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Florian Lipowitz: Was bedeutet der Tour-Sturz für seine Karriere? 

Дата публикации: 22-07-2026 14:06:11

Ein Sturz im Tour-Zeitfahren beendet die Träume von Florian Lipowitz. Ex-Radprofi Simon Geschke erklärt, warum das Risiko nötig ist und wie es jetzt weitergeht. 

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Radprofi Florian Lipowitz ist nach seinem schweren Sturz bei der Tour de France bereits operiert worden und wird voraussichtlich noch bis Donnerstag im Krankenhaus in Frankreich behandelt. Dies teilte Ralph Denk, Teamchef von Red Bull-Bora-hansgrohe, am Mittwoch vor dem Start der 17. Etappe in Chambéry am Mannschaftsbus mit.

"Das Schlüsselbein ist gebrochen, und er wurde operativ behandelt, gestern Nacht noch", sagte Denk. "Es geht ihm gut, ich habe schon persönlich mit ihm sprechen können."  Die Sturzfolgen beim 25-Jährigen erforderten aber Nachsorge. "Neben dem Bruch hat er auch Hautabschürfungen, und da hatte er ein bisschen Angst gehabt hat, das zu säubern. Jeder, der das schon mal gehabt hat, weiß, dass es weh tut", sagte Denk: "Aber jetzt ist es behandelt, und wir können nach vorne schauen, dass er so schnell wie möglich wieder aufs Rad kommt."

Tour-Aus für Lipowitz: "Ganz bittere Pille"

Lipowitz, Gesamt-Dritter der Tour 2025, hatte im Zeitfahren der 16. Etappe im Kampf ums Podium "alles auf eine Karte gesetzt", wie es sein Teammanager Denk formulierte. In einer Rechtskurve rutschte Lipowitz weg, schlug bei hoher Geschwindigkeit gegen den Bordstein und in die Bande, blutend wurde er von der Strecke eskortiert. Zu diesem Zeitpunkt schien Platz drei im Tagesklassement hinter seinem Teamkollegen Remco Evenepoel und Tadej Pogacar greifbar nahe – doch statt einer weiteren Heldentat endete die Tour abrupt.  

Simon Geschke, der als Radprofi 2015 eine Etappe der Tour de France gewann, ordnete im SWR-Interview den Crash von Florian Lipowitz ein. Mehrmals habe er sich den Sturz angeschaut. Geschke sprach von einem "sehr großen Schock."  Dies sei ein ganz bitteres Ausscheiden, "gerade wenn man im Vorjahr Dritter war und sicher große Hoffnungen hatte. Es macht nie Spaß, die Tour auf diese Art zu verlassen".

Besonders bitter sei das Timing. "Jetzt, wo gerade die dritte Woche begonnen hat, die ihm ja eigentlich entgegenkommt - das ist ja das, wofür er das ganze Jahr trainiert hat -, gleich am ersten Tag dieser dritten Woche auszuscheiden, ist eine ganz bittere Pille." 

Simon Geschke: "Er ist nicht zu schnell in die Kurve gefahren"

Während viele Beobachter kommentierten, Lipowitz sei mit zu viel Risiko gefahren, stellt Geschke klar, dass dieses im Einzelzeitfahren dazu gehöre. "Natürlich war das viel Risiko, aber jeder Fahrer nimmt im Zeitfahren viel Risiko – jeder, der Ambitionen hat“, sagt Geschke, der seit 2012 in Freiburg lebt. Ein Zeitfahren sei ein "Sekundenkampf", bei dem zehn Sekunden über Podium oder Enttäuschung entscheiden könnten. Wer wie Lipowitz mit Aussicht auf Platz drei starte, könne sich kaum leisten, die Sicherheitsvariante zu wählen.  

Geschke widerspricht auch der These, Lipowitz sei "wahnsinnig zu schnell" in die Kurve gefahren: "Ich habe mir den Sturz ein paar Mal angeschaut. Ich finde nicht, dass er wahnsinnig zu schnell in die Kurve gefahren ist. Ich denke einfach, dass er die Linie nicht optimal getroffen hat und dann mit dem Vorderrad leider weggerutscht ist." 

Der Grat im Zeitfahren sei schmal. Die Fahrer jagen mit Puls 180 bis 190 am Limit, steuern Kurven mit 60 bis 70 km/h an. "Dann immer die Ideallinie zu treffen, ist nicht so einfach, und es passiert auch Profis, dass es Stürze gibt."

Nächtliche Dopingkontrollen "für die Glaubwürdigkeit des Sports sehr wichtig"

Für den Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe verändert der Ausfall von Lipowitz die Ausgangslage im Kampf um das Tour-Podium grundlegend. Das Team hatte bis zuletzt mit einer Doppelspitze gearbeitet, je nach Etappenprofil. "Florian war definitiv einer der stärksten Fahrer. Bis dahin haben sich er und Evenepoel ja beide die Kapitänsrolle geteilt und durften beide ihr eigenes Rennen fahren“, sagt Geschke. Gerade in der dritten Woche, wenn die Bergetappen entscheiden, wäre ein zweiter starker Fahrer im Finale Gold wert gewesen.  

Im Zusammenhang mit dem Sturz von Lipowitz - und auch von Mitfavorit Jonas Vingegaard - kam auch immer wieder die Frage auf, ob die Unterbrechungen des Schlafs durch nächtliche Dopingkontrollen eine Rolle gespielt haben könnten. Führten diese zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen während der Etappen? Geschke, der selbst viele Jahre als Profi bei Grand Tours im Einsatz war, hält solche Kontrollen für unverzichtbar. "Es ist sicherlich supernervig, in der Nacht eine Dopingkontrolle zu haben. Aber es ist für die Glaubwürdigkeit des Sports sehr wichtig, da gibt es keine Diskussion."

Simon Geschke: "Ich halte die Stürze für Zufall"

Medizinisch gebe es Substanzen, die nur eine gewisse Zeit im Körper nachweisbar seien. "Es gibt nun mal Mittel, die nur sehr kurz im System sind und die man morgens schon nicht mehr nachweisen kann. Von daher sind solche nächtlichen Kontrollen eine Abschreckung für Fahrer, die vielleicht dieses Zeitfenster nutzen wollen."  

Die Belastung durch fehlenden Schlaf relativiert Geschke. In der dritten Tour-Woche sei ohnehin kaum jemand noch "richtig konzentriert". Er spricht von Fahrern, die "auf dem Zahnfleisch" kriechen – mit Medienrummel, Lärm, Zuschauern und maximaler körperlicher Ermüdung. "Ich halte die Stürze für Zufall", betont der 40-Jährige. Einen Fahrer, der sagt, nächtliche Kontrollen hätten seine Konzentration "von 80 auf 0 Prozent" gesenkt, habe er nicht gehört.  

Comeback-Chancen: Wie es für Florian Lipowitz weitergehen kann  

Wie verarbeitet ein junger Fahrer wie Lipowitz einen solchen Rückschlag? Geschke war selbst nie in der Situation, als Gesamt-Fünfter der Tour auszuscheiden, doch er kennt Schlüsselbeinbrüche aus eigener Erfahrung. Er spricht von einer Verletzung, die im Profi-Peloton fast als "dankbar" gilt, weil sie meist gut heilt.  

"Ein Schlüsselbeinbruch ist - so makaber das klingt – eigentlich die dankbarste Verletzung, die man haben kann, weil sie sehr gut heilt und man relativ schnell wieder auf der Rolle fahren kann", sagt Geschke. Schon nach wenigen Tagen könnten Betroffene auf dem Heimtrainer sitzen, später folgten Training draußen und erste Rennen.  

Für die Tour sei der Ausfall "sehr schade", doch die Karriere von Lipowitz stehe erst am Anfang. "Florian ist noch jung. Ich glaube, das macht ihn nur noch hungriger fürs nächste Jahr. Er kommt sicherlich stärker zurück – vielleicht sogar noch dieses Jahr", hofft Geschke.  

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