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Zeche Nachtigall: Wittener fotografiert heimische Industrie in cooler Optik

Дата публикации: 31-05-2026 09:00:00

Philip Pearce gelingt ein Wunder. Der Wittener begeistert mit Industrie-Fotos. Zur Vernissage auf Zeche Nachtigall kamen mehr Leute als erwartet.

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Zusammenfassung
  • Der Wittener Philip Pearce liebt Industrie, und er liebt Fotografie.
  • Beide Leidenschaften bringt er in einer Ausstellung in der Zeche Nachtigall zusammen.
  • Bereits das Making-Of sorgte in den beteiligten Unternehmen für Begeisterung.

Philip Pearce ist ein kleines Wunder gelungen. Der Wittener Fotograf begeistert für Kunst – sogar ein Publikum, das sich in der Regel nicht zu den Schöngeistern zählt. Der gebürtige Brite zeigt die heimische Industrie, wie sie noch nie zu sehen war. Aus Gesprächen mit Unternehmern wie Beschäftigten weiß er: Seine Fotos machen sie alle stolz. Seit Samstag (30.5.) sind sie im Industriemuseum Zeche Nachtigall zu sehen. In die Ausstellung locken nicht nur Fotos.

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Philip Pearce ist seine britische Herkunft im Gespräch nicht anzumerken. Der ehemalige Hoeschianer spricht, wie der Mittsechziger selbst sagt, den „Dortmunder Slang“. Den Erstkontakt zu den Wittener Unternehmen Lohmann, J. D. Neuhaus, Düchting und Feller Yachting hat die Wirtschaftsförderung des Ennepe-Ruhr-Kreises hergestellt, die EN-Agentur. Mehr Anschub hat Philip Pearce nicht gebraucht: „Irgendwann fing das Ding an zu laufen.“ Der Künstler kann gut mit Menschen – und hat Erfahrung als ehemalige Führungskraft in der Industrie.

So reagieren Wittener Unternehmen auf Zusammenarbeit mit den Künstlern

Das ist auch seinen Mitstreitern zugutegekommen: Vasilij Plotnikov ist Bildhauer, Achim Brodde Fotograf mit Schwerpunkt Digitalisierung. Zwei Jahre sind die Drei im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs gewesen. Technische Prozesse haben sich in ihren Händen in faszinierende Hingucker verwandelt.

Cooles Foto: So war ein Getriebe des Wittener Hebezeug-Herstellers J. D. Neuhaus noch nie zu sehen.

Cooles Foto: So war ein Getriebe des Wittener Hebezeug-Herstellers J. D. Neuhaus noch nie zu sehen.© Philip Pearce | Philip Pearce

„Nach dem ersten Treffen war man sich umgehend sympathisch“, stellt Carsten Düchting vom gleichnamigen Pumpen-Unternehmen fest. Gitta Neuhaus-Galladé vom Hebezeug-Hersteller JDN schwärmt: „Die Zusammenarbeit war dabei immer offen, unkompliziert und von echtem gegenseitigem Interesse geprägt. Dabei entstanden viele Gespräche über Handwerk, Präzision und die Bedeutung industrieller Arbeit.“  Stahl-Produzent Gunnar Lohmann-Hütte: „Die Ergebnisse der Ausstellung empfinden wir als ausgesprochen gelungen.“ Bootsbauer Uwe Feller stimmt zu: „Der Ansatz, der mich begeistert, ist der Fokus auf das Alltägliche, die Maloche, die Prozesse, die für die Außenwelt so nicht zu sehen sind. Es entstehen eben unglaubliche Dinge in unserer Region.“

„Die Begeisterung ist da. Das ist in den Belegschaften zum Selbstläufer geworden.“

Philip Pearce,, Industrie-Fotograf aus Witten

Farbe ist Trumpf, die coolen Kunstwerke wirken nicht selten durch große Formate, und die Blickwinkel der Künstler erlauben neue Sichtweisen auf die inhabergeführten Unternehmen. Und noch etwas findet Gefallen bei Firmenleitungen wie Belegschaften: Die 66 Fotos plus neun Skulpturen bedienen keine nostalgischen Gefühle – sie eröffnen neue Blicke auf die Gegenwart. Sie beschwören keine Angst vor De-Industrialisierung. Im Gegenteil: Sie geben sogar eine Zukunftsperspektive. „Das macht was mit dem Betrachter“, weiß Philip Pearce. „Ich möchte zeigen, wie spannend Industrie und Handwerk sind, und wie innovativ der Kreis ist.“

Philip Pearce stellt aus.

Philip Pearce stellt Fotografien unter dem Titel "Industrie Art-EN" in Wittens Zeche Nachtigall aus. Der Künstler erläutert vor Ort seine Bilder.© FUNKE Foto Services | Klaus Pollkläsener

So hat der Dozent an der Uni Witten/Herdecke beispielsweise bei Lohmann einen Behälter mit kochendem Stahl per Foto-Programm in einen „Hexenkessel“ verwandelt. Zuweilen verändert die Bildbearbeitung sogar das Temperatur-Empfinden. Glühheißer Stahl wirkt unvermutet kalt wie Eiswürfel. Und JDN-Seniorchef Wilfried Neuhaus-Galladé erinnert ein Foto von Ketten eines Hebezeugs seines Unternehmens an ein Uhrwerk. Tatsächlich ist es „ein Blick in ein Getriebe“, wie Philip Pearce sagt. Der Ausschnitt macht’s.

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Das Künstler-Trio hat alle Beteiligten bei den kreativen Prozessen stets mitgenommen. Die Mühe hat sich gelohnt. „Die Begeisterung ist da“, weiß Philip Pearce, „das ist in den Belegschaften zum Selbstläufer geworden. Manche sind sogar auf mich zugekommen und haben gefragt: Wie kann ich helfen? Das ist eine absolute Win-win-Geschichte, und das hat mich sehr gefreut.“

Zurück in die Zukunft: Industrie-Fotograf Philip Pearce hat einen Mitarbeiter des Wittener Unternehmens Feller Yachting futuristisch in Szene gesetzt.

Zurück in die Zukunft: Industrie-Fotograf Philip Pearce hat einen Mitarbeiter des Wittener Unternehmens Feller Yachting futuristisch in Szene gesetzt.© Philip Pearce | Philip Pearce

Die Vernissage der Ausstellung auf Zeche Nachtigall erwies sich als unerwartet großer Erfolg. 80 Karten für Sitzplätze waren ratz-fatz vergeben. Doch der Platz reichte nicht. Zur Eröffnung des Kunst-Projekts unter anderem mit EN-Landrat Jan Christoph Schaberick und Wittens Bürgermeister Dirk Leistner kam auch Lauf- oder besser gesagt: Fahrrad-Kundschaft. Die Kunstinteressierten gaben sich bereitwillig mit Stehplätzen zufrieden. Museumschef Gerben Bergstra sah all dies mit Wohlgefallen.

  • Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 13. September 2026.
Künstler bietet Führungen an

Die drei Künstler, die gerade auf Zeche Nachtigall in Witten-Bommern ihre Werke im Rahmen der Ausstellung „IndustrieART-EN“ zeigen, erklären Interessierten vor Ort, was sie machen. Vasilij Plotnikov ist Bildhauer, Achim Brodde Fotograf mit Schwerpunkt Digitalisierung und Philip Pearce ebenfalls Industrie-Fotograf. Die Führungen finden 28. Juni, 2. August und 13. September jeweils um 11 Uhr statt. Sie dauern 90 Minuten. Zum Museumseintritt kommen keine Extrakosten.

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