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Hunderte Rinder werden geklaut und kaum einen interessiert's

Дата публикации: 13-05-2026 15:57:57

Hunderte gestohlene Rinder, der entstandene Schaden bei den Landwirten geht in die Hundertausende. Kontrollen an den Grenzen und den Straßen gibt es derzeit nur unregelmäßig und kein spezialisiertes Fachpersonal bei der Polizei.


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Viehdiebstahl in Brandenburg Hunderte Rinder werden geklaut und kaum einen interessiert's

Archivbild: Durch die Gitterstäbe eines Tiertransporters aus Polen blicken im Jahr 2004 junge Kälber nahe Frankfurt (Oder). (Quelle: Picture Alliance/Patrick Pleul)
Archivbild: Durch die Gitterstäbe eines Tiertransporters aus Polen blicken im Jahr 2004 junge Kälber nahe Frankfurt (Oder). (Quelle: Picture Alliance/Patrick Pleul)
  • Mindestens vier Fälle von Rinderdiebstahl in Brandenburg in diesem Jahr
  • die Polizei erfasst Viehdiebstähle nicht gesondert, daher ist die Dimension schwer einzuschätzen
  • Zoll kontrolliert Tiertransporte nur stichprobenartig und örtlich und zeitlich begrenzt

Mindestens 158 Rinder sind in diesem Jahr schon in Brandenburg gestohlen worden. Bei drei der vier Diebstähle belief sich der Schaden zusammen auf mehr als 200.000 Euro. Der durch den letzten Diebstahl vor wenigen Tagen entstandene Schaden im Landkreis Spree-Neiße wurde zum Zeitpunkt der Recherche nicht exakt genannt, aber auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt.

"Soko Koppel" wurde vor neun Jahren eingerichtet

Die Polizei des Landes Brandenburg nahm die aktuellen Fälle zum Anlass andere Bundesländer zu vergleichbaren Fällen anzufragen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Ergebnisse stünden noch aus.

Vor neun Jahren einigten sich das Innenministerium Brandenburg, die Polizei und der Landesbauernverband auf die Einführung einer Sonderkommission Viehdiebstahl – die sogenannte "Soko Koppel". Sie wurde zur Bekämpfung des bandenmäßigen und grenzüberschreitenden Viehdiebstahls eingerichtet, wie es damals in einer Mitteilung hieß. Ein Jahr später wurde die Sonderkommission wieder aufgelöst.

Dazu, ob es nach den aktuellen Fällen erneut zu einer Einführung einer solchen Kommission kommen werde, äußerte sich das Innenministerium auf Nachfrage nicht konkret. Man prüfe weiterer Maßnahmen, hieß es.

Fachpersonal bei der Polizei, das sich mit Viehdiebstählen auseinandersetzt, gebe es momentan nicht, so eine Sprecherin.

Viehdiebstähle nicht statistisch gesondert erfasst

Viehdiebstähle erfasst die Polizei Brandenburg nicht gesondert. Die Fälle fallen in die allgemeine Statistik von Tierdiebstählen. Darunter fallen eben auch der gestohlene Pudel vor dem Supermarkt oder die drei geklauten Wellensittiche der Nachbarin, weshalb die Zahlen nur wenig aussagekräftig für die Entwicklung der Viehdiebstähle im Land sind.

Sichtbar ist jedenfalls, dass die Zahl der Tierdiebstahl-Fälle signifikant zurückgegangen ist. Allerdings bilden die Zahlen wohlgemerkt nur die Anzahl der Diebstähle ab, nicht die Anzahl der gestohlenen Tiere. Im Falle von Rindern können es, wie die Aktualität zeigt, eben auch wenige Fälle und dabei viele Tiere sein.

Da die Rinder alle Ohrmarken haben und registriert sind, wird vermutet, dass die Tiere aus Brandenburg schnellstmöglich über die Grenze Richtung Osteuropa gebracht werden – eventuell sogar außerhalb der Europäischen Union, da die Registrierung innerhalb der gesamten EU gilt.

Denkbar ist laut Experten aber auch, dass die Tiere innerhalb der EU illegal geschlachtet werden. Das hält auch Kirstin Drenkhahn von der Freien Universität Berlin für denkbar, die unter anderem zu Kriminalität im ländlichen Raum forscht. "Vielleicht schlachten die Betriebe keine ganze Herde illegal, aber womöglich einzelne Tiere schon", sagt sie.

Keine Zollkontrollen an Grenzen

Stellt sich die Frage, wie einfach es ist, mit zig geklauten Rindern über die deutsche Grenze ins Ausland zu fahren. Angeblich nicht sonderlich heikel, sagt jemand aus Behördenkreisen in Brandenburg, der nicht namentlich genannt werden möchte. Die Wahrscheinlichkeit kontrolliert zu werden, sei nicht sonderlich hoch. Die aktuellen Fälle bestätigen das.

Die Bundespolizei verwies auf Nachfrage nach Kontrollen an die Zollfahndung, die wiederum an das Hauptzollamt Frankfurt (Oder). Das Hauptzollamt teilte mit, dass Zollkontrollen nur örtlich und zeitlich begrenzt im gesamten Bundesgebiet stattfänden. "Eine durchgehende Kontrolle an einem Grenzübergang zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union nimmt der Zoll nicht mehr wahr", hieß es.

Diebesgut wird schnell verkauft

Aus Ermittlungsbeobachtungen zum Verlauf von Viehdiebstählen nach der Grenzüberquerung ist von hiesigen Ermittlern nichts Konkretes zu erfahren. Dafür legen Berichte aus Großbritannien nahe, das ebenfalls große Probleme vor allem mit Schafsdiebstahl hat, dass die Tiere nach Grenzübertritt sehr schnell verkauft werden, oftmals noch bevor eine Fahndung überhaupt eingeleitet worden ist. Das macht Ermittlungen in dem Bereich sehr schwierig bis unmöglich.

FU-Professorin Drenkhahn betont das Problem, dass die Polizeipräsenz, insbesondere an spezialisierten Kräften im ländlichen Raum immer weiter zurückgehe: "Wir haben ja bei uns keine spezialisierte Polizei für ländliche Räume, sondern es ist ja eher so, dass sich die Polizei auch aus der Fläche zurückzieht, weil man meint, man kann das nicht mehr bezahlen". Dementsprechend lange dauert es ihrzufolge im schlechtesten Fall, die Ermittlungen aufzunehmen.

Viehwirten wird von der Polizei derzeit empfohlen die Technik aufzurüsten, Kameraüberwachung und Lichtinstallationen. Die Nachfrage, ob das Landwirtschaftsministerium die Bauern bei erhöhten Kosten für die Technik zum Schutz vor Diebstahl unterstütze wurde mit dem Argument zurückgewiesen, dafür sei man nicht zuständig.

Die Agrargenossenschaft Gräfendorf, der vor einigen Wochen 70 Rinder gestohlen wurden, hat bislang noch keine Hinweise auf Ermittlungsfortschritte oder –erfolge erhalten. "Ich rechne auch nicht unbedingt damit, dass noch etwas neue kommt", so eine Mitarbeiterin.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 13.05.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 13.05.2026, Tim Jaeger

Ein Beitrag von Anna Bordel

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