Die Jagd erlebt einen Boom: Immer mehr Menschen in der Region Trier gehen jagen. Für die einen bedeutet das mehr Naturverbundenheit, für andere mehr Eingriffe in die Tierwelt.
Wenn Renata Sommer über ihr neues Hobby spricht, kommt sie ins Schwärmen. Im Frühling hat die 51-Jährige ihre Ausbildung zur Jägerin abgeschlossen. Jagen zu gehen, ist für sie etwas ganz Besonderes. "An einem Tag saß ich stundenlang mit meinem Sohn auf einem Hochsitz und habe zwei Füchse beobachtet. Diesen Tag werde ich nie vergessen", sagt die Triererin. Denn: Es ist nicht etwa das Schießen, was sie zur Jagd gebracht hat, sondern vielmehr die Tiere, die Ruhe und die Nähe zur Natur, erzählt sie.
Mit dieser Faszination ist sie nicht allein. Ein Hobby, das lange als altmodisch und männerdominiert galt, erlebt seit einigen Jahren einen deutlichen Aufschwung.
Neuer Rekord bei JagdBundesweit haben seit der Corona-Pandemie rund 65.000 Menschen neu ihren Jagdschein gemacht. Im gleichen Zeitraum vor der Pandemie waren es nur rund 16.000, zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
Teilnehmende sind jünger als früher und auch der Frauenanteil steigt stetig.
Auch in der Region Trier spürt die Jägerschaft den Trend. "Unsere Ausbildungskurse sind sehr beliebt und meistens ausgebucht", erklärt Werner Taube, der seit über 50 Jahren Jäger ist und angehende Jägerinnen und Jäger im Kreis Trier-Saarburg ausbildet.
Was ihm auffällt: "Teilnehmende sind jünger als früher und der Frauenanteil steigt stetig." Der Anteil der weiblichen Jägerinnen in den Jagdschulen und den Verbänden, liegt laut dem Deutschen Jagdverband, bei 28 Prozent. Außerdem kämen viel mehr Interessierte, ohne familiäre oder freundschaftliche Verbindung zur Jagd.
Bei Renata Sommer war es ihr Sohn, der den Anstoß gab. Als er seinen Jagdschein gemacht hat, entschied die Mutter: "Ich mache einfach mit." Heute verbindet die beiden das gemeinsame Hobby, das ihr Leben auf unterschiedlichste Art bereichert hat, verrät Sommer. Vor allem auch im Umgang mit Fleisch: "Zu wissen, was ich esse und wo es herkommt, ist für mich sehr wichtig", sagt sie. Wildfleisch sei eine nachhaltige, ursprüngliche Alternative zum Fleisch aus dem Supermarkt.
Diese Motive hört auch Taube immer wieder in seinen Kursen. "Viele wollen nach der Pandemie einfach wieder raus und Abstand vom Alltag gewinnen", vermutet der Ausbilder. Gleichzeitig werde die Jagd durch soziale Medien sichtbarer.
Bilder aus dem Revier und Einblicke in den Jagdalltag erreichen dadurch Menschen, die früher kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatten. Dass die Jagd dadurch zum Trend geworden ist, sieht Taube aus unterschiedlichen Perspektiven: "Ich freue mich über die Begeisterung. Aber, was hinter der Ausbildung steckt, wird oft unterschätzt."
Ein halbes Jahr lang lernen die angehenden Jägerinnen und Jäger unter anderem Tierkrankheiten, Vogelkunde, Waffenrecht, den sicheren Umgang mit der Schusswaffe und vieles mehr. "Nicht umsonst wird die Prüfung auch als 'Grünes Abitur' bezeichnet", sagt Werner Taube.
Eine herausfordernde Zeit, wie sie Renata Sommer bezeichnet. Für manche Menschen sei das neben Beruf und Alltag schwer unterzubringen. Deshalb gibt es inzwischen auch kompakte Crashkurse, die den Weg zum Jagdschein verkürzen. Für Ausbilder Werner Taube sind diese Crashkurse sogar ein weiterer Grund dafür, dass mehr Menschen den Jagdschein in Angriff nehmen.
Tierschützer kritisieren Jagd-TrendDass die Jagd boomt, ist nicht unumstritten. Während Jägerinnen und Jäger den Zuwachs als Chance für mehr Engagement im Wald sehen, bewerten Tierschutzverbände wie der Deutsche Tierschutzbund die Entwicklung kritisch.
Die Tierschützer befürchten, dass die Jagd zunehmend als Freizeitbeschäftigung verstanden wird, Wildtiere unnötig getötet und natürliche Prozesse stärker durch den Menschen beeinflusst werden, so eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes.
Eifel/Mosel/Hunsrück Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen Wer jagt, muss Verantwortung übernehmenRenata Sommer sieht das anders. Denn: Die Verantwortung gegenüber Natur und Wild steht für sie an erster Stelle. "Man geht mit ganz anderen Augen durch den Wald", sagt sie. "Füchse bei der Jagd zu beobachten, ohne selbst einzugreifen, macht das Erlebnis gerade so besonders", freut sich die Jägerin.
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