Eine Intel-Forschungschefin hat in den USA, Europa und Asien gearbeitet. Der größte Unterschied zeigte sich beim Thema Innovation.
Intel Foundry
Intel-Managerin Myung-hee Na hat in den USA, Europa und Südkorea in der Halbleiterbranche gearbeitet.
Ihrer Erfahrung nach fördern die USA kreatives Denken, während in Südkorea Disziplin und Umsetzung im Vordergrund stehen.
Für den Erfolg der Chipindustrie braucht es nach ihrer Ansicht beide Stärken.
Dieser Beitrag basiert auf einem Gespräch mit Myung-hee Na. Die Ingenieurin arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Halbleiterindustrie und leitet die Technologieforschung bei Intel Foundry. Dort entwickelt sie Grundlagen für die nächste Generation von Halbleiterchips. Das Gespräch wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.
Ich habe in den USA, Europa und Südkorea gearbeitet. Die Technologie selbst war überall dieselbe. Halbleiterphysik bleibt Halbleiterphysik – unabhängig davon, in welchem Land man arbeitet.
Die Kultur, die diese Technologie umgibt, unterscheidet sich dagegen erheblich.
Dabei spielen gleich mehrere Ebenen eine Rolle: die Kultur des Landes, die Unternehmenskultur und die Besonderheiten der Technologiebranche. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren schafft sehr unterschiedliche Arbeitsumgebungen.
Heute leite ich die Technologieforschung bei Intel Foundry. Mein Team arbeitet viele Jahre vor der eigentlichen Produktion. Wir erforschen neue Materialien, testen neue Konzepte und versuchen herauszufinden, wie künftige Halbleitertechnologien aussehen könnten, lange bevor sie in die Fertigung gelangen.
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Ich habe 18 Jahre bei IBM in New York und Vermont gearbeitet, anschließend zwei Jahre in Belgien und danach drei Jahre bei SK Hynix in Südkorea verbracht, bevor ich in die USA zurückkehrte.
Was mich an den USA am meisten beeindruckt, ist der hohe Stellenwert von Innovation und eigenständigem Denken.
Nach meiner Erfahrung ermutigt das amerikanische Bildungssystem Menschen dazu, eigene Ideen zu entwickeln und bestehende Annahmen zu hinterfragen. Wer neue Wege geht, wird häufig eher belohnt, als wenn er sich strikt an vorgegebene Muster hält. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem Innovation aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen kann.
Genau diese Denkweise ist für meine heutige Arbeit entscheidend. Bei Intel beschäftigen wir uns mit Problemen, die sich möglicherweise erst in fünf bis zehn Jahren auf Produkte auswirken werden. Oft wissen wir zwar, welche Leistungssteigerungen wir erreichen möchten – aber noch nicht, wie wir dorthin gelangen.
Unser Arbeitsalltag besteht darin, wissenschaftliche Veröffentlichungen auszuwerten, Experimente zu entwickeln, neue Materialien zu testen und Millionen möglicher Kombinationen zu untersuchen. Wir beginnen mit Ideen im Labor, grenzen die vielversprechendsten Ansätze ein und überführen sie schließlich in umfangreichere Testreihen.
Methoden, die bei der bisherigen Chipgeneration funktioniert haben, lassen sich nicht automatisch auf die nächste übertragen. Deshalb müssen wir neue Wege gehen, gemeinsam Lösungen entwickeln und Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.
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In vielen Teilen Asiens – darunter auch Südkorea – habe ich eine andere Stärke erlebt. Dort stehen Disziplin, Standardisierung und konsequente Umsetzung häufig stärker im Mittelpunkt.
Teams arbeiten oft mit beeindruckender Präzision. Sobald eine Richtung festgelegt ist, setzen alle sie effizient und konsequent gemeinsam um.
Gerade in der Halbleiterindustrie ist das enorm wichtig. Der Erfolg hängt davon ab, dass Tausende Produktionsschritte exakt wie vorgesehen funktionieren.
Diese Herausforderung begleitet mich jeden Tag. Forschung ist nur ein Teil des Prozesses. Bei Intel arbeiten wir eng mit den Fertigungsteams zusammen, denn eine gute Idee aus dem Labor allein reicht nicht aus. Sie muss zuverlässig, skalierbar und praxistauglich sein, damit daraus ein marktfähiges Produkt entstehen kann.
Ich halte weder den amerikanischen noch den südkoreanischen Ansatz grundsätzlich für besser. Beide haben ihre Stärken und Schwächen – und die Halbleiterindustrie braucht beides: Innovation und exzellente Umsetzung.
Neue Ideen sind nur dann wertvoll, wenn sie sich in zuverlässige Produkte verwandeln lassen.
Warum Vielfalt bessere Ideen hervorbringt
Business Insider
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus meiner Arbeit in verschiedenen Regionen ist, dass Innovation stärker wird, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenarbeiten.
Die Bedeutung von Vielfalt lässt sich kaum überschätzen. Wenn alle in einem Raum gleich denken, lässt sich das Ergebnis einer Diskussion oft schon vor ihrem Beginn vorhersagen.
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Die Momente, in denen Technologie wirklich vorankommt, sind meist diejenigen, in denen jemand sagt: „Darüber habe ich noch nie so nachgedacht.“ Solche Impulse entstehen häufig durch Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, kulturellen Prägungen und Perspektiven.
Genau das ist aus meiner Sicht eine der größten Stärken der USA. Dort kommen Menschen mit unterschiedlichen Ideen und verschiedenen Herangehensweisen an Probleme zusammen.
Das erlebe ich täglich in der Forschung. Besonders wertvoll sind Diskussionen, in denen Ingenieure, Wissenschaftler und Forscher dieselbe Herausforderung aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Gerade aus diesen Debatten entstehen oft Lösungen, auf die keiner von uns allein gekommen wäre.
Die Halbleiterbranche entwickelt sich derzeit schneller als je zuvor – vor allem durch den Aufstieg der künstlichen Intelligenz. Um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, braucht es neue Denkweisen.
Innovation entsteht nicht dadurch, dass alle derselben Meinung sind. Sie entsteht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam nach einer Lösung suchen.
Lest den Originalartikel auf Business Insider US.
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