Mit sechs sieglosen Testspielen in Folge tritt der 1. FC Union seine Reise ins Trainingslager an. Auch wenn die Aussagekraft von Vorbereitungsspielen begrenzt ist, so offenbarten sie doch einige Baustellen, die es bis zum Bundesliga-Start zu beseitigen gilt.
Fußball Sieglos ins Trainingslager: Vier Dinge, die Union für den Bundesliga-Start noch fehlen
Der 1. FC Union Berlin steckt in einer Testspiel-Misere. Mit sechs sieglosen Partien in Folge im Gepäck treten der neue Trainer Mauro Lustrinelli und seine Eisernen die Reise ins einwöchige Trainingslager nach Österreich an.
Natürlich ist die Aussagekraft von solchen Partien begrenzt. Und doch offenbarten die dürftigen Leistungen in der Vorbereitung einige Baustellen, die es bis zum Pflichtspiel-Auftakt zu beseitigen gilt.
1. Das Personal
Auch wenn der Kader des 1. FC Union auf dem Papier riesig erscheint, so fehlt es aktuell doch an vielen Ecken an Personal. Zum einen haben die Eisernen mit einer langen Liste an Verletzten zu kämpfen, was sich besonders offensiv bemerkbar macht. Sturm-Hoffnungsträger wie Andre Ilic und Oliver Burke konnten die letzten Testspiele nur von der Tribüne aus beobachten. Auch ganz hinten herrscht momentan Mangel – im Tor musste mit Fritz Gagzow zuletzt ein A-Jugend-Keeper aushelfen.
Zum anderen gibt es für Geschäftsführer Horst Heldt aber wohl auch noch Nachholbedarf auf dem Transfermarkt. Besonders ein kreativer Spielmacher würde den Köpenickern noch gut zu Gesicht stehen, um den von Lustrinelli geforderten Offensivfußball auch tatsächlich auf den Rasen zu bekommen. Auch ein Linksfuß für die Abwehrreihe würde nicht schaden.
Der Coach versprach nach der Niederlage gegen Dynamo Dresden immerhin: "Es werden Neuverpflichtungen auf verschiedenen Positionen kommen."
Testspiel zwischen Dynamo Dresden und Union Berlin (Quelle: IMAGO / Ulmer/Teamfoto)
2. Die Umsetzung
Apropos geforderter Offensivfußball: Die Spielidee von Lustrinelli stellt bei Union alles auf den Kopf, was die Köpenicker in den vergangenen Jahren verinnerlicht hatten. Viererkette statt Fünferkette, hohes Pressing und Risiko statt Mauern und Umschalten und Dominanz nach vorne statt Zurückhaltung. Diese Umstellung ist nicht so einfach. "Das geht nicht von einem auf den anderen Tag. Es braucht seine Zeit, bis es in die Köpfe der Spieler kommt", erklärte Verteidiger Tom Rothe in Dresden.
Bei dem Test in Sachsen hatte man zumindest in der ersten Hälfte einen Vorgeschmack bekommen, wie anders Union in der kommenden Spielzeit unter Lustrinelli auftreten könnte, wenn es der Mannschaft denn auch gelingt, den attraktiven Spielstil im Trainingslager zu etablieren. Denn so richtig scheinen die Köpenicker mit der Neuausrichtung noch nicht zurechtzukommen, wie die zweite Hälfte gegen Dresden und auch der letzte Test gegen Cagliari zeigten.
"Wir arbeiten täglich entschlossen und überzeugt in diese Richtung. Rom wurde auch nicht in einem Tag aufgebaut", so der Coach. Bis zum Pflichtspiel-Auftakt im DFB-Pokal bleiben ihm drei Wochen, um aus seinen Spielern Gladiatoren und die Alte Försterei zu seinem Kolosseum zu machen. Den Profis mache das neue ambitioniertere Auftreten in jedem Fall Spaß, erklärte Rothe. "Gerade solchen Powerfußball guckt man ja auch gerne an, wenn er funktioniert."
3. Die Fitness
Wer Powerfußball spielen und aggressiv pressen will, der muss allerdings auch besonders viel laufen. Neben der Taktik wird in der Steiermark also wohl auch jede Menge Athletik- und Ausdauertraining auf dem Programm stehen. Denn die Tests offenbarten, dass den Eisernen aktuell noch die nötige Fitness fehlt.
Besonders deutlich machte sich das gegen Dynamo bemerkbar, als die Beine in den zweiten 45 Minuten gegen die bereits austrainierten Dresdner einfach zu müde wurden. Kein Wunder, schließlich hat der Zweitligist drei Wochen Trainingsvorsprung. Pünktlich zum Pokalspiel gegen Braunschweig werden wohl auch die Berliner dann topfit sein.
4. Der Torriecher
All die neuen offensiven Bemühungen nützen natürlich nichts, wenn nicht vorne jemand steht, der den Ball am Ende auch ins Netz befördert. Torflauten sind in Köpenick nun wirklich keine Seltenheit und die Chancenverwertung in der diesjährigen Saisonvorbereitung offenbart womöglich erneut das Fehlen eines echten Knipsers.
Nach dem Doppelpack gegen Cagliari könnte man da vielleicht an Ilyas Ansah denken. Bis einem einfällt, wie stark der junge Stürmer auch in der vergangenen Spielzeit startete und wie wenig ihm im weiteren Verlauf dann noch gelang. Auch eine rechtzeitige Genesung von Burke und Ilic zum Pflichtspiel-Auftakt bringt längst keine Torgarantie, schließlich fehlte es auch diesen beiden im vergangenen Jahr an Konstanz. Und Livan Burcu muss erst einmal beweisen, was er drauf hat, wenn er denn – anders als unter Ex-Coach Steffen Baumgart – nun die nötige Spielzeit bekommt.
Vielleicht hatte Geschäftsführer Heldt aber auch ein glückliches Händchen bei der Leihe des ivorischen Angreifers Emmanuel Latte Lath. Ihn gilt es im anstehenden Trainingslager schnellstmöglich in die Mannschaft zu integrieren.
Sendung: rbb|24, 02.08.2026, 20:10 Uhr
Audio: rbb|24, 02.08.2026, Lukas Witte
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