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Ultra-Radmarathon-Teilnehmer: "Übermüdet vom Rad fallen, wird mir niemals passieren"

Дата публикации: 02-08-2026 15:58:25

Ultra-Rennen, ob Laufen oder Radfahren, sind eine besondere Herausforderung: hunderte bis tausende Kilometer lange Strecken mit Übernachtung. Jens Burger nimmt an einem Teil - von Berlin nach München und zurück - und redet über seine Reise.


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Interview Teilnehmer von Ultra-Radmarathon "Übermüdet vom Rad fallen, wird mir niemals passieren"

Jens Burger fährt mit seinem Rad auf einer Allee. (Quelle: privat)
Jens Burger fährt mit seinem Rad auf einer Allee. (Quelle: privat)

Am Donnerstag ist Jens Burger mit rund 100 weiteren Teilnehmern aus Berlin aufgebrochen zum sogenannten "Super-Brevet Berlin-München", einer organisierten Langstrecken-Radfahrt. Für die fast 1.600 Kilometer lange Strecke haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis Dienstagnachmittag Zeit. Während der Brandenburger Hobbysportler Jens Burger stunden- und tagelang auf dem Sattel seines Rennrads sitzt, begleitet von einem Freund, findet er auch noch Zeit für ein Interview mit rbb|24.

Die Frage nach "Duzen" oder "Siezen" (letzteres wählen wir als Medium in der Regel) ist bei diesem Telefonat keine Verhandlungssache – es wird geduzt, vom ersten Satz an. "Ich bin der Jens", sagt Burger und dann gehts auch schon los, das Interview zwischen Atempausen und Windrauschen.

Rbb|24: Jens also, guten Tag. Wir sprechen am Sonntagvormittag miteinander. Am Donnerstag ging's los am Berliner Olympiastadion, von da über Dresden und durch Tschechien bis nach München und jetzt zurück Richtung Berlin. Wo bist Du gerade?

Jens Burger: 100 Kilometer nördlich von München. Es sind noch ungefähr 30 Kilometer bis Regensburg.

Rbb|24: Klingt, als wäre da eine Pause eingeplant?

Burger: Genau, in Regensburg ist ein Bekannter von mir, der hat schon gesagt, dass er uns eine Hühnersuppe kocht, mit viel Reis oder Nudeln. Da wird nochmal ordentlich Energie getankt.

Zur Person Portraitfoto von Jens Burger vor dem Start. (Quelle: rbb)

Jens Burger ist Hobbysportler, nimmt unter anderem auch an Triathlons teil. Der 58-Jährige arbeitet als Produktmanager bei Siemens und fährt auch ins Büro gerne mit dem Fahrrad. Das "Super Brevet Berlin-München" ist sein dritter Ultra-Radmarathon, an Events über kürzere Distanzen bis 600 Kilometer hat er schon häufiger teilgenommen.

Rbb|24: Wie fährt es sich? Was machen die Muskeln und der Rücken nach dreieinhalb Tagen im Sattel?

Burger: Was uns am Anfang sehr zu schaffen gemacht hat, war die Hitze. Ich habe auf den ersten 170 Kilometern ungefähr fünf Liter getrunken. Danach habe ich aufgehört zu zählen, aber wir trinken sehr, sehr viel und halten viel an. Am Freitag, als es so heiß war und wir im Erzgebirge, haben wir vier oder fünf Mal ein Eis gegessen und kühle Getränke geholt. Im Moment ist es eigentlich ganz gut. Den Hintern habe ich ein bisschen gemerkt, wir sind ein paar Mal im See schwimmen gegangen, hatten aber natürlich nur die Fahrradhose dabei und dann ist es trotz Creme ein bisschen grenzwertig geworden. Aber im Moment ist es wieder gut.

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Ich habe für mich jetzt gelernt, dass diese Schlafzeit von vier Stunden in Ordnung ist.

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Ultra-Radmarathon-Teilnehmer Jens Burger

Rbb|24: Das ist aber auch hart, ausgerechnet der bergigste Abschnitt – mit über 2000 Höhenmetern auf rund 300 Kilometern Strecke – fiel auf den heißesten Tag. In der Nacht von Freitag auf Samstag gab es dann hier in Berlin und Brandenburg Gewitter und viel Regen – habt Ihr davon auch etwas mitbekommen?

Burger: Zum Glück gar nicht. Als wir in Dresden gehalten und kurz dahinter geschlafen haben, da haben wir in der Whatsapp-Gruppe, über die hier alle Teilnehmer vernetzt sind, davon gehört. Einige sind weitergefahren und die haben dann schon berichtet, dass es im Erzgebirge Sturm gab und Bäume umgefallen sind. Die haben wir dann auch später liegen sehen, an die Seite geräumt schon. Als wir im Erzgebirge waren, gab es dann hier und da mal ein ganz kleines bisschen grummeln und ein paar Wassertropfen. Da hat uns so fünf bis zehn Minuten mal eine Dusche ereilt und da haben wir aber gedacht: komm, einfach durch. Es war so heiß, da war das auch so schnell wieder verdunstet. Also das war eher angenehm.

Rbb|24: Was ist Dein bisheriges Highlight der Tour und welche Momente sind besonders erfüllend?

Burger: Schöne Momente sind so viele hier, einfach durch die Natur zu fahren, rechts und links viel zu sehen. Eben waren ein paar Rehe vor uns und junge Rehkitze, die sind übers Feld gerannt, dann über den Fahrradweg. Das war wunderschön. Ich finde es einfach sehr toll, dass man so nah an der Natur ist.

Jens Burger vor einem landenden Flugzeug am Münchener Flughafen. (Quelle: privat) Jens Burger vor einem landenden Flugzeug am Münchener Flughafen. (Quelle: privat)

Rbb|24: Jetzt kann man sich bei diesem Radmarathon die Zeit, wann man radelt und wann man pausiert, komplett frei einteilen. Was ist Deine Lieblingstageszeit, zu der Du die meisten Kilometer fährst?

Burger: Wir hatten einen groben Plan, wie lange man wo fährt und wir wollten eigentlich jetzt schon ein bisschen weiter sein. Aber gut, die Hitze hat ihre Zeit gekostet, hauptsächlich das Anhalten. Gestern Abend haben wir zum Beispiel beschlossen, nicht noch weiter zu fahren. Dann wären wir jetzt wahrscheinlich schon in Regensburg, wären aber auch bis 4 Uhr nachts gefahren. Und deswegen haben wir um 11 Uhr Schluss gemacht, haben uns was zum Übernachten gesucht und sind heute Morgen schon um 6 Uhr wieder losgeradelt. Das hat sich, glaube ich, ganz gut eingependelt. Ich habe für mich jetzt gelernt, dass diese Schlafzeit von vier Stunden in Ordnung ist, dazu macht man dann vielleicht tagsüber nochmal einen oder zwei "Power-Naps". Also wir fahren, solange es richtig schön hell ist, man noch viel sieht – und ab 23 Uhr dann schlafen.

Rbb|24: Wie viele Kilometer habt Ihr so ungefähr geschafft am Tag und wie viele Stunden sitzt Ihr dann auf dem Rad?

Burger: Am ersten Tag waren es 340 Kilometer, am zweiten 300, gestern waren es dann nur 280. Heute wollen wir ein bisschen mehr machen, die Temperatur ist dafür auch okay, damit es dann morgen auch noch mal so um die 330 bis 340 sind bis Berlin. Wie viele Stunden habe ich jetzt nicht genau im Kopf, aber ich würde sagen: Man fährt so drei bis vier Stunden, macht dann mal eine halbe Stunde bis Stunde Pause und so weiter. Also es werden schon mindestens zwölf Stunden insgesamt sein am Tag.

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Was besser ist als viel Licht, ist einfach noch mehr Licht. Ich habe vier Lampen nach vorne und auch vier Lichter nach hinten.

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Jens Burger zu Sicherheit beim Fahren in der Dunkelheit

Rbb|24: Wie sucht Ihr Euch Schlafplätze? Darf es auch mal die Jugendherberge oder ein Hotel sein oder immer Outdoor?

Burger: Nee, es ist nicht immer Outdoor. Also man guckt mal, wo man sich tatsächlich hinlegen kann. Vorgestern war es zum Beispiel sehr gut, da waren wir in Marktredwitz. Da hat der Ben Urbanke [Anm. d. Red: Einer der Organisatoren der Fahrt] eine Turnhalle und da haben wir in der unterteilten Turnhalle wunderbar geschlafen. Und jetzt letzte Nacht waren wir in München. Da haben wir gedacht, wir könnten an der Kontrollstelle, die es hier unterwegs ja immer von den Organisatoren gibt, einfach schlafen. Das war aber dann nicht möglich und dann haben wir uns einen Kilometer weiter ein Hotel gesucht.

Rbb|24: Ihr seid aber auch im Dunkeln unterwegs – frühmorgens, spätabends. Wie ist es da mit dem Sicherheitsempfinden auf den Straßen? Es ist ja nichts abgesperrt für Euch und die Autos wissen nicht, dass Ihr da gerade einen Radmarathon macht.

Burger: Das ist richtig. Ich mein, ich hab es vielleicht etwas übertrieben mit dem Licht, aber ich bin der Meinung: Was besser ist als viel Licht, ist einfach noch mehr Licht. Also ich hab tatsächlich vier Lampen nach vorne und auch vier Lichter nach hinten. Ich fahre dann auch in der Nacht mit so einem Reflektionsband, keine Warnweste, die wäre zu warm, aber mit so einem Reflektionsband wird man schon gut gesehen. Ich hab an den Felgen Reflektoren, also ich habe das Gefühl, ich werde sehr gut gesehen.

Die Teilnehmer des Super-Brevets posieren vor dem Berliner Olympiastadion. (Quelle: rbb)
Video: Start des Radmarathons am Olympiastadion

Die Teilnehmer des Super-Brevets posieren vor dem Berliner Olympiastadion. (Quelle: rbb)

Rbb|24: Was ist die größte Herausforderung an einem so langen Radmarathon: die Konzentration wegen des Schlafmangels oder eher die Muskulatur?

Burger: Das ist eine gute Frage. Was ich am wichtigsten finde, ist, dass man ehrlich zu sich selber ist. Wenn man gerade müde ist, anzuhalten, sich hinzulegen und es nicht zu ignorieren, bis man dann irgendwann vom Rad fällt. Das sind so Bilder, die man bei Paris-Brest-Paris viel sieht, dass Leute völlig übermüdet vom Rad fallen. Das wird mir auf jeden Fall niemals passieren. Ich finde es wichtig, da auf seinen Körper zu hören und dann eben wie wir gestern eher zu sagen: Okay, wir bleiben halt in München und fahren jetzt nicht noch durch die Nacht. Und die größte Herausforderung bei dem ganzen ... Ja, vielleicht mit der Hitze umzugehen, genug zu trinken, auch die Haut rechtzeitig nachzuschmieren, wenn es mal tatsächlich irgendwo wund wird oder so. Also, ich sage mal, das Gesamtpaket, dass man auf sich achtet.

Rbb|24: Die Szene rund um Ausdauersport und Radfahren hat sich stark verändert in den letzten Jahren. Merkt man das bei solchen Events auch, dass da der eine oder andere dabei ist, der es vielleicht etwas zu ernst nimmt?

Burger: Was heißt schon zu ernst? Ich meine, jeder hat so sein Faible und zum Glück kann das hier jeder so ausleben, wie er gerne möchte. Aber ja: Mich hat schon auch einer erstaunt, der war der schnellste, ist aber nur von Berlin nach München gefahren. Der ist mit einem Scheibenrad gefahren [Anm. d. Red.: Wird im Radsport vor allem bei Disziplinen wie Zeitfahren genutzt, um die Aerodynamik zu perfektionieren] und der hatte zum Beispiel noch so Gummiüberzieher über den Schuhen gehabt, damit das noch aerodynamischer ist. Der ist also relativ schnell durchgefahren und das ist dann nochmal eine ganze Nummer sportlicher. Aber es kann halt jeder so ausleben, wie er will. Es gibt auch die, die wirklich mehr oder weniger Tag und Nacht durchfahren und immer nur mit "Power-Naps" leben. Ich finde das schön, man unterhält sich auch mal und lernt Leute kennen.

Interviews mit weiteren Extremsportlerinnen

Rbb|24: Was für Leute hast Du bei diesen Fahrten schon getroffen?

Burger: Also vor fünf Jahren hatten wir mal einen dabei, der so was noch nie gefahren ist. Der ist dann mit Latschen gefahren und die Latschen haben sich richtig in die Pedalen eingearbeitet, dass sie fast schon sowas wie Klickpedale waren. Der ist da ganz unbedarft rangegangen, hat dann auch Leute gefragt, ob er mal bei ihnen schlafen kann und hat auch tatsächlich welche gefunden, bei denen das ging. Einer hat ihn in seinem VW-Bus in München schlafen lassen. Das waren so Storys, wo ich dachte, wow, das so ganz ungeplant anzugehen – Respekt. Da bin ich eher anders, plane alles so sehr minutiös. Ich bin halt Ingenieur, dann macht man sich seine Planung. Wenn ich fahre, lasse ich schon etwas locker und habs aber im Hinterkopf, dass ich weiß, wo ich was zu trinken kriege.

Rbb|24: Wie sieht es mit Essen aus, was ist Deine Philosophie, kehrst Du zwischendurch irgendwo ein oder bist Du Selbstversorger?

Burger: Ich habe eigentlich die meisten Sachen dabei, jede Menge Datteln und gekochte Kartoffeln, klassische Riegel habe ich natürlich auch noch. Und einmal pro Tag eine richtige Mahlzeit, also eine Pizza, irgendwas, was eben auch salzig ist, eine Suppe. Oder gestern hatten wir Nudeln – sowas ist sicher gut.

Bis Dienstagnachmittag um 16 Uhr hättet Ihr noch Zeit für die verbleibenden Kilometer. Was ist das Ziel?

Also schön wär's und da halte ich noch dran fest: Montagabend. Aber wenn ich merken sollte, dass es später als 23 oder 24 Uhr wird, dann würden wir vielleicht nochmal übernachten.

Vielen Dank für das Gespräch und gute Fahrt!

Das Interview führte Simon Wenzel für rbb|24, es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.

Sendung: rbb|24, 02.08.2026, 17:55 Uhr

Audio: rbb|24, 02.08.2026, Simon Wenzel im Gespräch mit Jens Burger

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