Christopher Nolans „Die Odyssee“ hat Menschen aus aller Welt nicht nur in die Kino getrieben: Auch der Tourismus in Griechenland boomt.
Dionysis Stanitsas ist ein wenig enttäuscht. Der Bürgermeister der griechischen Insel Ithaka hatte gehofft, dass Christopher Nolan einige Szenen seines neuen Films „Die Odyssee“ auf der Insel drehen würde. Schließlich gilt Ithaka als die mythische Heimat des Odysseus. Stanitsas nahm Kontakt zum Produktionsteam auf und unterbreitete seine Vorschläge. „Doch leider wurde daraus nichts“, sagt der Bürgermeister.

Trotzdem profitiert Ithaka vom Film. Seit dem Kinostart Mitte Juli ist das Interesse ausländischer Urlauber deutlich gestiegen. Nach einer Analyse des Portals Greek Trip Planner schnellten die Google-Suchanfragen nach Ithaka um 340 Prozent nach oben. Die Fährbuchungen auf die Insel legten im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent zu. Besonders die Bucht von Vathy und der Dexa-Strand, wo Odysseus laut dem Mythos landete, stehen im Fokus der Besucher. „Der Film ist eine riesige Werbung für die Insel“, sagt Stanitsas. Ithaka will den Hype nun möglichst dauerhaft nutzen. Die Gemeinde plant ein digitales Zentrum rund um die Odyssee sowie eine Homer-Bibliothek mit Ausgaben des Epos aus verschiedenen Ländern.
Ithaka ist damit längst nicht allein. Auch dort, wo Nolan tatsächlich gedreht hat, hoffen Hoteliers, Gastronomen und Andenkenhändler auf einen nachhaltigen Schub. Besonders deutlich zeigt sich das in Messenien auf der Halbinsel Peloponnes. Dort liegen mit der berühmten Bucht von Voidokilia und der Nestorhöhle zwei Schauplätze des Films. Die Hotelbuchungen in der Region stiegen nach Angaben aus der Reisebranche um zwölf Prozent. Auch die Burg von Methoni und die antike Festungsanlage Akrokorinth, die ebenfalls als Filmkulissen dienten, ziehen mehr Tagesgäste an.
Auf Korfu ist der Effekt ebenfalls spürbar. Die Insel war im Epos das Reich der Phaiaken und die letzte wichtige Station des Helden vor seiner Rückkehr nach Ithaka. Der britische Reiseveranstalter Easyjet Holidays meldete nach dem Kinostart einen Anstieg der Korfu-Buchungen um 28 Prozent.
Das Phänomen hat in der Reisebranche längst einen Namen: „Set-Jetting“. Gemeint ist der Trend, dass Kinofilme und Fernsehserien Zuschauer dazu anregen, die Schauplätze ihrer Lieblingsproduktionen selbst zu besuchen. So verzeichnete nach der Premiere des Films „Der Da Vinci Code“ die Rosslyn-Kapelle in Schottland, einer der Drehorte, einen Anstieg der Besucherzahlen um 100 Prozent. Die HBO-Serie „House of the Dragon“ löste einen beispiellosen Besucheransturm auf das Bergdorf Monsanto in Portugal aus.
Griechenland kennt diesen Effekt ebenfalls. Die Sporaden-Inseln profitierten nach dem Kinostart des dort gedrehten Musicalfilms „Mamma Mia!“ im Jahr 2008 von einem kräftigen Reiseboom. Kefalonia wurde 2001 durch „Corellis Mandoline“ mit Nicolas Cage und Penélope Cruz international bekannt.
Nun versuchen auch Regionen, die mit der Irrfahrt des Odysseus wenig oder gar nichts zu tun haben, von dem Mythos zu profitieren. Eine große deutsche Tageszeitung bietet etwa eine zehntägige Leserreise „Auf den Spuren von Odysseus“ an. Die Route führt vom Olymp über die Insel Lefkada und die Meteora-Klöster bis nach Thessaloniki – inklusive „Ouzo und Bouzouki-Musik“.
Mit der tatsächlichen Route des homerischen Helden hat das allerdings wenig zu tun. Noch großzügiger geht ein anderer Reiseveranstalter mit dem Mythos um: Seine „Odyssee“ führt über fünf griechische Inseln, darunter Mykonos, Delos, Paros und Santorini. Allesamt beliebte Urlaubsziele – aber keine Orte, die Odysseus auf seinen sagenhaften Irrfahrten besucht haben soll.
Urlaub an den Orten der „Odyssee“: So teuer ist das exklusivste AngebotDas wohl exklusivste Angebot ist eine Reise für Menschen, bei denen Geld kaum eine Rolle spielt. Der britische Veranstalter Pelorus Travel hat eine 14-tägige private Kreuzfahrt auf einer Segeljacht im Programm. Sie beginnt in der Türkei. Hier liegt, in der heutigen Provinz Çanakkale, das antike Troja.
Der deutsche Hobbyarchäologe Heinrich Schliemann hat die Ruinen der Stadt ab 1871 ausgegraben. Dort soll Odysseus nach dem Trojanischen Krieg seine lange Heimreise angetreten haben. Die Kreuzfahrt führt von den Dardanellen bis nach Sizilien und zu den Li-Gali-Inseln vor der italienischen Amalfiküste, die der Überlieferung zufolge die Heimat der Sirenen waren. Auf der Vulkaninsel Vulcano können die Gäste die „Höhle des Pferdes“, die „Rossi-Höhlen“ sowie Basiluzzo erkunden, eine Felsformation, die in der Odyssee erwähnt wird.
Zum Programm gehören private Führungen durch renommierte Historiker, Vorträge, Helikopterflüge und thematische Abendessen. Der Preis für die Reise passt zum Luxusanspruch: 87.720 Euro pro Person.
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