Archäologen haben mithilfe von Laserscans ein römisches Militärlager in den Schweizer Alpen entdeckt, das auf 2200 Metern errichtet wurde.
Dank des engagierten Einsatzes von Archäologen und zahlreichen Freiwilligen gelang die Entdeckung einer römischen Befestigungsanlage in den Schweizer Alpen. Mithilfe moderner Lasertechnologie konnten die im Boden verborgenen Strukturen des Lagers sichtbar gemacht werden. Archäologische Ausgrabungen bestätigten anschließend den Befund und brachten zudem Spuren einer Schlacht ans Licht, die gemeinsam mit den Überresten des Lagers ein stimmiges Bild der damaligen Ereignisse vermitteln.
LiDAR-Technik offenbart römische Spuren in 2200 Metern HöheMithilfe der LiDAR-Technik gelang es Archäologen, die Spuren des römischen Militärlagers zu identifizieren. Das Verfahren nutzt Laserimpulse, um ein hochauflösendes Modell der Geländeoberfläche zu erstellen und selbst unter dichter Vegetation verborgene Geländestrukturen sichtbar zu machen. Auf diese Weise lassen sich künstlich angelegte Formationen erkennen, die mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar sind. Auf dem Colm la Runga in der Schweiz in rund 2200 Metern Höhe wurden nach Angaben von „ZMEScience“ drei Verteidigungsgräben und ein Erdwall entdeckt, die den Gipfel umschlossen.

Archäologische Ausgrabungen durch das Kooperationsprojekt des Archäologischen Dienstes Graubünden und der Vindonissa-Professur der Universität Basel bestätigten den Befund und datieren das Lager in das erste Jahrhundert v. Chr.. Damit fällt seine Entstehung in die Zeit der Alpenfeldzüge unter Kaiser Augustus.

Die Lage der Befestigungsanlage war zwar außergewöhnlich, erwies sich jedoch als militärisch äußerst vorteilhaft. Von dem erhöhten Standort aus konnten die Römer die Täler von Landwasser, Albula, Domleschg und Surses überblicken und zugleich den wichtigen Passübergang bei Lenzerheide kontrollieren. Die Position verdeutlicht die strategische Planung der römischen Militärführung, die von hier aus Frühwarnung, Überwachung und die Sicherung wichtiger Verkehrswege miteinander verbinden konnte.
Innerhalb der Befestigung entdeckten die Wissenschaftler zahlreiche militärische Hinterlassenschaften, darunter Waffen, Ausrüstungsgegenstände und die charakteristischen Nägel römischer Militärstiefel. Besonders aussagekräftig sind Bleigeschosse für Schleudern, die den Stempel der 3. Legion tragen und auf die Anwesenheit dieser Einheit hindeuten. Vergleichbare Geschosse wurden zudem im Tal gefunden, wo sie als archäologische Zeugnisse einer Schlacht gelten, die sich unweit des Lagers ereignet haben dürfte.
Die historische Bedeutung des römischen Militärlagers wird durch den Nachweis eines bislang unbekannten Schlachtfeldes zusätzlich unterstrichen. Im Rahmen einer gemeinsamen Untersuchung von Archäologen, Studenten und Ehrenamtlichen mit Metalldetektoren wurden auf einer Fläche von rund 35.000 Quadratmetern Tausende militärischer Fundstücke geborgen. Dazu zählen Fragmente von Schwertern, Schildbeschläge, Broschen, Pfeilspitzen sowie Bleigeschosse für Schleudern. Die Geschosse konnten der 3., 10. und 12. römischen Legion zugeordnet werden und liefern wertvolle Hinweise auf die beteiligten Truppen.
Nach Angaben von „ZMEscience“ gehen die Forscher davon aus, dass etwa 2000 römische Soldaten auf eine Streitmacht von 500 bis 1000 einheimischen Kriegern trafen. Besonders aufschlussreich sind zudem rund 2500 Nägel römischer Militärsandalen, deren räumliche Verteilung Rückschlüsse auf Formationen und Bewegungsabläufe während der Kampfhandlungen zulässt. Bei den einheimischen Gegnern dürfte es sich um Angehörige des Stammes der Suaneten gehandelt haben, die im Jahr 15 v. Chr. den römischen Truppen gegenüberstanden. Bemerkenswert ist, dass diese Auseinandersetzung in keiner bekannten historischen Quelle erwähnt wird. Die Suaneten selbst gehören jedoch zu den Völkern, die später auf dem Siegesdenkmal des Augustus in La Turbie namentlich aufgeführt wurden.
Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass am Ort der Schlacht keine menschlichen Überreste entdeckt wurden. Dies spricht dafür, dass die Gefallenen nach den Kämpfen geborgen und anschließend eingeäschert wurden. Das Forschungsprojekt CVMBAT, dessen Name im Rätoromanischen für Kampf, Gefecht oder Schlacht steht, läuft noch bis 2027 und soll weitere Erkenntnisse über die militärischen Ereignisse und deren historischen Zusammenhang liefern.
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