Berlin will auch mit Hilfe der ILA ein Zentrum für Drohnentechnologie werden, Unternehmen entwickeln bereits Abfangdrohnen in Tegel. Doch ausgerechnet für entscheidende Tests fehlt der Platz. Wenn etwas explodieren soll, führt die Standort-Suche nach Brandenburg.
Drohnen-Start-ups suchen Testflächen Darf man hier sprengen?
Es beginnt mit einem Summen. Erst leise. Dann lauter.
Wer an diesen Tagen auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Schönefeld war, kennt das Geräusch. Wer die Videos aus der Ukraine verfolgt, auch.
Drohnen sind längst keine Nische mehr. Sie überwachen Felder, vermessen Baustellen, liefern Bilder aus Katastrophengebieten. Und sie verändern die Kriegsführung. Auf der ILA bekommen sie deshalb in diesem Jahr ihren eigenen Pavillon.
"ILA immer auch eine Rüstungsmesse"
Klar. "Die ILA ist immer auch eine Rüstungsmesse gewesen", sagt Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Dass Drohnen diesmal besonders viel Aufmerksamkeit bekommen, sei kein Zufall. In aktuellen Konflikten spielten sie eine immer größere Rolle. In Zukunft wahrscheinlich noch mehr.
Wer wissen will, wie diese Zukunft aussieht, muss nicht weit fahren. Vom Rande des aktuellen Hauptstadt-Flughafens zum ehemaligen Flughafengelände Berlins.
In Tegel, dort wo früher Urlaubsflieger starteten, sitzen inzwischen Unternehmen, die genau solche Systeme entwickeln. Zwischen ehemaligen Rollfeldern und Frachthallen entsteht eine neue Industrie. Berlin nennt das inzwischen DefTech – Verteidigungs-Technologie.
Merlin Interceptor-Drohnen von Germandrones. (Quelle: rbb/ Efthymis Angeloudis)
Für solche Versuche braucht es Platz
Zu ihr gehört auch Germandrones. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Interceptors. Drohnen also, die andere Drohnen verfolgen und ausschalten sollen.
Das Problem beginnt, sobald man testen möchte, ob das auch funktioniert. Denn wenn eine Drohne die andere trifft, bleibt davon in der Regel nicht alles oben. "Das sind keine großen Sprengladungen, sondern kleinere", sagt der CEO von Germandrones, Klaus Scho. Aber: "Da fällt natürlich auch irgendwas runter."
Für solche Versuche braucht es Platz. Viel Platz. Zunächst müsse ein Ziel in die Luft gebracht werden. Danach werde es verfolgt. Danach getroffen. Die beteiligten Systeme fliegen mit Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde. "Ein paar Quadratkilometer sind da zu wenig", sagt Scho.
Berlin fällt aus – Brandenburg will helfen
Berlin fällt damit aus. Gesucht werden Flächen in einer Größenordnung von zwanzig Kilometern mal zwanzig Kilometern. Und solche Flächen findet man in Berlin ungefähr so leicht wie einen neuen Flughafen.
Bei Germandrones schaut man deshalb Richtung Brandenburg. Denn da gibt es etwas, das Berlin nicht hat: Platz. Und eine Reihe ehemaliger Militärstandorte. Strausberg sei eine Möglichkeit, sagt Scho. Luftfahrt und Bundeswehr seien dort bereits präsent.
"Wenn man Luft- und Raumfahrt hat, dann muss es auch entsprechende Erprobungs- und Testmöglichkeiten geben", antwortet Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf der ILA. Große ehemalige Truppenübungsplätze und Militärliegenschaften seien vorhanden. Brandenburg wolle bei der Flächenfrage helfen.
Keine Sprengtests in Tegel
Auch in der Berliner Landespolitik ist das Thema angekommen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wirbt für einen neuen Verteidigungs-Campus in Tegel. Forschung, Start-ups und Verteidigungstechnologie sollen dort wachsen.
"Tegel ist spannend, um einen DefTech-Campus zu errichten", sagt Wegner, aber: "Als Testfläche für Sprengsätze bietet sich Tegel natürlich nicht an." Dort habe man eine Hochschule, es werde einen Bundeswehrstandort geben und Wohnungsbau.
Wo stattdessen getestet werden könnte, ist noch offen. Gespräche zu konkreten Flächen zwischen Berlin und Brandenburg gab es allerdings bislang nicht, erklärt Wegner.
Proteste gegen ILA
Mit anderen Worten: Man möchte die Drohnen bauen. Nur explodieren sollen sie bitte woanders. Über dieses "woanders" wird auf der ILA nicht nur in Bezug auf Testflächen eher selten gesprochen. Auf dem Messegelände am Rande des BER fällt es leicht, über die Technologie zu staunen. Schwieriger wird es bei der Frage, wo diese Technologie am Ende eingesetzt wird.
Denn viele der Drohnen und Abwehrsysteme, die hier präsentiert werden, werden bereits in aktuellen Kriegen genutzt. Auch deswegen protestierten am Mittwoch Aktivisten der Gruppe "Peacefully against Genocide" gegen Waffenhersteller und Drohnenunternehmen auf der ILA. Sie kritisieren unter anderem die Zusammenarbeit von Ausstellern mit Israel.
Die Diskussion über Testflächen wird deshalb wohl nicht die letzte Debatte sein, die der Drohnenboom in Berlin und Brandenburg auslöst.
Sendung: rbb24 Abendschau, 10.6.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb|24 Abendschau, 10.6.2026, Efthymis Angeloudis
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