Aus einer grünen Wiese in Britz wurde in wenigen Jahren die größte Wurstfabrik der DDR. Nach bis zu 3.000 Beschäftigten in den 1980ern sank die Zahl nach der Wende stark. 2026 wird die Fabrik geschlossen, 500 Menschen verlieren ihre Arbeit.
Von der DDR-Vorzeigefabrik zur Schließung: Die Eberswalder Wurstfabrik
Stand: 29.05.2026 14:06:57
1974 beginnt die Entstehung der größten Wurstfabrik der DDR in Britz bei Eberswalde (Barnim) Der Beschluss zum Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde (SVKE) wird im Dezember vom Ministerrat bestätigt.
Archiv Jürgen Albrecht
1975: Auf dieser freien Ackerfläche in Britz soll das Schlacht- und Verarbeitungskombinat entstehen. Geplant sind direkte Anschlüsse ans DDR-Gleisnetz und zur Autobahn.
Archiv Jürgen Albrecht
November 1976: Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Bis zur ersten Schlachtung sind es nur noch wenige Wochen. Das Werk wird in Kooperation mit der Westberliner Firma Consult aufgebaut. Der Investitionsaufwand beträgt rund 700 Millionen DDR-Mark.
Archiv Jürgen Albrecht
1976: Den Aufbau des Werkes verantworten Heinz Hetmanek, Jürgen Albrecht und Peter Fischer. Hier zu sehen bei der offiziellen Inbetriebnahme des SVKE am 30. Dezember 1976.
Archiv Jürgen Albrecht
1980er Jahre: Das Fleischwerk Eberswalde steigt zum größten Fleischverarbeiter Europas auf. Zu dieser Zeit arbeiten dort bis zu 3.000 Mitarbeiter. Der Anteil von Frauen beträgt rund 60 Prozent. Auf dem Gelände befinden sich eine eigene Poliklinik, ein Friseur, eine Gaststätte, eine Gärtnerei, eine Bibliothek und eine Sparkasse.
Archiv Thaler
1980er KJahre: Die Jahresproduktion des Kombinats liegt bei etwa einer Milliarde DDR-Mark. Hauptabnehmer sind die Hauptstadt sowie die großen Industriegebiete der DDR. Die Konservenproduktion erfolgt hingegen flächendeckend.
Archiv Lutze
Auch Amadeu Antonio ist hier beschäftigt: Der aus Angola stammende Vertragsarbeiter arbeitet in der "Eberswalder"-Wurstfabrik, bevor er 1990 Opfer eines rassistischen Angriffs wird.
imago images / Kai Horstmann
1991: Nach der Wiedervereinigung wird das Werk an die dänische Plumrose-Gruppe (Böklunder) veräußert. In der Folge kommt es zu Teilbereichsschließungen, die zu einem deutlichen Rückgang der Beschäftigtenzahl führen.
rbb
1997: Der bayerische Fleischunternehmer Gerhard Thien übernimmt das Unternehmen von der Plumrose-Gruppe.
rbb
2000: Nach drei Jahren muss die Thien-Gruppe Insolvenz anmelden. Grund sind zu hohe Kosten und starke Konkurenz auf dem Wurstmarkt. Die Jobs von rund 600 Mitarbeitenden sind in Gefahr. Axel Raap wird als Insolvenzverwalter eingesetzt. Eckhard Krone wird auf Vorschlag der Gläubigerbanken Geschäftsführer.
picture-alliance/Berliner_Kurier/Friedel Bernd
2002: Der Neuanfang gelingt. Am 1. November 2002 überträgt der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb im Rahmen eines Mietkauf- und Pachtvertrags auf die beiden neu gegründeten Unternehmen EFG Eberswalder Fleisch GmbH und EWG Eberswalder Wurst GmbH. Gesellschafter beider Firmen wird die MBU Märkische Beteiligungs- und Unternehmensverwaltungs GmbH, deren Eigentümer und Geschäftsführer Eckhard Krone ist. Die Zahl an festangestellten Mitarbeitern ist auf unter 300 gesunken.
rbb
2016: Die Eberswalder Gruppe ist eines der größten Unternehmen der Ernährungsindustrie in Berlin und Brandenburg und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt 250 Vollzeitmitarbeiter und rund 250 Saisonarbeitskräfte. Das Unternehmen stellt auch die Stadionwurst für die Heimspiele des 1. FC Union Berlin her und ist seit 2010 Sponsor.
IMAGO / Matthias Koch
2023: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke eröffnet die Grüne Woche und zeigt sich auch am Wurststand der "Eberswalder". Im gleichen Jahr übernimmt die zu Tönnies gehörende Zur‑Mühlen‑Gruppe das Unternehmen und bildet die EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG für das operative Geschäft.
IMAGO/Volker Hohlfeld
2026: Die Eberswalder Wurstfabrik in Britz schließt bis zum 28. Februar 2026 den Betrieb, wodurch 500 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren. Als Grund nennt das Unternehmen wirtschaftliche Probleme, wie gestiegene Kosten für Energie und Löhne und hoher Preisdruck auf dem Fleisch- und Wurstmarkt.| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ziegenmilch-Betrieb in der Prignitz: Neue Vorwürfe wegen Arbeitsbedingungen | 0 | 9.17 | 10-08-2026 |
| 2 | Galeria prüft Schließung von fünf Standorten in Berlin und Brandenburg | 0 | 9.44 | 22-07-2026 |
| 3 | Wohnungsbestand in Berlin und Brandenburg wächst langsamer | 0 | 7.71 | 30-06-2026 |
| 4 | Kohleausstieg in der Lausitz: Gas geben statt Kohle verfeuern | 0 | 7.54 | 14-06-2026 |
| 5 | Brandenburger Wirtschaft drängt auf Bewerbung für Expo 2035 | 0 | 11.45 | 26-05-2026 |
| 6 | Tesla investiert weitere 250 Millionen US-Dollar in Brandenburg | 0 | 14.64 | 12-05-2026 |
| 7 | Завод в Саратовской области планирует увеличить число рабочих мест на 80% к 2024 году | 0 | 0 | 03-02-2023 |
| 8 | Spiegel: Volkswagen готовится закрыть четыре завода в Германии до 2034 года | 0 | 7 | 09-07-2026 |
| 9 | Крупнейшая на Ставрополье птицефабрика откроют летом | 0 | 0 | 26-03-2020 |