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DDR-Autos: Trabis und Wartburge werden in Zeuden restauriert

Дата публикации: 23-05-2026 08:06:44

Automechaniker Steffen Muschert restauriert in Zeuden alte DDR-Klassiker wie Wartburg und Trabant. Die Nachfrage ist riesig, die Zulassungszahlen steigen wieder.


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Trabis und Wartburge werden restauriert Aus jedem hässlichen DDR-Entlein wird ein Schwan

Ein verrosteter Wartburg auf dem Gelände von Automechaniker Muschert in Zeuden (Quelle: rbb)
Ein verrosteter Wartburg auf dem Gelände von Automechaniker Muschert in Zeuden (Quelle: rbb)

Von Philipp Rother und Lena Wilborn

Steffen Muschert streichelt über das Dach seines Wartburgs. "Diese Kurven - die findest du bei den neuen Autos einfach nicht mehr", sagt der Automechaniker. Er steht neben seinem Wartburg 312 Camping. Zweifarbige Lackierung, Faltschiebedach und Panoramafenster. Nicht wenige sagen, dass es in der DDR kein schöneres Auto gab.

Der Kombi von Muschert wurde im Jahr 1966 erstmals zugelassen. "An dem Auto wurde nie etwas gemacht, es ist genau so vom Band gerollt. Solch ein Wartburg ist nicht mal im Museum in Eisenach zu finden."

Zweifarbige Lackierung, Faltschiebedach und Panoramafenster - der Wartburg 312 Camping von Steffen Muschert (Quelle: rbb) Zweifarbige Lackierung, Faltschiebedach und Panoramafenster - der Wartburg 312 Camping von Steffen Muschert (Quelle: rbb)

Noch immer etwa 9.100 Wartburge unterwegs

Der 50-Jährige startet seinen Wartburg - erst ein leises Klacken, dann ein kehliges Knattern. Und plötzlich ist sie da, diese ganz eigene Klangwelt. Muschert fährt mit dem Auto ins Freie und strahlt.

Im thüringischen Eisenach wurden bis zum Produktionsstopp am 10. April 1991 etwa 1,2 Millionen Autos der DDR-Marke gebaut. 35 Jahre später sind auf den deutschen Straßen - vor allem in Ostdeutschland - noch immer etwa 9.100 Autos unterwegs. Das zeigen aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes. In Brandenburg sind rund 1.500 Wartburgs unterwegs, in Berlin 200. Mit knapp 2.700 Autos sind die meisten in Sachsen zugelassen, in Thüringen sind es rund 1.700. Nur 958 dieser noch zugelassenen DDR-Oldtimer rollen in Westdeutschland über die Straßen.

Trabant genießt heute Kultstatus

Das Auto der DDR war aber der Trabant. Am 30. April 1991 endete in Zwickau (Sachsen) aber auch die Produktion des kleinen zweitürigen Zweitakters. Rund drei Millionen wurden zuvor hergestellt. Die Lieferzeit betrug zehn bis 15 Jahre. Jedes zweite Auto auf den Straßen der DDR war zu Hochzeiten ein Trabant. Heute genießen die als "Rennpappe" verspotteten Fahrzeuge Kultstatus.

Mehr als 41.000 Trabis sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes heute noch mit offiziellem Kennzeichen in Deutschland unterwegs. Mehr als 6.000 von ihnen sind jüngsten Zahlen des ADAC zufolge [adac.de] in Brandenburg unterwegs, nur in Sachsen (rund 10.000) sind es mehr. Die Zahl für Berlin schwankt rund um 1.000 zugelassene Fahrzeuge.

Muschert hat eigenes Lager

Mehr als zwei Jahrzehnte lang waren die Zulassungszahlen der DDR-Autos dramatisch gesunken. Seit 2015 steigen sie wieder langsam. Einen Grund dafür sehen Fachleute darin, dass es angesichts der Preissteigerung für nostalgische DDR-Gefährte wieder Interesse an längst stillgelegten Fahrzeugen gibt.

Muschert sieht eher einen ideellen Wert der Fahrzeuge als Grund: "Sie sind teils schon lange im Familienbesitz, jetzt werden sie wieder rausgeholt." Meist müssten sie aber aufwändig repariert und restauriert werden.

An dem Punkt kommt Steffen Muschert dann ins Spiel: In seiner IFA-Scheune in Zeuden (Potsdam-Mittelmark) repariert und restauriert er die alten Autos. Ersatzteile hat er jahrelang aufgekauft und nun zuhauf in seinem eigenen Lager. Neben Tachometer für Trabis stapeln sich auch originale Zweispeichen-Lenkräder. Es ist eine enorme Sammlung.

Der 50 Jahre alte Steffen Muschert in seiner IFA-Scheune in Zeuden (Quelle: rbb) Der 50 Jahre alte Steffen Muschert in seiner IFA-Scheune in Zeuden (Quelle: rbb)
Ersatzteile muss Muschert nicht bestellen - in seinem Lager hat er alles (Quelle: rbb) Ersatzteile muss Muschert nicht bestellen - in seinem Lager hat er alles (Quelle: rbb)

Autos erzählen Geschichten

Jeder Wagen erzählt seine eigene Geschichte, jede Restauration ist ein kleines Puzzle. Ziel sei es, die DDR-Geschichte ein Stück weit wiederzubeleben, sagt Muschert. "Schon allein, wenn ich einen Kotflügel gründlich poliere: Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht." Aus jedem "hässlichen Entlein" mache er einen Schwan. "Die Autos stehen teils sechs Monate hier, es braucht alles seine Zeit", sagt er: "Wir reparieren hier nicht nur, wir verkaufen hier auch Emotionen. Und das gar nicht zu knapp." Das Ergebnis mache die Menschen glücklich. Und die Nachfrage ist groß: "Wir sind auf zwei Jahre ausgebucht."

Die DDR-Autos sind aber mehr als Technik, sie stehen für Erinnerungen. Muschert selbst hat viele davon im Kopf: Die Liebe zu den alten Autos sei ihm mit der Muttermilch übertragen worden, sagt er. Schon sein Opa habe an ihnen geschraubt. Seine zweite Ehefrau habe erst lernen müssen, Trabbi zu fahren - "dann habe ich sie geheiratet", so Muschert.

Ein Blick in die Werkstatt von Muschert (Quelle: rbb) Ein Blick in die Werkstatt von Muschert (Quelle: rbb)

Preis muss stimmen

Muschert arbeitet drei Tage pro Woche als Automechaniker in einer freien Autowerkstatt. Darüber hinaus verbringt er jede freie Minute in seiner IFA-Scheune im Treuenbrietzener Ortsteil Zeuden.

Er restauriert und repariert aber nicht nur: Er sammelt auch alte DDR-Autos. "Ich habe mir zum Geburtstag und zu Weihnachten immer ein Auto gegönnt - aktuell ist aber Kaufstopp", sagt er. Wie viele er schon hat, möchte Muschert nicht verraten. Prinzipiell stehe aber auch jedes Auto zum Verkauf. Die Chemie zwischen ihm und dem potenziellen Käufer müsse aber passen. Und, natürlich, letztlich auch der Preis.

Fahrzeugbau in der DDR

Im Zusammenhang mit Autos steht die Abkürzung IFA für: Industrieverband Fahrzeugbau. Dabei handelte es sich um einen Zusammenschluss von Volkseigenen Betrieben (VEB) der Fahrzeugindustrie in der DDR. Der Verband wurde 1948 gegründet und steuerte die gesamte Produktion von Fahrzeugen - vom Fahrrad über Motorräder und Pkw bis hin zu schweren Lkw. Die bekanntesten Marken waren Trabant und Wartburg. Bekannte Lkw-Modelle waren der W50 und der L60. Auch die berühmten Simson-Mopeds und MZ-Motorräder gehörten zum Industrieverband.

Sendung: rbb|24, 06.05.2026, 14:04 Uhr

Video: rbb|24, 06.05.2025, Lena Wilborn

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