riskiert RepressalienAllerdings, so Recker: "Der negative Aspekt ist natürlich die Lage der Menschenrechte und speziell Frauenrechte". Organisationen, die in diesem Bereich arbeiten, müssten mit extremen Maßnahmen rechnen: "Die werden verboten, da sind Mitarbeiter tatsächlich verschwunden. Ich weiß von einer Organisation, die aufgelöst wurde und die Beschäftigten kamen ins Gefängnis. Sie wurden zwar bald wieder freigelassen, doch ihre Organisation blieb verboten im Land." Die Menschen im Land würden die Regierung durch die Taliban hauptsächlich deshalb akzeptieren, weil sie für mehr Sicherheit garantiert im Vergleich zur Lage vor 2021 und besonders zur Lage in der Vergangenheit, etwa in den 1990er Jahren, sagt Recker.