Bei der Ausstellung „Dialog und Fotografie“ im Kunst im Tunnel sind Werke Kinder und Jugendlicher aus geflüchteten Familien zu sehen. Die Bilder zeigen eindrucksvoll, was die jungen Menschen bewegt.
Teilnehmerinnen bei einem Workshops zur Vorbereitung auf die Ausstellung.
Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf, Natalia Liersam/Natalia LiersamDüsseldorf · Bei der Ausstellung „Dialog und Fotografie“ im Kunst im Tunnel sind Werke Kinder und Jugendlicher aus geflüchteten Familien zu sehen. Die Bilder zeigen eindrucksvoll, was die jungen Menschen bewegt.
Im Kunst im Tunnel (KIT) in Düsseldorf ist im August mit „Dialog und Fotografie“ eine Ausstellung zu sehen, die Arbeiten von Kindern und Jugendlichen aus geflüchteten Familien zeigt. Die Werke sind mithilfe verschiedener Methoden wie analoger Fotografie oder Collagen entstanden und dokumentieren, was die jungen Menschen beschäftigt. „Es handelt sich explizit nicht um eine Aufarbeitung der Fluchterfahrung, die die Kinder und Jugendlichen gemacht haben“, erklärt Dirk Schewe, von der Kunsthalle Düsseldorf. „Vielmehr sollten sie mit der Kamera einfangen, was sie bewegt.“
Zur Vorbereitung auf die Ausstellung wurden die Kinder und Jugendlichen von den Künstlerinnen und Künstlern Berit Schneidereit, Franciis Frings, Jessica Tille und Thomas Koester in vier verschiedenen Workshops in der Kunsthalle angeleitet. „Die Gruppen konnten die Teilnehmenden sich selbst aussuchen“, sagt Schewe. Die Schwerpunkte lagen zum Beispiel auf analoger Fotografie oder darauf, wie man Bewegung in einem Foto einfängt. Auch in einer Dunkelkammer wurde gearbeitet.
„Wichtig war, dass die Jugendlichen das Handwerkszeug für das Medium Fotografie an die Hand bekommen“, sagt er. „Und dass sie – etwa in der Dunkelkammer – lernen, dass Fotografien Zeit brauchen.“ Gerade in einer Zeit, in der jeder überall mit seinem Smartphone schnell ein Foto schießen kann, sei die Beschäftigung mit langwierigen Prozessen interessant.
Einige Bilder beschäftigen sich mit den Themen Stadt und Architektur. Darauf sind zum Beispiel die Tonhalle, Straßenbahnen oder leere Gebäude bei Nacht zu sehen. „Es geht viel um den Lebensraum der jungen Menschen“, sagt Schewe. „Und auch um den neuen Ort, an dem sie nun leben.“ Während manche Bilder die Jugendlichen selbst vergnügt bei Tag zeigen, wirken die Aufnahmen verwaister Hauseingänge düster.
Auch der eigene Körper ist ein Schwerpunkt der Ausstellung. „Die Künstlerin Franciis Frings stellt das Thema Körper bei ihren eigenen Arbeiten häufig in den Vordergrund“, erklärt Schewe. „Bei ihr haben die jungen Teilnehmenden gelernt, wie man auf einer Fotografie Bewegung einfängt, wie man Dynamik in ein Bild bekommt.“ Die Aufnahmen zeigen Bewegungsabläufe sehr eindrucksvoll: Auf einem Foto sieht es fast so aus, als wäre die aufgenommene Person doppelt zu sehen.
Es geht außerdem viel um Identität und Erinnerung. Die Kinder und Jugendlichen, die an der Ausstellung teilgenommen haben, sind zwischen acht und 18 Jahren alt. Prägende Jahren, in der sich junge Menschen entwickeln, von Kindern zu Jugendlichen, von Jugendlichen zu Erwachsenen werden. Umso interessanter ist es, wie sie diese Erfahrungen in ihrer Kunst umsetzen.
Besonders spannend sind die Collagen, die die Jugendlichen erstellt haben. Verschiedene Bilder sind zusammengeklebt: Eine Reihe zeigt ein Mädchen mit einem riesigen Teddy in verschiedenen Posen, dazwischen sind Fotos von den Schatten der Teilnehmenden zu sehen. Unbeschwertheit und Schatten. Durch Collagen entstehen immer neue Assoziationen, das macht die Methode auch so spannend. „Die Werke zeigen auf interessante Art und Weise die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen und was sie beschäftigt“, sagt Schewe.
Auch die Bilder, die mit der Methode der Cyanotypie entstanden sind, sind sehenswert. Cyanotypie ist ein altes Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen. Ganz unterschiedliche Motive sind auf den Drucken zu sehen, manche zeigen kleine Figuren, die an Legomännchen erinnern, manche die Profile der Jugendlichen. Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie wichtige, aber auch flüchtige Momente der Kindheit und Jugend festgehalten werden. Als kurze Momentaufnahme, vielleicht auch als prägende Erinnerung.
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