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Kolumne: Urlaub ohne Abreise - Erholung vor der Haustür

Дата публикации: 10-08-2026 13:00:18

Warum ein Urlaub in der eigenen Stadt genauso erfüllend sein kann wie eine Fernreise – und dabei noch das Klima schont. Wie Vorfreude, Faszination und bewusste Zeitgestaltung zu echtem Urlaubsgefühl führen.

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Kolumne: Urlaub ohne Abreise - Warum die schönsten Auszeiten vor der Haustür beginnen

Zuhause zu bleiben kann das Klima schonen. Doch ist es auch gut für die Psyche? Wie selbst in der eigenen Stadt oder im eigenen Dorf ein Urlaubsgefühl entstehen kann.

Eine lachende Frau mit einem Kaffee in der Hand draußen

Wie kann Urlaub auf Balkonien gelingen?

Die Klima- und Umwelt-Kolumne erscheint alle zwei Wochen – kritisch, nahbar, lösungsorientiert! Hier schreiben Lisbeth Schröder und Elena Matera im Wechsel.

Gerade hatte ich gedacht, ich würde in den nächsten Wochen mit meinen Kolleg:innen wunderbare Mittagspausen in der Sonne machen, in der Pause an den Kanal gehen oder die Arbeitszeit mit Scherzen vertreiben. Doch während die eine ein Festival als Anlass für eine Reise nimmt, fährt der andere mit dem Camper an die Mosel. Und ich? Ich bleibe in Hamburg.

Eigentlich ja auch gut so: Fliegen und Autofahren verursachen große Mengen an Treibhausgasen. Der globale Tourismus war laut einer Studie im Fachmagazin Nature Communications im Jahr 2019 für 8,8 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Würde man den Tourismus gedanklich wie ein Land behandeln, gehörte er neben den USA und China zu den drei größten Emittenten der Welt. Und heute? Nach dem Einbruch während der Pandemie rechnen die Forschenden wegen der wieder gestiegenen Reisen nicht nur mit einer Rückkehr auf das hohe Emissionsniveau von 2019, sondern auch mit jährlichen Zuwächsen von drei bis vier Prozent.

Nur wie macht man es sich in der eigenen Stadt oder im eigenen Dorf so schön, dass tatsächlich ein Urlaubsgefühl entsteht?

Urlaub – eine Wahl?

Denn zunächst ist Urlaub in die Ferne ja vor allem eines: ein Privileg. Man braucht Zeit und Geld. Und obwohl man natürlich allein verreisen kann, gehören zum verbreiteten Bild eines gelungenen Urlaubs meist auch Menschen, mit denen man die Erlebnisse teilt: der Partner oder die Partnerin, Freund:innen oder Familie.

Wer den Sommer zu Hause verbringt, kann deshalb schnell das Gefühl bekommen, außen vor zu sein. Einsamkeit im Zuge dessen ist ein Gefühl, das ich sehr gut kenne. Als Kind zählte ich die Tage, bis die Sommerferien zu Ende waren. Ich verkroch mich lieber vor der Spielekonsole, als nach draußen zu gehen. Hält Einsamkeit über längere Zeit an, kann sie auch gesundheitlich relevant werden: In einer Untersuchung von 90 Langzeitstudien war das Gefühl von Einsamkeit mit einem um 14 Prozent erhöhten allgemeinen Sterberisiko verbunden.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass eine Urlaubswoche zu Hause gefährlich wäre. Die Untersuchung beschreibt langfristige Zusammenhänge, keine einsamen Sommerferien.

Und Erholung setzt offenbar auch nicht zwingend eine große räumliche Distanz voraus. Schließlich maß eine Studie mit einer kleinen Zahl an Teilnehmenden kaum Unterschiede zwischen einem Wochenende in der Ferne oder zu Hause. Es zeigt vielmehr, wie wichtig soziale Kontakte und gemeinsame Erlebnisse sind – egal ob in einem fremden Land oder eben im Stadtpark.

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob man zu Hause bleibt, sondern wie man sich die Zeit gestaltet. Zu Hause bedeutet dabei das Verweilen in der eigenen Stadt oder im eigenen Dorf, höchstens mit ein paar Ausflügen ins Umland.

Vorfreude nutzen

In einer niederländischen Studie waren Menschen mit einer bevorstehenden Reise bereits vor der Abfahrt etwas glücklicher als Menschen ohne Urlaubspläne. Die Forschenden vermuten, dass Vorfreude dabei eine Rolle spielte. Vielleicht lässt sich dieser Effekt auch für einen Urlaub zu Hause nutzen. Statt darauf zu warten, dass sich von allein ein Feriengefühl einstellt, könnte man vorher überlegen: Kann ich mir durch das Daheimbleiben ein teures Konzertticket für meine Lieblingsband leisten? Wollte ich nicht längst den italienischen Eisladen um die Ecke ausprobieren, mich ins Datingleben stürzen oder mir einfach einige Tage ohne Termine erlauben?

Oder es ist endlich auch Zeit, Beziehungen zu vertiefen. Seit meiner Ausbildung an der Journalistenschule bin ich beruflich ständig unterwegs und versuche rund um die Uhr, etwas mit möglichst vielen Menschen zu unternehmen – aber mit kaum jemandem so richtig. Länger in Hamburg zu bleiben, bedeutet für mich gerade, dieselben Freund:innen häufiger zu sehen, tiefere Gespräche zu führen, eine romantische Beziehung aufzubauen und mich stärker mit meinem Wohnort zu verbinden.

Doch wie lässt sich diese Zeit nicht nur schön, sondern auch erholsam gestalten?

Sich faszinieren lassen

Da hilft die sogenannte Attention Restoration Theory. Die Theorie, die die ehemaligen Professoren Rachel und Stephen Kaplan der University of Michigan einbrachten, wird heute vielerorts in der Forschung angewandt. Der Gedanke: Im Alltag müssen wir unsere Aufmerksamkeit häufig bewusst auf Aufgaben richten und Ablenkungen unterdrücken. Diese Form der Aufmerksamkeit kann ermüden. Die Theorie beschreibt, welche Erfahrungen ihr Gelegenheit geben könnten, sich zu erholen.

Ganz zentral sei dafür laut einer älteren Arbeit von Stephen Kaplan die Faszination. Für manche kann das bedeuten, früh am Morgen aus dem Bett aufzustehen, nur in der Hoffnung, einen kurzen Blick auf ein „kleines gefiedertes Tier“ zu erhaschen. Für andere bedeutet sie, sich in gewisse Bücher zu vertiefen.

Natur ist dabei nicht die einzige Möglichkeit. Die Professorin Jan Packer der University of Queensland verweist in einer neueren Studie auf Untersuchungen, nach denen auch Museen, Aquarien und botanische Gärten erholsame Eigenschaften besitzen können.

Der erste Schritt für einen erholsamen Urlaub ist also, sich zu fragen: Was fasziniert mich?

Der zweite Schritt ist, sich vor allem von der Arbeit abzukoppeln. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine physische und psychische Distanz hilfreich ist. Menschen, die im Home Office arbeiten, dürfte das schwerer fallen. Umso wichtiger ist die Frage: Wie gestalte ich meine freie Zeit so, dass ich mich gedanklich möglichst weit von der Arbeit entferne?

Ich räume dafür die Bildschirme weg, die ich beruflich brauche. Als Journalistin konsumiere ich weniger Nachrichten und gebe der Musik mehr Raum: Ich höre über eine App Radiosender aus aller Welt oder gehe auf Konzerte. Vielleicht liegt das Urlaubsgefühl manchmal nicht in der Entfernung, sondern in einem vorübergehend anderen Alltag.

Zuletzt braucht man aber vor allem eines: eine gute Balance. Eben – wie in einer Studie von 2025 angedeutet – die Wahl zu haben: etwas zu tun oder eben alles sein zu lassen. Viele schöne Momente zu planen, sich aber auch Freiheit zu lassen.

Vielleicht bringt mich dieser Urlaub also nicht nach Italien, dafür aber ein Stück näher zu mir selbst. Ich kann herausfinden, was mir Freude macht. Und wenn nichts davon Vorfreude auslöst, kann ich mich fragen: Warum eigentlich nicht? Was brauche ich gerade, um mich wohlzufühlen?

Womöglich besteht die Kunst des Daheimbleibens genau darin: die freie Zeit nicht nur mit Erlebnissen zu füllen, sondern in ihr auch etwas über sich selbst zu erfahren.

Entdecken Sie die weiteren Ausgaben der konstruktiven Klima- und Umwelt-Kolumne!

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