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Ex-Brigadegeneral: Warum Top-Manager den Bezug zur Realität verlieren – und wie man es verhindert

Дата публикации: 13-08-2026 07:06:55

Ex-Brigadegeneral Boris Nannt erklärt, wie Distanz zum Team entsteht – und was Führungskräfte dagegen tun können.

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Boris Nannt ist Ex-General und coacht heute CEOs.

Boris Nannt ist Ex-General und coacht heute CEOs.

ADG / Getty Images

  • Boris Nannt, Vorstand der Akademie Deutscher Genossenschaften, warnt vor der Einsamkeit in Führungspositionen.
  • Er erklärt, dass Einsamkeit kein Teil des Jobs ist, sondern ein Zeichen für den Verlust des Kontakts zur Realität.
  • Nannt ermutigt Führungskräfte, aktiv mit ihren Teams zu kommunizieren, um echte Einblicke zu gewinnen.

Boris Nannt war Brigadegeneral bei der Bundeswehr, heute ist er Vorstand der Akademie Deutscher Genossenschaften und coacht CEOs und Manager. Für Business Insider erklärt er, warum Einsamkeit an der Spitze kein unvermeidbarer Teil von Führung ist – sondern ein Warnsignal dafür, dass Entscheider den Kontakt zur Realität im Unternehmen verlieren.

„An der Spitze wird es einsam.“ Diesen Satz höre ich oft. Und meistens wird er so gesagt, als wäre das einfach Teil des Jobs. So wie lange Tage oder schwierige Entscheidungen. Ich glaube das nicht. 

Was ich viel häufiger sehe: Die Menschen werden nicht einsam, weil sie oben sind. Sie werden einsam, weil sie sich Schritt für Schritt von der Realität entfernen, für die sie die Verantwortung tragen. 

Wie Distanz entsteht – und warum sie niemand bemerkt 

Das passiert nicht abrupt. Es ist ein schleichender Prozess. 

Am Anfang bist du nah dran. Du kennst die Themen, die Menschen, die Stimmung. Dann wächst die Verantwortung. Der Kalender wird dichter. Du sitzt in mehr Runden, triffst mehr Entscheidungen, hast weniger Zeit für das, was früher selbstverständlich war. Und irgendwann merkst du gar nicht mehr, dass sich etwas verschoben hat. 

Du sprichst nicht mehr mit denjenigen, die die Arbeit machen. Du sprichst mit denen, die dir erklären, wie die Arbeit läuft. Das ist erstmal logisch, weil Organisationen so funktionieren. Aber es hat eine Nebenwirkung: Du siehst die Dinge nur noch aus zweiter Hand. Das, was bei dir ankommt, ist sortiert, verdichtet und oft auch schon eingeordnet. Nicht, weil jemand dich täuschen will. Sondern weil jeder die Welt aus seiner Perspektive beschreibt und gleichzeitig versucht, sie erklärbar zu machen. 

Das Ergebnis ist kein falsches Bild – aber ein unvollständiges. 

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Wenn alles „stimmt“ – und trotzdem etwas nicht passt 

Ich habe oft Situationen erlebt, in denen auf oberster Ebene alles schlüssig war. Die Zahlen haben gepasst, die Argumentation war sauber, die nächsten Schritte waren klar. Und dann gehst du raus, sprichst mit ein paar Leuten im Team und nach kurzer Zeit merkst du: So rund läuft es hier nicht. 

Da ist Unsicherheit. Da sind Dinge ungeklärt. Da fehlt manchmal einfach die Orientierung. Das Interessante ist: Diese Themen tauchen in keinem Reporting auf. Und genau an der Stelle fangen viele an, gegenzusteuern. Mehr Abstimmungen, engere Taktung, zusätzliche Berichte. In der Annahme, dass man damit wieder mehr Kontrolle bekommt.

Tatsächlich passiert oft das Gegenteil. 

Mit jedem zusätzlichen Format entfernst du dich ein Stück weiter von dem, was wirklich los ist. Nicht absichtlich, sondern systematisch. Weil Informationen immer stärker gefiltert werden, je mehr Stationen sie durchlaufen. Irgendwann bewegst du dich in einem System, das in sich schlüssig ist – aber nicht mehr deckungsgleich mit der Realität. 

Warum sich das wie Einsamkeit anfühlt

Und dann entsteht dieses Gefühl, das viele als Einsamkeit beschreiben. Nicht, weil keine Menschen mehr da sind. Sondern weil dir die unmittelbare Rückmeldung fehlt. Niemand sagt dir mehr ungefiltert, was funktioniert und was nicht. Widerspruch wird seltener. Reibung auch. 

Das kann sich erstmal angenehm anfühlen. Ist es aber nicht. Denn ohne diese Rückmeldung fehlt dir etwas Entscheidendes: ein klares Bild. 

Im Militär wird manchmal von der „Einsamkeit des Führenden“ gesprochen. Damit ist aber nicht gemeint, dass man den Kontakt zu den Menschen verliert. Im Gegenteil. Es geht darum, dass du am Ende die Entscheidung triffst. Und dass du die Verantwortung dafür trägst. Das ist der Moment, der sich einsam anfühlen kann. 

Aber um überhaupt entscheiden zu können, brauchst du ein Gefühl für die Lage. Und das bekommst du nicht aus Unterlagen allein. 

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Was hilft: wieder hingehen

Deshalb habe ich mir angewöhnt, bewusst rauszugehen. Ohne große Vorbereitung, ohne Ankündigung. Einfach, um mitzubekommen, wie es wirklich läuft. Gespräche, die nicht geplant sind. Eindrücke, die nicht aufbereitet wurden. 

Nicht als Kontrollinstrument, sondern als Korrektiv für mein eigenes Bild. Das kostet Zeit. Und es ist nicht immer bequem. Aber es erdet. Wenn man das nicht macht, passiert etwas anderes: Man beginnt, den eigenen Informationen zu vertrauen, weil sie konsistent sind. Und übersieht dabei, dass sie vielleicht nur einen Ausschnitt zeigen. 

Einsamkeit an der Spitze ist für mich deshalb kein unvermeidbarer Zustand. Sie ist eher ein Hinweis darauf, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Meistens nicht dramatisch. Aber spürbar. Und dann bringt eine einfache Frage Klarheit: Wann habe ich zuletzt wirklich mit den Menschen gesprochen, für die ich Verantwortung trage – nicht über sie, sondern mit ihnen? 

Die Antwort darauf ist oft ehrlicher, als man denkt. Denn am Ende geht es nicht um „nett sein“. Entscheidend ist, die Realität im Unternehmen präzise wahrzunehmen und ein verlässliches Gespür für das Wesentliche zu behalten. Und dafür musst du hingehen. 

Boris Nannt ist Vorstandsvorsitzender der Akademie Deutscher Genossenschaften in Montabaur. Hier coacht er Manager und CEOs. Zuvor war der Brigadegeneral a.D. 34 Jahre bei der Bundeswehr tätig, zuletzt als Kommandeur der Logistikschule und davor als Direktor an der Führungsakademie. Der studierte Betriebswirt war zudem bei Ursula von der Leyen militärischer Sprecher des Verteidigungsministeriums und in mehreren Auslandseinsätzen im Kosovo und Afghanistan eingesetzt.

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Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 17.54. Источник: www.businessinsider.de.