Niedrigwasser legt bundesweit die Schifffahrt lahm. In welchen Bundesländern dürfen Lkw jetzt auch sonntags transportieren und welche regionalen Unterschiede gibt es?
Stand: 14.08.2026, 10:37 Uhr
Niedrigwasser legt bundesweit die Schifffahrt lahm. In welchen Bundesländern dürfen Lkw jetzt auch sonntags transportieren und welche regionalen Unterschiede gibt es?
München – Das anhaltende Extremwetter sorgt für eine drastische Maßnahme im deutschen Güterverkehr: Um den drohenden Kollaps der Lieferketten abzuwenden, haben fast alle Bundesländer das traditionelle Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen gelockert. Grund ist das historische Niedrigwasser auf wichtigen Wasserstraßen wie dem Rhein, das die Binnenschifffahrt massiv einschränkt.

Während einige Länder wie NRW und Niedersachsen die Regelung bereits seit dem vergangenen Wochenende anwenden, ziehen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg erst an diesem Wochenende nach.
Die Bundesländer reagieren mit unterschiedlichen Fristen und Bedingungen auf den Logistik-Engpass:
Die Lockerungen sind in den meisten Regionen zweckgebunden: Sie gelten nur für Transporte, die unmittelbar dazu dienen, durch das Niedrigwasser verursachte Ausfälle auf den Wasserwegen zu kompensieren.
Thüringen geht jedoch einen Schritt weiter und hat das Sonntagsfahrverbot für Lkw bis zum 31. August komplett und ohne Zweckbindung aufgehoben. In Bayern hingegen mahnt Innenminister Joachim Herrmann zur Zurückhaltung: Hier ist die Lockerung auf „unbedingt notwendige Lieferungen“ begrenzt.
Hintergrund: Wenn der Rhein zur Sackgasse wirdDie Lage für die deutsche Industrie ist ernst. Besonders am Rhein, der wichtigsten Wasserstraße Europas, spitzt sich die Situation zu. Am kritischen Pegel Kaub droht die gewerbliche Schifffahrt bei weiter sinkenden Ständen komplett zum Erliegen zu kommen.
Erste Unternehmen wie der Chemiekonzern Covestro melden bereits erhebliche Einschränkungen in der Rohstoffversorgung und Produktion. Da Binnenschiffe oft nur noch mit einem Teil ihrer Kapazität beladen werden können, müssen enorme Gütermengen kurzfristig auf Straße und Schiene verlagert werden.
Experten und Verbände warnen jedoch, dass die Lockerung des Fahrverbots kein Allheilmittel ist. So betont der Logistikverband BGL, dass dadurch zwar zeitliche Flexibilität gewonnen wird, das grundsätzliche Problem des massiven Fahrermangels in Deutschland – es fehlen über 100.000 Kräfte – jedoch bestehen bleibt. (Verwendete Quellen: dpa)
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