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Ein Tag mit Erntehelfern auf den Spargelfeldern in Beelitz

Дата публикации: 10-05-2026 08:13:00

Alexandru Serdean erntet auf den Beelitzer Feldern gerade rund 200 Kilogramm Spargel täglich. Ein Tag mit rumänischen Erntehelfern der zeigt, wie hart ihre Arbeit ist - aber auch, warum sie wiederkommen.


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Reportage Spargelernte in Beelitz Kilometer für Kilometer, Stange für Stange

Erntehelfer Alexandru Serdean beim Spargelstechen in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother)
Erntehelfer Alexandru Serdean beim Spargelstechen in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother)

Die Gummistiefel sind vielleicht grün, ihre Farbe ist nur zu erahnen - über eine krustige Schicht aus getrocknetem Schlamm, hat sich eine zweite aus Staub gelegt. Alexandru Serdean schlüpft hinein und geht mit seinen Kollegen zu einem weißen Bus. Punkt 14 Uhr fährt der im winzigen Beelitzer Ortsteil Schäpe (Potsdam-Mittelmark) ab.

20 Rumänen sind eingestiegen, ihre erste Schicht ging von kurz nach 5 bis 12 Uhr, die zweite wird bis zum späten Nachmittag dauern. Die Männer scherzen, einer schläft, fast alle tragen eine Schirmmütze und verdreckte Gummistiefel. Es sind kernige Typen von Anfang 20 bis Mitte 60. Der Sonnenschein der vergangenen Tage ist auf ihrer Haut abzulesen. Sie kommen zum Teil schon seit mehr als 15 Jahren nach Beelitz und haben Freundschaften geschlossen. Den Nachmittag werden sie auf einem riesigen Feld verbringen und Spargel stechen.

Stiefel von Ernethelfern in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother) Die Stiefel der Erntehelfer (Quelle: rbb/Philipp Rother).

Serdean kommt aus Transsilvanien

Alexandru Serdean ist 28 Jahre alt, ein eher ruhiger Typ mit Dreitagebart und kurzen braunen Haaren. Er lacht viel und gern, sieht dabei aber müde aus. Serdean kommt aus Târgu Mureș in Transsilvanien, wie er erzählt. Eine Stadt von 130.000 Einwohnern, es gibt dort größere pharmazeutische und chemische Unternehmen. Aber viele junge Menschen zieht es wegen der Arbeit immer noch weg. Direkt nach der Schule hat Serdean dort in einem Burgerladen gejobbt und auf dem Bau, eine Ausbildung hat er nicht gemacht. 2017 kam er zum ersten Mal nach Deutschland, um zu arbeiten, sagt er.

Die rumänische Stadt Târgu Mureș am 23.08.2019 (Quelle: dpa / Zoonar.com / Richard Laschon). Die rumänische Stadt Târgu Mureș am 23.08.2019 (Quelle: dpa / Zoonar.com / Richard Laschon).

Onkel holte ihn aufs Spargelfeld

2019 berichtete ihm sein Onkel von der Spargelernte in Beelitz, gut bezahlt. Ein Jahr später stand Serdean erstmals selbst auf dem Feld. Mittlerweile ist es seine siebte Saison auf dem Spargelhof von Jürgen Jakobs in Schäpe. Deutsch spricht er kaum, das muss er aber auch nicht. Die Rumänen bleiben unter sich, wohnen auch zusammen. Alexandru Serdean übernachtet mit fünf anderen Männern auf dem Hof in einem etwa 20 Quadratmeter großen Zimmer, zwölf Euro pro Tag zahlt er dafür. Weitere sechs Euro kostet die Verpflegung.

Spargelspinnen stehen schon bereit

Nach 15 Minuten Fahrt über streckenweise unbefestigte Wege stoppt der Bus auf einem Feld zwischen Wittbrietzen und Rieben. Häuser sind am Horizont nur zu erahnen. Die Erntehelfer steigen aus und verlieren keine Zeit. Die "Spargelspinnen" stehen schon bereit. Die blauen Geräte überspannen mit ihren langen Beinen die Spargeldämme und heben die Abdeckfolie an. Die freien Flächen darunter suchen die Erntehelfer nach Spargelstangen ab. Mit schnellen Schritten geht auch Serdean zu seiner Maschine. Seine linke Hand steckt in einem roten Arbeitshandschuh, in der rechten hält er ein Messer.

Viele weiße Spargelköpfe sind deutlich zu sehen, andere verstecken sich noch im Sand. Serdean entdeckt sie trotzdem: "Die Wölbung des Sandes verrät sie, der Sand platzt an den Stellen etwas auf", erklärt er und greift währenddessen zielsicher in den Sand. Er gräbt eine weitere Stange aus, legt sie teils frei und setzt dann mit seinem langen Spargelmesser drei gezielte Stiche tief in die Erde.

Schmerzt der Rücken?

Die geerntete Stange legt Serdean in einen blauen Korb. Dabei geht sein Blick schon zur nächsten. Ist ein Spargeldamm abgearbeitet, fährt Serdean seine Spinne zu einem anderen. Dort geht es weiter, Kilometer für Kilometer, Akkordarbeit. Über Stunden pflügen die Erntehelfer in leicht gebückter, vornübergebeugter Haltung durch die Spargelgräben. Ihr unterer Rücken wird besonders beansprucht - der Druck auf die Bandscheiben ist in dieser Position um ein Vielfaches höher als im Stehen oder Sitzen. "Der Rücken schmerzt erst, wenn ich ins Bett gehe", sagt Serdean mit einem Lächeln. Falls er Schmerzen hat, merkt man sie ihm nicht an.

Nach der ersten Saison wollte er eigentlich aufhören, erzählt er. Die Arbeit war zäh, ihm fehlte noch der Blick für die versteckten Stangen. Er brauchte zu lange, um seine Kisten zu füllen. Entsprechend dürftig verdiente er am Ende.

Erntehelfende Ernethelfer bei der Spargelernte in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother)

Auf den Feldern rund um Beelitz wird auf 1.200 Hektar weißer Spargel angebaut, eine Fläche, ähnlich groß wie der Scharmützelsee. Rund 2.500 Erntehelferinnen und -helfer sind auf den Höfen im Einsatz. 85 Prozent von ihnen kommen aus Rumänien, 15 Prozent aus Polen. Im Ortsteil Busendorf arbeiten auch einige Erntehelfer aus Kroatien.

Grundlohn und Prämie

Er kam dennoch wieder, gab nicht auf. Mittlerweile gefielen ihm die Arbeit und die Bezahlung. "Es wurde besser und besser, nun schaffe ich an guten Tagen 13 Kisten - ungefähr 200 Kilo", sagt Serdean. Eine volle Kiste wiegt mehr als 15 Kilogramm. Auf jede klebt er einen Aufkleber mit seiner Kennung, so wird die Bezahlung abgewickelt.

Serdean bekommt wie alle anderen Erntehelfer auch Mindestlohn, sticht er mehr als 150 Kilogramm pro Tag, kommt eine Prämie obendrauf. "In Rumänien verdiene ich in einem Monat auf dem Bau ungefähr 1.000 Euro - hier nehme ich am Ende der dreimonatigen Saison 8.000 bis 9.000 Euro mit nach Hause", sagt der 28-Jährige. Zahlen müssen die Erntehelfer für Verpflegung und Unterkunft, hinzu kommen Einkäufe im Supermarkt. "Alles wird teurer hier", sagt er.

Frau und Mutter arbeiten in Beelitz

Die 1.500 Kilometer von Transsilvanien nach Schäpe hat Serdean mit dem Auto hinter sich gebracht. Seine Frau und seine Mutter sind mitgekommen. Sie arbeiten in einer Spargelhalle im zehn Kilometer entfernten Beelitz. Er sieht sie während der Saison aber nur fünf bis sechs Mal, wie er sagt. Öfter geht es wegen der Arbeitszeiten nicht. Die Männer ernten an sieben Tagen pro Woche, bei Wind und Wetter. "Wir arbeiten bei 30 Grad, ich habe hier aber auch schon bis zum Knöchel im Schlamm gestanden", sagt er. Die Ernte fällt nur aus, wenn es extrem stark regnet. Dann muss nachgearbeitet werden. Feierabend ist, wenn das Feld abgeerntet ist, meist gegen 18 Uhr. "Es kann aber auch mal 21 Uhr werden", sagt Serdean. Den Tag danach geht es dann zu einem neuen Feld.

Wird der Spargel nicht schnell gestochen, leidet die Qualität. Und die hat ihren Preis: Zum Start der Saison kosteten die schönsten Stangen 18 Euro pro Kilogramm, mittlerweile sind sie etwas günstiger zu haben.

Spargelernte in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother) Spargelernte in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother)

Vom Spargelstecher zum Schausteller

Die Saison geht bis zum Johannistag am 24. Juni. Danach fährt Serdean für vier Wochen zurück in die Heimat, ehe er bei einem Bremer Schausteller anheuern wird. Mit dem wird er dann bis Weihnachten von Stadt zu Stadt ziehen. "Es ist leichter, es ist trocken und nie zu heiß, aber ich verdiene weniger", sagt Serdean über den Job in einem Verkaufswagen. Zur Spargelsaison des kommenden Jahres wird er dann wieder nach Beelitz kommen, kündigt er an. Das stehe bereits fest. Er wolle weitermachen, bis er irgendwann eine Familie gegründet habe. "Dann höre ich wahrscheinlich auf. Bis dahin will ich aber Geld verdienen", sagt Serdean.

Unterkunft von Ernethelfern in Brandenburg. (Quelle: rbb/Philipp Rother) Die Unterkunft von Alexandru Serdean und seinen Kollegen (Quelle: rbb/Philipp Rother).

Am Abend gibt es Bier

Haben er und seine Kollegen alle Stangen gestochen, geht es mit dem Bus zurück nach Schäpe. Dort gibt es ein Bier zur Belohnung, gerne auch zwei. Das deutsche sei deutlich besser als das in der Heimat, sagt Serdean. Währenddessen versucht er, seine Gummistiefel unter fließendem Wasser zu reinigen. Wirklich sauber werden sie nicht, zu hartnäckig ist der Schmutz.

Später essen die Erntehelfer noch zusammen. Spargel machten sie sich eher selten, er schmecke auch nicht sonderlich gut, sagen sie. Danach kehrt schnell Ruhe ein. Am nächsten Morgen geht es weiter. Der Bus zum Feld fährt um 5 Uhr ab.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 09.05.2026, 19:35 Uhr

Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 09.05.2026, Jacqueline Piwon und Philipp Rother

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